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Rollt bei mir! Wenn Träume laufen lernen von Caglar, Tan (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 26.07.2019
  • Verlag: Ullstein
eBook (ePUB)
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Rollt bei mir!

Tan Caglar ist der witzigste rollstuhlfahrende Deutschtürke der Welt! Kaum vorstellbar, dass er zwei Jahre depressiv war, als er wegen seiner angeborenen Rückenmarkserkrankung nicht mehr gehen konnte. Er kämpfte sich zurück ins Leben und wurde Rollstuhl-Basketballprofi, Motivationstrainer, Berlin-Fashion-Week-Model, spielte in der RTL-Doku-Soup 'Berlin Tag und Nacht' mit und hat Stand-up-Comedy neu definiert.

In seinem Buch erzählt Caglar was passiert, wenn er mit 3er-BMW, Lederjacke und Drei-Tage-Bart auf einen Behindertenparkplatz fährt. Er nimmt sich Klischees über Menschen mit Behinderungen, übervorsichtige Mitbürger und die Probleme der sogenannten Inklusion vor- ein neumodisches Wort für Menschlichkeit. Caglar lebt es vor: Menschen mit Handicaps sollen selbstverständlich in allen Bereichen des Lebens präsent sein.



Tan Caglar, * 1980 in Hildesheim, kam mit Spina bifida zur Welt, einer angeborenen Rückenmarkserkrankung. In Kindertagen entwickelte sich seine Leidenschaft zum Basketball. Mit 21 spielte er in der Oberliga, mit 25 kam der Übergang in den Rollstuhl, mit 28 der Profivertrag für Rollstuhlbasketball. Seinen Job als kaufmännischer Angestellter in einer Werbeagentur hat er an den Nagel gehängt.  

Seit 2012 ist Caglar als Coach im Bereich Inklusion und Integration für Firmen, Verbände und Schulen tätig. Nach einigen Engagements vor der Kamera fuhr er 2016 als erstes Model im Rollstuhl über den Laufsteg der Berliner Fashion Week. Ende desselben Jahres hatte er seinen ersten Auftritt auf einer Comedy Bühne. Als Comedian gewann er den Publikumspreis 'Stuttgarter Besen' und war Finalist beim Prix Pantheon sowie Gast im TV bei Dieter Nuhr.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 256
    Erscheinungsdatum: 26.07.2019
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783843720809
    Verlag: Ullstein
    Serie: Ullstein Taschenbuch 06066
    Größe: 2543 kBytes
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Rollt bei mir!

Prolog
Bitte nehmen Sie Platz!
Der Tag, an dem ich in den Rollstuhl kam

Eine Sekunde.

Zeit für zwei Silben.

Mehr braucht es nicht, um dir das Leben zu versauen.

»Roll-stuhl«. Das waren meine zwei Silben. Mein Moment der Wahrheit, nach dem nichts mehr so sein sollte wie zuvor. Dabei hatte mich dieses Wort mein Leben lang verfolgt, mir aufgelauert. Seit meiner Geburt und dem festgestellten Rückenmarksleiden Spina bifida umkreiste mich der Begriff wie ein Satellit. Ab und an sah ich ihn in weiter Ferne aufblitzen, wenn das Wort - dieses Ungetüm - in Behandlungsgesprächen fiel, auf Nachfrage von Freunden oder im Small Talk mit barschen Fremden. Aber immer konnte ich verneinen, wie unbeteiligt abwinken. Es ging ohne. Ich hatte eine Gehbehinderung, aber ich konnte laufen!

Und jetzt sitzt mir der Arzt gegenüber, und das zweisilbige Wort ist von seiner zu meiner Seite herübergeschwebt wie ein durch die Luft übertragbarer Virus. Und jetzt soll ich damit umgehen? (Oder heißt das ab jetzt »umsitzen«? Oder »umfahren«?)

Aber mir ist nicht nach Blödeln zumute. Ich fühle mich nur noch elend. Die Kehle zugeschnürt, starre ich vor mich hin, regungslos. So als könnte ich das Unausweichliche noch einmal abwenden, solange ich nur keinen Mucks von mir gebe. Aber die Ergebnisse sind so eindeutig wie der Blick des Arztes mild. Ich muss in absehbarer Zeit in den Rollstuhl. Für immer. Diese drei Silben sind noch schlimmer als die ersten beiden: Für im-mer. Puh!

In meinem Schädel zucken die Gedanken. Was wird aus dem Sport? Da bin ich sehr ambitioniert dabei. Ich war sogar einmal zum Probetraining bei der Jugend eines Fußball-Erstligisten eingeladen. Auf dem Papier stachen meine Werte als Torhüter heraus; und meine Gehbehinderung wurde daraus irgendwie nicht ersichtlich. Was haben die Scouts Augen gemacht, als ich um die Ecke gehumpelt kam! Solche Auftritte liebe ich. Die Komik aus meiner Situation ziehen und mich daran aufrichten.

Ich habe dann doch lieber Basketball gespielt - und es bis in die Bezirksliga geschafft. Das kann ich mir ab jetzt schenken.

Ein Leben lang im Rollstuhl also? Wie Stephen Hawkins, nur ohne Genialität? Wer will das denn? Niemand natürlich. Kein Rollstuhlfahrer auf diesem Planeten - ganz egal, wie selbstverständlich er seinen Alltag zu meistern scheint - hat sich dieses Schicksal ausgesucht; jeder musste sich damit arrangieren. Rollstuhl statt Gehen ist niemals etwas, um das man gebeten hätte. Klingt trivial, wird aber trotzdem oft übersehen.

Ganz anders ist das ja beim Liegefahrrad. Auf die Kameraden dürfen Sie getrost mit dem Finger zeigen, wenn Sie einen erblicken. Diese erwachsenen Menschen, die krampfig über ihre Plauze blicken und viel zu dicht an uns vorbeisausen, diese wandelnden Nackenschmerzen haben ihren traurigen Seinszustand im Vollbesitz ihrer geistigen Kräfte und freiwillig gewählt! Die sind selbst schuld. Was läuft im Kopf dieser Leute ab? Ich möchte mich körperlich betätigen, aber dabei bitte liegen bleiben! Ein Liegefahrrad? Ganz ehrlich: Dann lieber Rollstuhl. Ich kann im Sommer wenigstens problemlos weite Shorts tragen, ohne dass mir dabei alle paar Meter einfach alles unbemerkt aus der Hose rutscht!

Ich wünschte, der Humor wäre damals, beim Arzt, zur Stelle gewesen, um mich aufzufangen. Doch zum Scherzen war mir kaum zumute. Dazu kauerte ich viel zu benommen in meiner Ecke und fühlte mich wie erschlagen.

Ein Rolli? Das war doch nicht ich!

Das Niederschmetternde am Rollstuhl steckt ja schon im Begriff selbst. Es ist ein Stuhl, und es rollt - hä? Das ist nichts Halbes und nichts Ganzes. Kein richtiges Möbelstück und auch kein echtes Fahrzeug. Haben Sie mal versucht, mit Ihrem Fernsehsessel Bahn zu fahren? Nicht viel anders fühlt es sich mit Rollstuhl an. Du sollst den ganzen Tag drinsitzen, aber genauso damit deine Oma besuchen. De

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