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Über den Schmerzen ... Hautnah aus dem Leben von Zimmermann, Michelle (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 31.08.2018
  • Verlag: Lokwort Buchverlag
eBook (ePUB)
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Über den Schmerzen ...

Schmerzen können ein Leben total verändern, Lebensqualität komplett aufsaugen und Menschen in den Wahnsinn treiben. Michelle Zimmermann (38) ist seit Geburt Schmerzexpertin in eigener Sache. Sie lebt mit dem Gendefekt Epidermolysis bullosa dystrophica, der im Volksmund auch Schmetterlingskrankheit genannt wird. Für Michelle heisst das: In einer Haut mit immer wieder neuen Wunden zu leben - Wunden, die täglich vier bis sieben Stunden gepflegt werden müssen. Unter Schmerzen und ohne Medikamente, ein Leben lang. Der Schmerz ist bei Michelle Zimmermann ein Dauergast. Trotzdem ist sie kein Opfer, sondern eine fröhliche und engagierte junge Frau, die mitten im Leben steht. Möglich wurde dies durch eine Fülle von Schmerzstrategien, die sie seit ihrer Kindheit entwickelt und durch tägliche Anwendung perfektioniert hat. Aus dieser Erfahrung heraus inspiriert "Über den Schmerzen ..." Menschen mit akuten und chronischen Schmerzen und hilft Angehörigen und Pflegepersonal, den Umgang mit Schmerzpatienten neu zu gestalten. Ein Buch als Erlebnisbericht und Ratgeber, mit dem Ziel: Schmerzen nicht zu verneinen, sondern über den Schmerzen zu stehen.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: AdobeDRM
    Seitenzahl: 160
    Erscheinungsdatum: 31.08.2018
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783906806235
    Verlag: Lokwort Buchverlag
    Größe: 3689 kBytes
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Über den Schmerzen ...

Biografische Einblicke - 38 Jahre Lebensqualität mit Schmerzen

Damit du besser verstehst, wie ich auf die eine oder andere Idee oder Aussage komme, erzähle ich dir kurz von meinem Werdegang und meinem Zusammenleben mit dem chronischen Wundschmerz.

Ein Wintertag im Januar 1980. Es stürmte kräftig im kleinen Dorf Meiringen im Haslital. Wer schon mal dort gewesen ist, weiss, wie sehr der Föhn das ganze Dorf beherrscht und Weltuntergangsstimmung evoziert. An so einem Tag brachte mich meine Mum im kleinen Regionalspital Meiringen zur Welt - nach 24 Stunden Wehen. Ihre Schwester Therese war an ihrer Seite; denn mein marokkanischer Vater hatte bereits eine Familie, wie in der Zeit der Schwangerschaft ausgekommen war. Noch ohne zu wissen, welche Herausforderungen auf sie warteten, beschlossen die zwei jungen Frauen zusammenzuziehen. Die Idee war, dass beide weiter ihrer Berufstätigkeit nachgehen und mich abwechselnd betreuen würden. Edith, meine Mutter, war damals als Physiotherapeutin im Regionalspital Meiringen und im "Sunneschyn " , einem Heim für Kinder mit körperlicher und mentaler Behinderung, angestellt. Sie arbeitete über hundert Prozent. Mit ihren 25 Jahren hatte sie bereits einen grossen Erfahrungsschatz in der Physiotherapie und im Umgang mit schweren Behinderungen und Verletzungen bei Jung und Alt.

Als ich zur Welt kam, fiel ihr Blick zuerst auf ein süsses Baby, das nicht weinte, dann wurde ihre Aufmerksamkeit von meiner kleinen linken Hand angezogen. Diese war nach der Geburt eine einzige Wunde, die Haut komplett weg. Allerdings war die Nabelschnur zweimal um dieses Handgelenk gewickelt gewesen - der Grund für die schwere Geburt -, doch meiner Mutter als Expertin war sofort klar, dass etwas nicht stimmen konnte. Ich war ihr auf den Bauch gelegt worden und schaute sie mit dunklen Kirsch-Augen an - ungewöhnlich für ein Neugeborenes. In diesem Blick sah sie in Leuchtbuchstaben eine Botschaft und hörte zugleich: "Nun kommt eine schwierige Zeit, doch wir werden es schaffen." Darauf folgte eine unvergessliche Nacht. Sie erlebte einen himmlischen Schlaf voller Gnade und Dankbarkeit. Dieses spezielle Erlebnis der dritten Art ist die Grundkraft, die meine Mutter nun seit mehr als 38 Jahren begleitet. Jene Energie ist wie eine Quelle, ein Fels im Meer der Ungewissheit und Überforderung.

Schmerzen waren ab der ersten Minute Teil meines Daseins. Später, wenn Leute vom Ernst des Lebens sprachen, zum Beispiel als ich volljährig wurde, musste ich immer lachen. Der Ernst des Lebens hat bei mir mit der Geburt begonnen. Jene Unbeschwertheit, die für die meisten zur Kindheit gehört, habe ich nie kennengelernt.

Den für sie bis dahin grössten Schmerz erlitt meine Mum am Tag nach der Geburt. Sie erzählt, er sei grösser gewesen als die Geburtsschmerzen. Der Moment, als sie mich einem Assistenzarzt und einer Krankenschwester übergeben musste, die mich in einem Privatauto, einem hellblauen VW Käfer, in das Bernische Säuglingsspital Elfenau bringen würden, brach ihr fast das Herz.

Die erste familienexterne Person, eine Krankenschwester, die mich dort betreute, erfuhr mit mir den Schock ihres Lebens. Da man mir keine Kleider anziehen konnte, legte sie mich in eine Isolette, einen Brutkasten. Dann aber, innerhalb von wenigen Stunden, bekam ich am ganzen Körper riesengrosse Blasen - wie starke Verbrennungen. Die Krankenschwester befürchtete, sie habe die Isolette zu heiss eingestellt und darum habe sich das Baby verbrannt ... Doch schliesslich stellte sich heraus, dass das Lagern und die kurze Reibung in Bauchlage augenblicklich die grossen Blasen an den Knien ausgelöst hatten.

Allein im Wöchnerinnenbett in Meiringen wusste Edith nicht, ob sie mich nochmals wiedersehen würde. Nach der Brandblasengeschichte vermuteten die Ärzte die Diagnose Epidermolysis bullosa und schätzten meine Lebenserwartung auf wenige Tage, bestenfalls Wochen. Ärzte und Pflegepersonal waren völlig ratlos

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