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Spiele für den Herz- und Alterssport von Kolb, Michael (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 26.05.2011
  • Verlag: Meyer & Meyer
eBook (PDF)
13,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
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Spiele für den Herz- und Alterssport

Der Behindertensport macht Menschen mit Behinderung Mut. Ihn gibt es in knapp 1.056 Vereinen zwischen Rhein und Weser, zusammengeschlossen zum Behinderten-Sportverband NW (BSNW). 125.000 Mitglieder treiben gemeinsam Sport. Knapp 6.000 ausgebildete Übungsleiter helfen und trainieren. Über 2.000 Vereinsärzte stehen zur Seite. Das Vereinsleben im BSNW ist nicht langweilig: dafür sorgen 40 Sportarten und Spiele, Veranstaltungen, Wettkämpfe, Freizeiteinrichtungen. Im Herzsport wurden die rehabilitativen Möglichkeiten, die in sportlichen und spielerischen Bewegungen angelegt sind, wohl zuerst systematisch genutzt und führten zum Aufbau von ambulanten Sportgruppen. Obwohl in den letzten Jahren vielfältige soziale und psychische Einflussfaktoren, die an der Entstehung von Herzkrankheiten beteiligt sind, entdeckt wurden, dominiert in der Bewegungstherapie derzeit noch ein von der medizinisch-körperlichen Perspektive bestimmter funktionsorientierter Ansatz. Ausgehend von einer Darstellung der komplexen Einflüsse, die an der Genese des Herzinfarkts beteiligt sind, wird in der vorliegenden Veröffentlichung die Perspektive einer spielorientierten Bewegungstherapie entwickelt, die nicht nur auf körperliche Anpassungsprozesse ausgerichtet ist, sondern die Persönlichkeiten der Herzpatienten in positiver Weise beeinflussen will. Die praktischen Umsetzungsmöglichkeiten werden an einer großen Anzahl von Spielformen mit vielfältigen Variationsmöglichkeiten demonstriert, die ein bestimmtes Verständnis des Herz- und Alterssports skizzieren und aufzeigen.

Prof. Dr. Michael Kolb ist Hochschullehrer für Bewegungs- und Sportpädagogik an der Universität Wien. Seine Forschungsschwerpunkte sind die Gesundheitsförderung, Prävention und Rehabilitation durch Bewegung, die Sportgeragogik, Methoden der Leibwahrnehmung und der Entspannung sowie die Didaktik von Spiel und Sportspiel.

Produktinformationen

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Spiele für den Herz- und Alterssport

2 Die Perspektive einer spielorientierten Bewegungstherapie

2.1 Die komplexe Zielstellung der Rehabilitation und der Bewegungstherapie

Zur Aufrechterhaltung ihrer Gesundheit müssen die Menschen über bestimmte Fähigkeiten zur Bewältigung von Anforderungen des alltäglichen Lebens verfügen. "Körperliche, seelische und soziale Gesundheit in diesem umfassenden Verständnis ist nur möglich, wenn eine Person konstruktive Sozialbeziehungen aufbauen kann, sozial integriert ist, die eigene Lebensgestaltung an die wechselhaften Belastungen des Lebensumfeldes anpassen und dabei die persönlichen Bedürfnisse ausdrücken und Sinnerfüllung finden kann, und wenn alles dies im Einklang mit den biogenetischen und physiologischen Potentialen und den körperlichen Möglichkeiten geschieht" (Hurrelmann, 1991, S. 164). Wie aufgezeigt, werden bei der Genese des Herzinfarkts die Potenziale des Menschen durch die Anforderungen der Lebenswelt längere Zeit überfordert. Die Erkrankung auf der körperlichen Ebene ist nur die anatomische Manifestation eines langfristig ablaufenden Prozesses. Für die Rehabilitation stellt sich demgemäß die Aufgabe, die Fähigkeiten der Menschen unter Berücksichtigung der neu gegebenen, eingeschränkten körperlichen Belastungsfähigkeit so weit zu stärken und zu beeinflussen, dass sie zu einer persönlich befriedigenden Lebensführung finden können. Unter dieser Perspektive dürfen sich rehabilitative Maßnahmen nicht darin erschöpfen, einzelne Risikofaktoren isoliert zu bekämpfen, sondern sie müssen die Menschen dazu befähigen, eine neue Balance zwischen den Anforderungen, die das Leben an sie stellt, und den eigenen Möglichkeiten zu finden. Man muss ihre personalen und sozialen Bewältigungsressourcen stärken und darf nicht nur bestimmte Körperfunktionen verändern bzw. konkrete Verhaltensweisen vorgeben, die befolgt werden müssen.

Der Herzinfarkt geht für die Betroffenen mit dem Erlebnis eines massiven Verlusts ihres von unbegrenzt erscheinender Leistungsfähigkeit geprägten Selbstbildes und mit Einschränkungen in Beruf und Freizeit einher. Die Bewegungstherapie kann einen wichtigen Beitrag dazu leisten, dass die Herzpatient/innen in sozialer und emotionaler Hinsicht gefestigt werden und lernen, mit der neuen Situation umzugehen. Nach Langosch (1992c, S. 219f.) trägt allerdings weniger die durch das Bewegungstraining erhöhte physische Leistungsfähigkeit zur Stabilisierung der Persönlichkeit von Herzinfarktpatient/innen bei, sondern mehr die damit verbundenen, positiven Körper- bzw. Selbsterfahrungen. Die Bewegungstherapie darf deshalb nicht nur aus einem körperlichen Training bestehen, sondern in ihr muss der Initiierung positiver Erfahrungen im Umgang mit dem eigenen Körper, der Bewegung, der Umwelt und anderen Menschen zumindest ebenso große Aufmerksamkeit geschenkt werden. Für Langosch (1988a, S. 38) kann dabei die Bewegung nur dann psychotherapeutisch erfolgreich sein, wenn "sie sich nicht auf das Ziel, 'Verbesserung der physischen Kondition' beschränkt, sondern die Veränderung der Selbsttheorie vermittels neuer, positiv erlebter Körpererfahrung verfolgt".

Langosch (vgl. 1988a, S. 40) verbindet mit dieser erweiterten Zielsetzung für die Bewegungstherapie die Forderung, dass sie gezielt in ein psychosomatisches Behandlungskonzept eingebunden werden muss, das weitere psychotherapeutische Maßnahmen mit umfasst. Dieser Anspruch kann natürlich nur im Rahmen der klinischen Rehabilitation realisiert werden, wo ein Team von Expert/innen aus unterschiedlichen Fachdisziplinen zusammenarbeitet. Gleichzeitig sind die Patient/innen in der Klinik relativ kurze Zeit nach dem einschneidenden Ereignis des Infarkts offener für eine Behandlung, die eine tief greifendere Veränderung ihres Selbstkonzepts und die Initiierung einer schonenden Lebensführung zum Ziel hat.

Das bedeutet nun aber nicht, dass in der Bewegungstherapie im Rahmen der ambulanten Rehabilitation, wo die He

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