text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Mein Jahr als Jäger und Sammler Was es wirklich heißt, von der Natur zu leben von Lewis-Stempel, John (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 17.05.2019
  • Verlag: DuMont Buchverlag
eBook (ePUB)
17,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Mein Jahr als Jäger und Sammler

Als John Lewis-Stempel mit seiner Familie nach Herefordshire am äußersten Rand Englands zieht, ist er überwältigt von der Vielfalt der Flora und Fauna. Er wagt ein Experiment, das ihn verändern wird. Kann er es schaffen, ein Jahr lang nur von dem zu leben, was ihm die Speisekammer der Natur bietet? Können ihn die Wiesen, Hecken und Bäche seines sechzehn Hektar großen Anwesens Trelandon ernähren? Der preisgekrönte Autor erzählt spannend von den Herausforderungen und Entbehrungen, die Kälte und Schnee mit sich bringen, aber auch die Ernährung ohne jede Zutat aus dem Supermarkt. Er berichtet von seinem eigensinnigen Jagdhund Edith und den neuen Rezepten, die er kreiert. Am Ende hat sich sein Bewusstsein für die Natur und für seinen Körper ebenso grundlegend gewandelt wie sein Verhältnis zu unserem achtlosen Umgang mit Nahrungsmitteln. Entstanden ist die inspirierende, humorvolle und poetische Beschreibung einer Rückkehr zu den Wurzeln. "John Lewis-Stempel [schreibt] keine Fiktion, aber makellose Prosa. Guter Mann .[...] Gute Bücher für jeden." Mark Knopfler John Lewis-Stempel ist Farmer und Autor zahlreicher in England mehrfach preisgekrönter und hochgelobter Bücher, die regelmäßig auf den Bestsellerlisten stehen. Mit Ein Stück Land Was gibt's zu sehen? Denken wie ein Künstler Ein Stück Land. Mein Leben mit Pflanzen und Tieren

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 352
    Erscheinungsdatum: 17.05.2019
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783832184551
    Verlag: DuMont Buchverlag
    Originaltitel: 'THE WILD LIFE. A Year of Living on Wild Food'
Weiterlesen weniger lesen

Mein Jahr als Jäger und Sammler

HERBST

E ine Schwalbe macht vielleicht noch keinen Sommer, aber die Abreise der Mehlschwalben bedeutet mit Sicherheit, dass der Sommer zu Ende ist. Im ersten Morgenlicht sehe ich eine letzte umherschweifende Mehlschwalbe auf dem Weg nach Süden, durch den Netzvorhang aus Nebel im Tal. Unsere Mehlschwalben haben sich schon vor einer Woche aufgemacht, die Rauchschwalben, die ihre Lehmnester im zerfallenen Nebengebäude gebaut haben, noch eine Woche früher. Die Mauersegler sind schon lange weg. Die Natur ist in Bewegung; Gruppen von Finken und Ammern fliegen plappernd über uns hinweg, ihre Flugrouten spiegeln die eines Passagierflugzeuges über ihnen im Weiß.

Außer dem Tinnitus hoch fliegender Maschinen ist nichts außer Vogelgesang zu hören. Ein Rabe krächzt geistesabwesend unten in der Tanne am Fluss, wo er nistet. Ich höre Amseln und Dohlen, Singdrosseln auch, aber nicht den einen Vogel, den ich am dringendsten hören möchte. Den ganzen Sommer lang hat mich ein alter Fasanenhahn mit seinen Kock-kock -Rufen verhöhnt. Jetzt, am ersten Oktober, ist er Freiwild. Edith, mein schwarzer Labrador, trabt zu meiner Linken. Allerdings ist sie nicht ganz mein Hund: Seit ihrer Teenager-Schwangerschaft im Frühling ist Edith ihr eigener Hund, mehr um ihre Welpen besorgt als um ihre Dienste für mich. Der ganze mühselige Prozess, sie zu einem Jagdhund zu machen, muss von Neuem beginnen. Während wir hinunter zum Wäldchen gehen, vorbei an den flammenden Herbsthecken der Pferdekoppel und der Sumpfweide, finde ich ein wenig Trost in ihrer überschwänglichen Schleck-schleck-Persönlichkeit, denn eine alte Redensart sagt, langweilige Leute haben langweilige Hunde. Ich muss sehr amüsant sein, wenn ich einen so interessanten Hund habe.

Als wir die Wäldchenwiese erreichen, teilt sich der Nebel plötzlich, die Sonne fängt sich in den Tautropfen an den langen Grasbüscheln, und einen Moment lang, bis sich der Nebel wieder um uns schließt, stehe ich in einem strahlenden Diamantenfeld. Dieser wunderbare Anblick gleicht beinahe die Tatsache aus, dass von dem Fasan kein Fitzelchen und keine Feder zu finden ist, obwohl wir jeden bewaldeten Winkel absuchen. Vielleicht hat der Fasan durch irgendeinen fantastischen inneren Kalender erkannt, dass die Jagdsaison begonnen hat, und sich aus dem Staub gemacht. Oder, etwas wahrscheinlicher, ein glücklicher Fuchs war schneller als ich. Warum auch immer - der alte Fasanenhahn mit seinem auffallenden kragenlosen Hals taucht nie wieder bei uns auf. Sämtliche Fasane, die ich in den nächsten Monaten sehe, sind viel jünger. Manche könnten seine Kinder sein, aber die meisten sind Zuwanderer aus Fasanenjagden in anderen Tälern. Von Hand aufgezogen und dann zu Jagdzwecken ausgesetzt, sind diese Vögel so zahm, dass sie stillhalten, um sich erschießen zu lassen.

Und genau das geschieht heute Nachmittag, als der Nebel sich verzogen hat und die Sonne heiß genug ist für Hemdsärmel und Schmeißfliegen. Ich stehe auf dem Hof und schaue nach den Hunden hinunter zu den unteren Wiesen, als eine blasse Fasanenhenne langsam über meinen Kopf hinweg zur Hauswiese gleitet und vor meinen Augen leise in die Hecke trippelt. Normalerweise nimmt man für die Fasanenjagd eine Schrotflinte, aber da ich mein 5,5-mm-Weihrauch-Luftgewehr in der Hand halte und der Vogel eindeutig keine Angst vor Menschen hat, wage ich es, so nahe heranzugehen, dass ich ihm in den Kopf schießen kann. Anschleichen ist eigentlich unnötig. Ich gehe die Hecke entlang bis zu der Stelle, an der die Henne hin- und herhuscht; sie sieht mich und duckt sich, ich stecke den Gewehrlauf durch das dunkle Gewirr aus Weißdornstämmen, bis sein Ende neben ihrem gelben Auge liegt, dann drücke ich ab. Während sie im Todesflattern zuckt, wird mir plötzlich der intensive Duft säuerlicher Herbstbeeren bewusst, der in der Luft hängt.

Das Töten macht mir zwar keinen Spaß, aber ich weiß, dass es sich - we

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen