text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Echte Bäume weinen nicht Warum wir die Natur Natur sein lassen sollten von Bakker, Gerbrand (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 13.05.2019
  • Verlag: Suhrkamp
eBook (ePUB)
12,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Echte Bäume weinen nicht

Was ist "richtige" Natur? Bäume, die miteinander kommunizieren? Wilde, unberührte Landschaft? Ein frisch gemähter Rasen oder ein Geranienbeet? Und welche Rolle spielen wir Menschen darin? Gerbrand Bakker auf einer unkonventionellen Spurensuche. Während die einen Pflanzen und Tieren ein verborgenes Wesen zuschreiben und sie zu ihrem besten Freund erklären, wehrt sich der niederländische Schriftsteller und Gärtner Gerbrand Bakker vehement gegen diesen Trend der Vermenschlichung. Bakker durchwandert Jahreszeiten, deutsche Wälder, walisische Berge, domestizierte und wuchernde Gärten und seine nordniederländische Heimat - und schreibt in seiner unvergleichlich schwärmerisch-ironischen Art über eine Natur, die sehr viel faszinierender und elementarer ist, als uns von den Baumverstehern vorgegaukelt wird. Gerbrand Bakker, 1962 in Wieringerwaard geboren, ist Autor und Gärtner, hin und wieder auch Eisschnelllauftrainer. Für seine Romane, die in bisher mehr als 20 Sprachen übersetzt wurden, hat er zahlreiche Preise erhalten. Bakker lebt in Amsterdam und der Eifel.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 200
    Erscheinungsdatum: 13.05.2019
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783518761564
    Verlag: Suhrkamp
    Originaltitel: Rotgrond bestaat niet
Weiterlesen weniger lesen

Echte Bäume weinen nicht

Aufregung

Vor ein paar Jahren hat die Tageszeitung Trouw einige Schriftsteller gebeten, Artikel zum Thema "Lernen" zu schreiben. Im Sinne von: etwas, das man früher nicht konnte, nun aber schon. Mein Text ging ungefähr so (beim erneuten Lesen füge ich hinzu und lasse weg, es kann ja nur besser werden):

Früher bemerkte ich es nicht einmal, wenn ich mich in einem Garten befand. Ein Garten war ein Ort, wo man saß und Getränke zu sich nahm oder Fleisch verkohlen ließ; ein Übergangsgebiet zwischen Straße und Vorder- oder Hintertür. Damals achtete ich auf Zargen, Dachrandpaneele, Fensterbänke und Haustüren. In meiner Freizeit war ich Anstreicher. Immer hatten Sträucher - meistens die stacheligen - unter mir zu leiden, weil die Mistdinger der Leiter im Weg standen und ich zu der Zeit ziemlich aufbrausend war. Einmal ist mir eine rotblättrige Berberitze in die Quere gekommen. In voller Absicht rammte ich meine Leiter mitten in sie hinein, und noch einmal, und noch einmal. Später, viel später, sollte ich eine Gärtnerlehre machen. So trat der Garten in mein Leben.

"Der Garten." Nicht mein Garten. Das ist ein himmelweiter Unterschied. Die Gärten anderer Leute, vollendet, wie sie sind, wurden von mir - manchmal gemeinsam mit Gartenkumpel Han - nur gepflegt. Alles an ihnen war fertig, das Einzige, was ich tun musste oder wir tun mussten, war, die Auswüchse zu beseitigen, damit der Garten erneut fertig aussah. Muschelpfade rechen. Äste absägen. Hecken schneiden. Ordnung halten oder wiederherstellen.

Ich habe auch Gärten entworfen. Entwürfe richten sich in erster Linie nach den Wünschen der Auftraggeber. Natürlich bringt man sein eigenes Können ein, besonders beim Zeichnen, bei der Auswahl des Materials und der Entwicklung eines Bepflanzungsplans, aber es bleibt eine übernommene Arbeit. Ein Auftrag. Und es ist schon vorgekommen, dass ich, nachdem ich zum vierten Mal ein und denselben Garten entworfen hatte - das Ehepaar aus Almere konnte sich einfach nicht einigen -, den ganzen verdammten Papierkram mit einem kurzen Schreiben in einen Briefumschlag gesteckt habe: "Hier der allerletzte Entwurf, und wagen Sie es ja nicht, mich dafür zu bezahlen." Aufbrausend will ich auch heute noch manchmal sein. Denn: Ein Gärtner ist kein Paartherapeut, schönen Dank auch. Ein Gärtner will draußen sein, er hat nämlich einfach keine Lust, eine Stunde lang in einer viel zu warmen Küche bei einem Kaffee zu sitzen und sich Dinge anzuhören, von denen er nichts wissen will. Oder im Garten immerzu von Auftraggebern mit ellenlangen Geschichten über die bevorstehende Scheidung aufgehalten zu werden.

Seit einem Jahr besitze ich ein Haus in Deutschland. Zum Haus gehören 1600 Quadratmeter Grund mit Anhöhe: Das Haus liegt mit seiner gesamten Rückseite an einem Hang. Das Erste, was ich getan habe: Ich habe keinen Entwurf gezeichnet. Sosehr ich es auch mag, mit meinen grünen Stiften in allen Farbnuancen, mit Geodreiecken oder mit dem Speziallineal, mit dem sich der Maßstab leicht ändern lässt, herumzuhantieren. Kein Entwurf. Nur bei Neubauprojekten ist ein Garten jungfräulich. Mein Garten war das nicht, auch wenn ich, als letztes Jahr im April endlich der Schnee geschmolzen war, außer einer verirrten Pfingstrose und einem uralten Rhabarber keine weiteren mehrjährigen Pflanzen entdecken konnte. Er war, und ist es teilweise immer noch, ein Urwald aus Brombeeren, Giersch und Brennnesseln. Grob gesagt, besteht mein deutscher Garten aus vier Teilen: dem Vorgarten, einem seitlichen Garten mit Terrassen (ich habe selbst zwei neue Schiefermauern gebaut und eine instand gesetzt), einem Garten hinterm Haus, praktisch in gleicher Höhe mit der Dachrinne, und einem schönen Stück Wald.

Den eigenen Garten habe ich letztes Jahr besitzen gelernt. Und jetzt, im neuen Jahr, lerne ich das immer noch. Manchmal ist es auf eine Weise entmutigend, wie ich es bei der Arbeit in den Gä

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen