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Mein Garten im Sommer von Sackville-West, Vita (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 17.06.2019
  • Verlag: Insel Verlag
eBook (ePUB)
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Mein Garten im Sommer

Vita Sackville-West, Schriftstellerin und begnadete Gärtnerin, hat nicht nur den berühmtesten Garten der Welt - Sissinghurst - geschaffen, sondern ihre Liebe zur Natur auch in ihren legendären, weil ebenso kenntnisreich wie charmanten Gartenkolumnen festgehalten, die hier nach Jahreszeiten geordnet vorgestellt werden.
In "Mein Garten im Sommer " entführt uns Vita Sackville-West in ein märchenhaftes Reich mit alten Rosensorten. Sie porträtiert die große Blumenvielfalt der Jahreszeit und gibt Hinweise, wie man sie im Beet farblich kombiniert. Den Gärtnern empfiehlt sie, schon jetzt phantasievoll an die Zukunft zu denken und die Bepflanzung für das kommende Frühjahr zu planen. Victoria Mary Sackville-West (1892-1962), genannt Vita, publizierte in ihrem Leben über fünfzig Bücher. Für den Observer schrieb sie jahrelang eine erfolgreiche Gartenkolumne. 1930 erwarb sie Sissinghurst Castle in Kent, wo sie zusammen mit ihrem Mann einen der schönsten Gärten Englands entwarf und anlegte.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 180
    Erscheinungsdatum: 17.06.2019
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783458762652
    Verlag: Insel Verlag
    Größe: 4449 kBytes
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Mein Garten im Sommer

Juni

Es gibt zwei sehr hübsche im Mai und Juni blühende Sträucher, die nicht viel Pflege brauchen und trotzdem nicht häufig zu sehen sind. Sie passen gut zueinander, denn beide sind von einem zarten Muschelrosa, und beide gehören zur selben botanischen Familie ( Caprifoliceae ), aus der wir vor allem die vertrauten Weigelien und das Geißblatt mit seinen kleinen, trompetenförmigen Blüten kennen, die an eleganten Zweigen hängen. Die beiden Sträucher, von denen hier die Rede ist, heißen Kolkwitzia amabilis und Dipelta floribunda .

Kolkwitzia blüht ein wenig später als Dipelta , wodurch derselbe Farbton länger erhalten bleibt; mit anderen Worten, eine Kombination von beiden sichert uns während etlicher Wochen eine blaßrosa Wolke im Garten. Dipelta sollte hinter Kolkwitzia gepflanzt werden, denn Kolkwitzia ist rundlicher, während Dipelta höher und lockerer wächst und bisweilen gestützt werden muß, um nicht zu sehr zu hängen. Beide Sträucher stammen aus China, und beide haben das Adjektiv des anderen verdient, denn beide sind liebenswürdig und blütenreich.

Wenn ich schon von im Mai blühenden Sträuchern spreche, dann möchte ich auch noch Rubus odoratus erwähnen. Er stammt aus den Rocky Mountains und ist ein Dornstrauch ohne stechende Dornen. Ich weiß einfach nicht, warum dieser schöne und pflegeleichte Strauch auf so törichte Weise vernachlässigt wird. Wer die große weiße Einzelrose Nevada kennt, kann sich Rubus odoratus bestimmt sofort vorstellen, denn mir ist aufgefallen, daß die beiden oft verwechselt werden, bis die Betrachter bei näherem Hinsehen entdecken, daß die Blüten zwischen Blättern wie denen der Schwarzen Johannisbeere sitzen. Rubus odoratus kann über zwei Meter hoch werden. Ansonsten macht er keine Arbeit, nur das tote Holz muß bisweilen abgeschnitten werden.

Dieser für den Mai bestimmte Rubus hat im Rubus biflorus , der Zierbrombeere, einen Verwandten aus dem Himalaya. Die Zierbrombeere jedoch wird weniger wegen ihrer unbedeutenden Blüten gepflanzt als wegen der Schönheit ihrer reinen weißen Zweige im Winter. Wie große weiße Gespenster tauchen sie überraschend in der Winterlandschaft auf und sehen aus, als seien sie permanent mit Reif überzogen. Die Zierbrombeere zieht reichen Boden vor, und Sie müssen im folgenden Jahr die Zweige, die geblüht und vermutlich auch Früchte getragen haben, abschneiden, denn Sie sollten die neuen Sprößlinge ermutigen und am Leben erhalten.

Im Rasen gibt es nur gekräuseltes Unkraut. Löwenzahn-, Wegerich- und Gänseblümchenblätter schauen alle nach oben, wie kleine Hände, die sich in einem letzten, verzweifelten Gebet zum Himmel erheben. In wenigen Wochen, das ist meine erbarmungslose Hoffnung, werden sie verschwunden und einer schönen sauberen Decke von tadellosem Rasen gewichen sein, von dem Besucher aus Übersee irrtümlicherweise annehmen, man brauche vierhundert Jahre, um ihn anzulegen.

Diesem Unkraut muß man mit dem Unkrautmittel "Verdone" zu Leibe rücken. Ich halte es für ein Wunder, daß eine schnöde Flüssigkeit aus einer Dose derart wählerisch und intelligent ist, daß sie weiß, welche Pflanzen sie zu zerstören hat. Aber so ist es nun einmal. Ich weiß natürlich, daß das Mittel im Grunde den Wuchs der Unkrauts dermaßen stimuliert, daß die Zellen schließlich vor lauter Üppigkeit bersten und die Pflanze eingeht, während die Grashalme keinen Schaden davontragen. Höchst seltsam und vielfältig sind die arbeitsschonenden Mittel, die die Wissenschaft inzwischen für den überarbeiteten Gärtner bereit hält.

Statt allein, schlechtgelaunt und vom murrenden Ischias geplagt mit einem Pflanzenheber oder einem abgebrochenen Küchenmesser auf allen vieren auf dem Rasen umherzukriechen, können Sie jetzt lässig flanieren, können hin und her

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