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Vom Werden des neuen Arztes von Bircher-Benner, Max (eBook)

  • Verlag: Verlag Hans Huber
eBook (PDF)
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Vom Werden des neuen Arztes

Der Klassiker der ganzheitlichen Medizin

Wenn man heute mit dem Namen Bircher-Benner vor allem das Birchermüesli, allenfalls noch die Rohkostlehre verbindet, gerät in Vergessenheit, wie vielfältig die Anregungen sind, die von diesem ersten Vertreter einer ganzheitlichen Medizin ausgingen. Bircher-Benner propagiert nicht nur eine Rückkehr zu einer naturnäheren Ernährungsweise und zu mehr Bewegung - Empfehlungen, die uns heute selbstverständlich sind -, sondern auch eine umfassende, an Naturrhythmen orientierte Reform der Lebensweise. Nicht zuletzt bezieht er ausdrücklich die entstehende Psychotherapie in seine Vision vom "neuen Arzt als Körper- und Seelenarzt" ein.

Maximilian Oskar Bircher-Benner ( 22. August 1867 in Aarau; 24. Januar 1939 in Zürich) entwickelte ab 1891 als praktischer Arzt und ab 1904 in seinem Sanatorium auf dem Zürichberg seine Ernährungslehre und Ordnungstherapie. Prominente Kurgäste wie Thomas Mann, Rainer Maria Rilke und Herrmann Hesse machten vor dem I. Weltkrieg Bircher-Benners Lehre weit über die Grenzen der Schweiz bekannt.

Produktinformationen

    Format: PDF
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 198
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783456951997
    Verlag: Verlag Hans Huber
    Größe: 1076kBytes
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Vom Werden des neuen Arztes

Der Behandlungsunterschied, der meinen Patienten zuerst auffällt, ist der weitgehende Wegfall der Medikamente und die Neuregelung der alltäglichen Lebensgeschehnisse, so der Ernährung und der Lebensordnung. "Wie, die Nahrung soll unser Heilmittel sein?" So lautet stets die erste Frage. Andere sagen: "Bisher war mir verordnet, bis 11 Uhr vormittags im Bett zu bleiben, Sie aber heißen mich früh aufstehen und früh zu Bett gehen. Warum dieser Unterschied?" - Angst vor frischer Luft, vor jedem Luftzug bringen sie alle mit. Hier gilt Tag und Nacht frische Luft. Das Hautorgan wird dem Einfluss von Luft und Sonne, dem Wechsel von warm und kalt ausgesetzt, bisher aber war es sorglich vor jedem Lufthauch, jedem Sonnenstrahl, jeglicher Kälte behütet worden. Warum dies? Auch hören die Patienten hier die ihnen neue Botschaft, dass nicht nur der Arzt sich um ihre Gesundung bemühen muss, sondern auch sie selbst, ja, dass sie vor allem selbst für den Erfolg verantwortlich sind. Zur Überwindung gehöre die harmonische Zusammenarbeit von Patient, Arzt und Gott.

Solche Lehren und Heilwege sind zwar in der Medizin nichts Neues, aber die Zahl der Ärzte, die sie verwirklichen, ist relativ sehr klein. Unsere Kranken haben in der Regel jahrelange, erfolglose Behandlung hinter sich. Sie erwarten die Heilung durch die verordneten Mittel, nicht durch eigenes Verhalten. Umso größer ist ihr Erstaunen, wenn der neue Heilweg ihnen die Gesundheit zurückbringt.

Wie also war ich selbst auf die Entwicklungsbahn des neuen Arztes geraten? Mein Nachdenken führte mich mit der Zeit immer weiter zurück in die Jugendzeit und sogar in die früheste Kindheit, wo sich Erlebnisse abspielten, die vorbestimmend auf meine spätere Entwicklung eingewirkt haben. So werde ich Ihnen nun zuerst von diesen Erlebnissen berichten, die wohl auch maßgebend für die Berufswahl gewesen sind.

Das erste und vielleicht wichtigste Kindheitserlebnis lag bis zu meinem vierzigsten Lebensjahre völlig vergessen in meinem Unterbewusstsein. Da ereignete sich in einer Stunde der Innenschau plötzlich ein Riss in der dunklen Wand des Innern, und ich sah eine wohl 15 cm lange, klaffende und blutende Schnittwunde in zarter Menschenhaut. Schreckgefühl begleitete diese Vision, aber sogleich tauchten weitere Erinnerungen auf: Ich bin als zweieinhalbjähriger Knabe in einem Zimmer, in welchem meine Mutter fiebernd im Bett liegt. Sie steht auf, fällt, stößt einen Schrei aus. Ein Gefäß ist zerbrochen. Sie liegt am Boden, und an ihrem Körper sehe ich jene große blutende Wunde. Ich erkenne das Haus, die Wohnung und das Zimmer, wo solches geschah, sofort. Ich befragte nachher meine Mutter, die noch lebte, über diese Erinnerung. Sie bestätigte den Vorfall. Der Arzt hätte die Wunde zugenäht. Dann erzählte sie:

Als du alt genug warst, eine Schere zu gebrauchen, hast du oft aus Papier Menschenfiguren ausgeschnitten, sodann ihnen einen Schnitt beigebracht und diesen mit kleinsten Papierstreifen verklebt, sagend, du wollest die Wunde zunähen. Du hast dich schon vor der Schulzeit für alle Krankheiten in der Familie so auffallend interessiert, dass wir dich "das Dökterli" nannten.

Meine Mutter hat auch in den folgenden Jahrzehnten viel gelitten, körperlich und seelisch, auch mein Vater erlitt Schweres, und alles dieses lastete fortgesetzt auf meinem Gemüte. Wer die Bedeutung des Mutterkomplexes für die Entwicklung des Sohnes kennt, wird auch die Impulskraft dieser Kindheitserlebnisse zu würdigen wissen.

"Die Lust zur Arbeit auf lange Zeit", die Hippokrates für den werdenden Arzt fordert, wurde mir offenbar auch in die Wiege gelegt. Meine Vorfahren väterlicherseits waren ein an harte Arbeit gewöhntes Bauerngeschlecht aus den Jurabergen. Der Vater selbst war ein Frühaufsteher und unermüdlicher Arbeiter als Notar in der Kantonshauptstadt. Im mütterlichen Blute hatte sich das Wesen der Appenzellerberge mit demjenigen des Emmentals gemischt; sie war eine groß

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