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Biophilia in der Stadt Wie wir die Heilkraft der Natur in unsere Städte bringen - Vom Autor des Bestsellers 'Der Biophilia-Effekt' - Mit einem Vorwort von Gerald Hüther von Arvay, Clemens G. (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 14.05.2018
  • Verlag: Goldmann
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Biophilia in der Stadt

Mit einem Vorwort von Gerald Hüther Die Natur ist das beste Mittel gegen Zivilisationsleiden wie Stress, Herz-Kreislaufprobleme und depressive Verstimmung. Im Wald stärken wir unser Immunsystem und unsere Organe bis zu den Zellen. Aber wie die heilende Kraft der Natur in der Stadt erleben? Waldbaden in der City? Clemens Arvay ist optimistisch. Der Biologe zeigt, wie und warum sich naturnah gestaltete Großstädte positiv auf die Gesundheit des Einzelnen und auf das gesamtgesellschaftliche Wohlbefinden auswirken. Die biophile Stadt der Zukunft besteht aus einem Netzwerk von Ökokorridoren, garantiert verbesserte Luftqualität und bietet Naturerfahrung für jeden. Mit Tipps, wie Stadtbewohner die Heilkraft der Natur schon jetzt effizient nutzen können. Clemens G. Arvay, Jahrgang 1980, ist Diplom-Ingenieur und Biologe. Er studierte Landschaftsökologie und Pflanzenwissenschaften in Wien und Graz und ist Autor zahlreicher Bücher, darunter mehrere Bestseller. Arvay beschäftigt sich mit der Beziehung zwischen Mensch und Natur, wobei er die gesundheitsfördernden Effekte des Kontakts mit Pflanzen, Tieren und Landschaften in den Mittelpunkt rückt. Ökologisch produzierte Lebensmittel sowie die Kritik an der Wirtschaftsweise großer Lebensmittelkonzerne stellen einen zweiten Themenkomplex des Autors dar.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 352
    Erscheinungsdatum: 14.05.2018
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641224936
    Verlag: Goldmann
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Biophilia in der Stadt

Gesundheitskur aus der Erde

"Die Vorstellung, dass uns ein Bakterium, das im Erdboden zu finden ist, vor schweren psychischen Erkrankungen schützen kann, mag weit hergeholt klingen, aber Bakterien können sowohl auf unsere körperliche als auch auf unsere psychische Gesundheit eine profunde Wirkung haben." 31

Graham Rook, Professor für Mikrobiologie, Universitäts-College London

Zurück in den Westbalkan. Ich packte mein Anionen-Messgerät wieder ein und atmete noch einmal tief durch, ehe ich meine Wanderung zwischen den Wasserfällen der Plitvicer Seen fortsetzte. Ein Weg führte mich aus der Schlucht heraus und an anderen Gewässern vorbei in den Randbereich der paradiesischen Wasserlandschaft. Nach einiger Zeit gelangte ich in ein schattiges Waldstück mit einem türkis leuchtenden Waldsee. Die Vegetation kroch bis ganz ans Ufer heran, und hohe Gräser säumten den See. Einige krumme, aber majestätische Eichen streckten lange, ausladende Äste mit urtümlichen Wuchsformen über den Wasserrand. Ich hatte das Gefühl, mitten in einem Dschungel gelandet zu sein. Am gegenüberliegenden Ufer begrenzte eine steile, fast senkrechte Felswand den versteckten Ort im Wald, und mehrere Wasserfälle stürzten von oben herab. Das Wasser strömte über ein Bett aus herabhängenden Moos-Kolonien, ehe es im freien Fall herunterkam. Ich blickte mich um und sah, dass es auch hier einige Kiefern und Tannen gab, die in diesem Buch noch eine wichtige Rolle spielen werden.

Ich ging das Ufer am Waldrand entlang. Hier herrschte ein besonderes Kleinklima. Die Felswände an der gegenüberliegenden Seite des Gewässers beschatteten den Bereich, in dem ich mich befand. Der Boden war feucht. Die "hängenden Seen" sind zwar sonst vorwiegend von kargen Böden umgeben, doch an diesem Ort spürte ich weichen, tiefgründigen Humus unter meinen Füßen. Die Humusschicht war von teilweise vermodertem Laub, Eicheln, abgestorbenen Pflanzenteilen und ein paar Zapfen von Nadelbäumen bedeckt. Bodenlebewesen verarbeiten dieses Material allmählich zu neuem Humus.

Der Kosmos im Boden

Ich schob die Streu ein wenig zur Seite und grub mit der Hand ein Loch in den Humusboden. Dabei kamen haarfeine weiße Fäden zum Vorschein, die das Erdreich durchzogen. Es waren Pilzfäden, die von Biologen als "Hyphen" bezeichnet werden. Sie umspinnen die Wurzeln von Bäumen und anderen Pflanzen und verbinden sich mit ihnen zu einer Symbiose. Waldpilze sind vorwiegend unterirdische Lebewesen und erstrecken ihr reich verzweigtes Netzwerk über große Flächen. Die Hüte, die wir im Herbst zu sehen bekommen, sind nur ihre Fruchtkörper, die sie über die Erde strecken, um ihre Sporen zu verbreiten und sich zu vermehren. Die Pilze vernetzen Bäume im Wald oft über Quadratkilometer miteinander und versorgen sie mit Wasser, denn durch ihr extrem weitläufiges Geflecht können sie enorme Mengen davon aus dem Boden aufnehmen. Im Gegenzug dazu versorgen die Bäume ihre Pilzpartner mit einer Zuckerlösung, also mit Kohlenhydraten, die sie durch Photosynthese selbst hergestellt haben. Unter Biologen gilt die unterirdische Symbiose aus Pilzen und Pflanzenwurzeln, die als Mykorrhiza bezeichnet wird, als sicheres Zeichen für einen gesunden Kosmos im Boden und wird geradezu als Markenzeichen der Bodengesundheit gewürdigt. Die Mykorrhiza hat es sogar bis in die internationalen Massenmedien geschafft und wird auf Englisch "Wood Wide Web" genannt, also "Internet des Waldes", da die Pilzfäden als Leitung für biologische Botschaften und Signale dienen, die Bäume untereinander austauschen, um das Ökosystem Wald mit vereinten Kräften zum Beispiel vor Schädlingen zu schützen. Wegen ihrer großen Bedeutung in unserer Umwelt beginne ich meine Betrachtungen des Ökosystems Boden mit der Mykorrhiza. Schon zu meiner Studienzeit interessierte ich mich sehr für diese Lebensgemeinschaft aus Pilz und Pflanze, und ich suchte an verschiedenen Orten auf dem Land und in der Stadt

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