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Fotoshooting Das Subjekt vor dem Objektiv von Benning, Maria (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.01.2011
  • Verlag: Verlag Hans Huber
eBook (ePUB)
42,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
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Online verfügbar

Fotoshooting

Entwerfen Sie ein Bild von sich, bevor es andere tun – das Buch bietet Strategien und Tipps zum sicheren und reflektierten Umgang mit der Situation vor der Kamera. Faszinierende Einblicke in die Psychologie des Fotografiertwerdens, illustriert mit einer Vielzahl an exzellenten Fotos des renommierten Porträtfotografen Gerald Zörner.
Die Beziehung zwischen Fotograf und Modell ist zwangsläufig eine ungleiche: Der Fotograf versteckt sich, das Modell muss sich zeigen. Der Fotograf legt an, drückt ab, schießt ein Bild. Die amerikanische Schriftstellerin Susan Sonntag hat die Ähnlichkeit zwischen einem Fotoshooting und dem Gebrauch einer Schusswaffe aufgedeckt. Der Fotografierte ist in diesem Sinne das erlegte Wild, der besiegte Feind. Kein Wunder, dass das Bild den Fotografierten, der sich anders als der Fotograf ohne Schutz der Technik ausliefert, an den eigenen Tod erinnert.
Ist unser Selbstbild vielleicht sogar ein Memento Mori zu Lebzeiten?
Aber die Psychologie des Fotografiertwerdens ist vielfältig und keineswegs nur von Gewaltvorstellungen geprägt. Immer schwingt auch Erotisches mit bei dem Versuch, sich selbst im Porträt Glamour zu verleihen. Das vorliegende Buch spürt den widerstreitenden Gefühlen beim Fotografiertwerden nach und vermittelt für den Bereich Porträtfotografie Strategien und Tipps zum sicheren und reflektierten Umgang mit der Situation vor der Kamera.
Die Autoren ermöglichen uns faszinierende Einblicke zu einem nur vordergründig trivialen Vorgang – illustriert mit einer Vielzahl an exzellenten Fotos des renommierten Porträtfotografen Gerald Zörner.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 138
    Erscheinungsdatum: 01.01.2011
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783456749983
    Verlag: Verlag Hans Huber
    Größe: 3654 kBytes
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Fotoshooting

Momente für die Ewigkeit

Unwillkürlich denkt der Betrachter die Szene auf dem Foto weiter und ergänzt im Kopf Kontinuität. Was hat sich vorher, was nachher ereignet? So lauten die Fragen, die sich der Betrachter intuitiv und zumeist unbewusst beantwortet. Eine gelungene, den Selbstwert des Fotografierten bestätigende Pose wird so auf Dauer getrimmt und in die Zukunft projiziert. Blickt eine Frau auf einem Foto reizvoll und herausfordernd, so wird dieser Blick sogleich zu einer überdauernden Eigenschaft der Fotografierten - auch dann, wenn diese Haltung in Wahrheit eher untypisch für diese Frau ist.

Ein Foto kann nicht mehr zeigen als einen Moment, steht aber sogleich für das Dauerund Wesenhafte. Das Entsetzen über Aufnahmen, auf denen der Fotografierte die Augen schließt oder den Mund schiefzieht, speist sich aus diesem Wissen: Man sieht sich für immer in dieser Pose. Die Problematik Pars pro Toto - der Ausschnitt steht für das Ganze - prägt nicht nur die Porträtfotografie; solche irritierenden Wahrnehmungen betreffen auch Architekturoder Reportagefotos. Anders als ein Symbol oder ein Piktogramm hält eine Fotografie einen Moment - die Pose - in aller Deutlichkeit fest. Das Bild ist auf einer ersten Ebene in allen Details sofort für alle lesbar. In diese Einfachheit eingeschlossen sind häufig weitergehende Annahmen und Unterstellungen, die der Betrachter aufnimmt, über die er sich aber nicht immer im Klaren ist. Viele Fotografierte haben eine Scheu vor der Ad-hoc-Genauigkeit des Objektivs. Sie sehen sich übergenau, gnadenlos detailliert abgelichtet, fast schon bloßgestellt, als handle es sich um einen Bodyscan oder ein Röntgenbild. Nicht wenige suchen Zuflucht vor dieser unerwünschten Transparenz. Tools zur digitalen Nachbearbeitung von Fotos sind auch deshalb so beliebt, weil sie eine Deckung ermöglichen, weil sie dem Fotografierten die Chance geben, sich wieder ein Stück weit zu verbergen hinter einer Maske von Perfektion. Der Mensch bietet seinen Mitmenschen bei realen Treffen ein schier unerschöpfliches Perspektiv-Potenzial an; ein Foto hingegen bietet dem Betrachter nur eine einzige oder einige wenige Sichtweisen an. Im lebendigen Gespräch mit anderen ist es möglich, die eigene Weise des Auftretens in Abhängigkeit von den Reaktionen der anderen "nachzujustieren", also zu regulieren, wie man sich jeweils gibt. Das Porträt bleibt statisch; darin liegt seine Begrenztheit. Bald schon wird der Moment kommen, in dem das Foto den Abstand zur Jetztzeit des Betrachters offenbart. Fünf Jahre alte Bilder lassen meist bereits deutliche Unterschiede im Modegeschmack erkennen - Unterschiede, die das Bild und den, der darauf abgebildet ist, als Vertreter einer anderen, inzwischen vergangenen Zeit kennzeichnen.

Mit einem Bild wird uns etwas visuell dargeboten. Das klingt banal. Doch wer sich bewusst macht, was bei dieser Darbietung alles fehlt, wird erstaunt sein, wie illusionsbereit Menschen sind. Ein Foto fordert aufgrund seiner Reduktion sogleich zur Ergänzung auf. Als gelte es zu puzzeln, vervollständigt der Betrachter das Bild - oft überraschend eilfertig. Mit detektivischer Akribie greift er Bildhinweise auf und setzt sie zu einem Gesamtbild zusammen. Wer einen Fotografierten auf einem Bild wiedererkennt, vergleicht sein Bild im Kopf mit dem, was das Foto zeigt.

Das griechische Wort d?aµa/dráma heißt Handlung. Ein Foto ist, für sich genommen, ein Drama ohne Handlung. Der Kopf des Betrachters setzt die Handlung in Gang. Geht es nicht gerade um das eigene Bild, empfindet man das Foto-Anschauen als Entspannung. Es hat Guckkasten-Qualität. Wie ein kleines Theater bietet es die Möglichkeit, etwas Neues, Buntes zu sehen - eine harmlose Zerstreuung.

Entspannend wirkt, dass die Annäherung an eine andere, möglicherweise unbekannte Person via Foto für den Betrachter erfrischend folgenund risikolos bleibt. Aus der sicheren Deckung des Unbeteiligtseins kann man hemmungslos starren und den

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