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Kapitäne erzählen Geschichten von Seeleuten auf Grosser Fahrt

  • Erscheinungsdatum: 01.09.2006
  • Verlag: Hinstorff Verlag
eBook (ePUB)
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Kapitäne erzählen

Die Geschichten von Seefahrern haben bei ihren Zuhörern stets eine besondere Form von Faszination ausgelöst. Denn vor der unbändigen Gewalt der Ozeane schrecken viele zurück und sind doch zugleich in den Bann von Weltoffenheit und Abenteuer gezogen, der mit dem Leben auf See und dem Reisen in ferne Länder verbunden ist. Anke Peters vereint unterhaltsame und zum Teil unglaubliche Geschichten von Kapitänen, die mit ihren Mannschaften lange Jahre im Dienst der Deutschen Seerederei Rostock tätig waren. Von lebensgefährlichen Situationen in stürmischer See und undurchdringlichem Packeis bis hin zu kuriosen Sitten und Verhaltensweisen an - und manchmal auch über - Bord reicht die Palette in diesem überaus kurzweiligen Buch. Ein Lesegenuss, der sich nicht allein für maritime Experten, sondern auch für ausgesprochene Landratten empfiehlt.

Anke Peters, geboren 1964 in Berlin, arbeitete bis 1996 am Institut für Slawistik der Universität Rostock mit den Schwerpunkten Folklorismus und Erzählforschung. Seit mehreren Jahren ist sie als Ghostwriterin im autobiographischen Bereich tätig.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 240
    Erscheinungsdatum: 01.09.2006
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783356017816
    Verlag: Hinstorff Verlag
    Größe: 5523 kBytes
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Kapitäne erzählen

Kapitän Ulrich Prahn

I. Im Packeis

Die folgende Geschichte spielte sich im Jahr 1968 ab. Zu dieser Zeit war ich Erster Offizier auf dem Hochseetrawler Ros 404 "Elvira Eisenschneider".

Wie jeden Winter fischten wir bei Labrador. Dort betrieben wir Übergabefischerei, unsere "Elvira Eisenschneider" gehörte zu einer Reihe von Trawlern, welche ihren Fang regelmäßig an das Mutterschiff "Junge Garde" abgaben.

Tagsüber lagerten wir den Fisch in Bunkern. Jeden Abend wurde er, noch fangfrisch, in den Übergabesteert, einen Netzsack, gepumpt. Um diesen Steert schwimmfähig zu halten, versahen wir ihn mit großen Blasen. Anschließend befestigten wir an ihm ein dickes Tau, den sogenannten Übergabetampen, und eine Kork- oder Schwimmleine. Die "Junge Garde" konnte den Steert dann mit einem Draggen aufpicken und über eine Heckslip an Deck ziehen. Auf dem Mutterschiff erfolgte anschließend die weitere Verarbeitung des Fisches. Diese Art der Fischerei erwies sich als sehr effektiv, doch die Übergabe gestaltete sich oft schwierig und führte zu manch gefährlicher Situation.

Ein folgenschwerer Zwischenfall ereignete sich auch auf jener Märzreise 1968, von der hier zunächst die Rede sein soll. Sturm, Kälte und Treibeis hatten uns seit mehreren Tagen das Leben schwer gemacht und die Übergabe regelmäßig zu einer Zitterpartie werden lassen. Eines Abends passierte es dann: der Übergabetampen zog sich in die Schraube des Mutterschiffes, und die "Junge Garde", nunmehr manövrierunfähig, trieb immer weiter ins Eis.

Mancher fragt sich vielleicht, warum wir mitten im Treibeis überhaupt fischten? - Nun, es gab während des späten Winters kaum eisfreie Zonen in jener Gegend: Der mächtige Labradorstrom beförderte jedes Jahr im März gewaltige Mengen von Treibeis gen Süden. Auch hielt sich der Fisch bevorzugt unter dem Eis auf, und ihm stellten wir ja nach. Auf der Jagd nach unserer Beute ignorierten wir die Gefahr und wurden täglich mutiger. Nach mehreren Wochen "im Fisch" hatten wir keinerlei Blick mehr für die imposanten, aber heimtückischen Treibeisfelder. Normalerweise ging alles gut aus, doch dieses Mal gerieten alle beteiligten Schiffe im wahrsten Sinne des Wortes in gefährliches Fahrwasser.

Auf Fischfang bei Labrador, 1968

Der Wind aus Nordosten drückte die "Junge Garde" also in den Packeisgürtel hinein. Da das Schiff weder Maschine noch Ruder benutzen konnte, war es den Kräften des Eises hilflos ausgeliefert.

Wir, die "Elvira Eisenschneider", und mit uns die "Artur Becker" (Ros 401) wurden beordert, die "Junge Garde" freizuschleppen. Das war leichter gesagt als getan. Der Sturm behinderte unsere Versuche, auch machte unseren Schiffen die hohe Dünung, die unter dem Eis lief, zu schaffen.

Schön, aber klirrend kalt: vereistes Deck des Trawlers

Wenn die "Junge Garde" andersherum gelegen hätte, wäre sie freigekommen und an der Eiskante entlang getrieben. Deshalb hätten wir das Schiff am liebsten gedreht, doch dazu bot sich uns keinerlei Möglichkeit.

Während unser Kapitän noch überlegte, wie er überhaupt einigermaßen gefahrlos an das Mutterschiff heranfahren sollte, geschah das Befürchtete: Das Eis schlug die "Junge Garde" auf der Backbord-Seite leck, das Schiff erlitt einen Wassereinbruch. Gewaltige Mengen Wasser strömten in den Maschinenraum.

Etwa zur gleichen Zeit ereignete sich auf der "Artur Becker" ein Unfall. Beim Versuch, eine Schleppverbindung zur "Jungen Garde" herzustellen, brach sich ein Seemann den Arm und musste erst einmal versorgt werden. Jetzt war also unser Schiff, die "Elvira Eisenschneider", gefordert. In Anbetracht der äußerst gefährlichen Situation, in der sich das Mutterschiff befand, riskierte unser Kapitän alles und fuhr ungeachtet der Eismassen dicht an die "Junge Garde" heran. Schnell gelang es uns, die Leine nach seemännischem Brauch festzumachen, aber als wir anschleppen wollten, rührte

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