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Götterpflanze Bilsenkraut Die kulturträchtigste Nachtschatten-Pflanze von Storl, Wolf-Dieter (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.04.2013
  • Verlag: Nachtschatten Verlag
eBook (ePUB)
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Götterpflanze Bilsenkraut

Bilsen, Bilz, Pilsenkraut, Pilsnerkraut, Tolle Bülsen, Saukraut, Zankkraut, Teufelskraut, Todtenkräutl, Wolffskraut....an die 200 mundartlichen Benennungen gibt es im Volksmund von dem bei uns vorkommenden Bilsenkraut (Hyoscyamus niger). Für unsere heidnischen Vorfahren, für die weisen Frauen und Schamanen, war das Bilsenkraut ein Schlüssel zum Tor in die Anderswelt. Die, im richtigen Umgang Unterwiesenen, konnten damit das Totenreich besuchen, die Göttersphären oder auch die Elementarwelt. Es war die Zauberdroge, die es ermöglichte hinter der äusseren Erscheinungswelt im Bereich der Ursachen zu agieren, es war Flugkraut und Liebesmittel. Das Aufklärungsbuch Götterpflanze Bilsenkraut räumt mit diesem Aberglauben und Unwissen auf.

Produktinformationen

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Götterpflanze Bilsenkraut

Botanik und Signatur

Die giftigen Solanaceen sind eben zu hoch entwickelte Pflanzen,
als daß der Mensch mit ihnen fertig werden könnte.

(G ERBERT G ROHMANN , Botaniker)

Have we eaten of the insane root
That takes the reason prisoner?

(W ILLIAM S HAKESPEARE , "Macbeth" I,3)

... es könnte was Teuflisches sein, was Schwarzes,
also ein Zwischenwesen,
irgendein Wesen, das nicht in unsere freundlichen Gefilde gehört
sondern aus einer uralten Zeit noch hier ist
oder so was in der Richtung.
(H ANS P ETER D UERR , Kulturanthropologe, zum Thema Bilsenkraut)

D as Bilsenkraut ( Hyoscyamus ) ist wahrscheinlich ein Archäophyt, also eine Pflanze, die in vorgeschichtlicher Zeit nach Mitteleuropa eingewandert ist. Sie kam mit den matrifokalen Bauern, die nicht mehr nur umherstreifende Jäger und Sammler waren, sondern den Wald brandrodeten, Getreide und Leguminosen anbauten und sich dazu einige Rinder, Zeigen, Schafe und Schweine hielten. An den reichlich mit Urin, Kot und Asche gedüngten Rändern der festgetrampelten Wege, auf den Schutt- und Abfallhaufen rund um die Siedlung gediehen stickstoffliebende, schnellwüchsige Pionierpflanzen als so genannte "Kulturbegleiter" recht gut. Diese den Archäologen als Bandkeramiker bekannten Urbauern, kamen aus dem östlichen Mittelmeerraum; sie zogen allmählich entlang der Donau und deren Nebenflüssen und besiedelten die fruchtbaren Flußtäler.

Dass das Bilsenkraut aus dem Süden kam, verraten bestimmte physiologische Merkmale. Bilsensamen keimen spät im Jahr, erst, wenn der Boden richtig warm ist. Das Kraut hat wie Lavendel, Königskerze, das klebrige Greiskraut, Salbeiarten und andere Gewächse, die aus den trockenen, mediterranen Gegenden stammen, eine eher graue Erscheinung. Diese rührt davon her, dass sich die Pflanze mit einem feinen Pelz aus klebrigen Härchen gegen die sengende Sonne schützt.

Es gibt ungefähr ein Duzend Hyoscyamus -Arten - je nach dem, welchen Taxonomen man fragt. Die meisten sind an heiße, trockene Standorte gebunden. Sie spielen alle ein wichtige Rolle als Heil- und Zauberpflanzen. Hier wollen wir uns aber vor allem mit dem bei uns gelegentlich wild wachsenden schwarzen Bilsenkraut ( Hyoscyamus niger ) befassen.

Es steckt eine gewaltige Vermehrungskraft in dieser Pionierpflanze. In den rund 50 Früchten, die eine mittelgroße Pflanze hervorbringt, entwickeln sich bis zu 10.000 Samen, und diese behalten ihre Keimfähigkeit in tiefen, luftabgeschlossenen Erdschichten mehrere hundert Jahre lang. Der dänische Medizinhistoriker Jens Lind fand Bilsenkrautsamen bei der Ausgrabung einer Burgruine, die vermutlich 800 Jahre in Samenruhe verharrt hatten (H ANSEN 1983:45). Vor der Neuzeit war das Nachtschattengewächs häufiger anzutreffen, jedoch nie in dem Maße wie die üppig wuchernden Brennnesseln, Gundermann, Giersch und andere Wildkräuter. Die mittelalterlichen Braumeister, die ihre eher schwachen Biere in rauschige Starkbiere verwandeln wollten, mussten sich deshalb Bilsenkrautpflanzungen anlegen. Gemeindenamen wie Bilwsgarten, Bilsensee, Bilsdorf, Bilsen (Holland) oder Pilsen (Böhmen) sind nach solchen Äckern benannt. Massive Anwendung von Herbiziden, Planierungen und großflächige Überbauungen haben bei uns das Bilsenkraut als Wildpflanze zur Seltenheit gemacht. Auch der zu Kaiser Wilhelms Zeiten eingeschleppte, aus Amerika stammende Kartoffelkäfer (Coloradokäfer) hat das Seinige dazu getan. Heute steht die Pflanze unter Naturschutz.

Das Giftgewächs

Auf die botanischen Details werden wir hier nicht weiter eingehen, mehr auf die symbolische und kulturgeschichtliche Bedeutung. Auffallend ist allenfalls die Signatur der Blüte. Der liebende Blick würde sie schön nennen.

Viele aber empfinden eher Abscheu: "Wenn man das schreckliche Bilsenkraut sieht, mit seiner K

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