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Kritische Analyse der Fußballfan- und Hooliganszene: Päventions- und Interventionsmaßnahmen von Schulz, Andreas (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 17.06.2008
  • Verlag: GRIN Verlag
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Kritische Analyse der Fußballfan- und Hooliganszene: Päventions- und Interventionsmaßnahmen

Examensarbeit aus dem Jahr 2007 im Fachbereich Sport - Sonstiges, Note: 1,0, Universität Osnabrück, 33 Quellen im Literaturverzeichnis, Sprache: Deutsch, Abstract: 1998 erschütterte der 'Fall Nivel' die ganze Welt, Deutschland im Besonderen. Am Rande des Fußballspiels Deutschland - Jugoslawien während der Fußball-Weltmeisterschaft in Frankreich wurde der französische Gendarm Daniel Nivel von deutschen Hooligans misshandelt. Die Bilder des am Boden liegenden und blutüberströmten, leblosen Familienvaters waren tagelang in den Zeitungen und Nachrichten zu sehen. Nivel lag nach dem Übergriff sechs Wochen lang im Koma und leidet bis heute an dessen Folgen. Er kann nur mühsam sprechen und wird nie wieder einen Beruf ausüben können. Dieser Fall von aggressiven Verhaltensweisen ist jedoch eher aus jüngerer Zeit bekannt, während zuvor vielmehr die Heysel-Tragödie mit dem Thema Hooligans in Verbindung gebracht wurde, bei der im Mai 1985 während des Spiels FC Liverpool - Juventus Turin durch Hooliganausschreitungen 39 Menschen getötet und 454 Menschen verletzt worden sind. Seit der Heysel-Tragödie werden Gewaltprobleme durch Fußballanhänger in der Öffentlichkeit behandelt, doch schon lange zuvor gab es in Großbritannien am Rande von Fußballspielen gewalttätige Auseinandersetzungen von Fußballfans; zu Beginn der siebziger Jahre häuften sich diese Fälle auch in deutschen Stadien. Problematisch sind jedoch nicht nur Extremfälle wie die Heysel-Tragödie oder der Fall Nivel, die weltweit in den Medien Beachtung finden, sondern auch die 'alltäglichen' Auseinandersetzungen in Deutschlands Amateurligen. Am 28.10.2007 mussten 1.300 Polizisten für das Landesligaspiel zwischen Dynamo Dresden II und dem 1.FC Lok Leipzig abgestellt werden. Dennoch kam es in Stadionnähe zu großen Konflikten der gegnerischen Hooligangruppen - 240 Randalierer mussten festgenommen werden; 10 Menschen wurden verletzt. In Folge dessen muss man sich fragen, ob es weiterhin sinnvoll ist, Fanprojekte mit Steuergeldern zu unterstützen oder aber polizeiliche Maßnahmen verstärkt angewendet werden sollten. Abgesehen von der Frage auf die Art und Weise der Bekämpfung dieser Auseinandersetzungen skizziert dieser jüngste Fall einen Trend im deutschen Fußball: Randale findet nicht mehr am Rande von stark überwachten Bundesligaspielen statt, da sich diese Auseinandersetzungen im vergangenen Jahrzehnt auf die deutschen Amateurligen verschoben haben, in denen Überwachung durch Kameras und Polizisten stark eingeschränkt ist.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 127
    Erscheinungsdatum: 17.06.2008
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783638064330
    Verlag: GRIN Verlag
    Serie: Akademische Schriftenreihe Bd.V93204
    Größe: 1679kBytes
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Kritische Analyse der Fußballfan- und Hooliganszene: Päventions- und Interventionsmaßnahmen

Teil II: Die Entwicklung der gewalttätigen Fußballfanszene und polizeitaktische Veränderungen
Im zweiten Teil der Arbeit wird die Entwicklung der Fangruppierungen geschildert, die maßgeblich an den gewalttätigen Auseinandersetzungen beteiligt sind. Im Mittelpunkt stehen daher die Ultras und ihre Abkehr von der Gewaltlosigkeit sowie die schon seit den siebziger Jahren auffälligen Hooligans. Zeitgleich werden die auf die veränderte Szene folgenden, polizeitaktischen Veränderungen thematisiert, welche die Vorläufer aktueller Präventions- und Interventionsmaßnahmen sind [2] .
Außerdem werden beide Gruppierungen auf rassistische Einstellungen überprüft, bevor zum Schluss dieses Teils Hooliganismus in Europa, die Rolle der Frauen unter den gewaltbereiten Fans sowie aktuelle Gewaltstatistiken über die drei höchsten deutschen Spielklassen und einzelne aktuelle Fallbeispiele zur Gewalt durch Fußballfans dargestellt werden.
1 Die Ultraszene in Deutschland
Innerhalb des letzten Jahrzehnts hat sich um jeden Profiverein eine Ultraszene herauskristallisiert. Diese Arbeit thematisiert in erster Linie die Ultras bzw. die Hooligans, da sie das problematische Klientel unter der Gesamtzuschauermenge bilden und eigens für diese Gruppen Präventions- bzw. Interventionsmaßnahmen erarbeitet worden sind. Von den "normalen", "konsumorientierten" oder "stillen" Zuschauern auf den Sitzplätzen, die in erster Linie ein "gutes Spiel sehen wollen", geht vor, während und nach dem Spiel aus keinerlei Gefahr aus.
1.1 Die Ausdifferenzierung der Ultraszene
Seit Mitte der neunziger Jahre bildeten sich bundesweit Ultraszenen, die sich strikt von den sehr vereinsbezogenen Kuttenfans distanzieren, obwohl sie zu großen Teilen aus diesen Kreisen entstanden sind (vgl. PILZ 2005a, 5). Doch Ultras wehren sich gegen die zunehmende Kommerzialisierung im Fußball und der Fanszene, die unter anderem durch die Kutten mitgetragen wird.
In erster Linie prägen männliche Jugendliche diese Gruppen, doch werden zunehmend mehr Mädchen und junge Frauen Mitglieder dieser Fanclubs. Die Studie von Pilz ergibt, dass jedoch nur knapp 15 % der befragten Ultras angeben, dass "eine Frau Ultra sein kann". 62 % geben an, dass eine Frau nicht die Rolle des Capo übernehmen kann (vgl. PILZ 2006, 88ff.). Frauen werden nur dann akzeptiert, wenn sie sich traditionell männlich verhalten und "nicht mit Stöckelschuhen und Handtasche im Block auftauchen" (PILZ 2006 , 92).
Für die Ultraszene ergibt sich bezüglich der sozialen Herkunft ein sehr ausgeglichenes Bild. Schüler aller Schulformen, Studenten, Auszubildende und Arbeitslose finden sich in dieser Gruppierung wieder. In allen vom Autor geführten Interviews [3] und bearbeiteten Materialien wird das öffentliche Bild des Fußballfans aus der Unterschicht nicht bestätigt. In der Studie von Pilz geben 40 % der Befragten an, sie hätten Abitur; 36 % gaben einen Realschulabschluss an. Dies deutet daraufhin, dass Ultras eher der Mittel- bzw. Oberschicht angehören (vgl. PILZ 2006 , 98).
Schon in den sechziger Jahren begannen jugendliche Fußballanhänger sich im Stadion zusammenzufinden und sich von den passiven Zuschauern abzugrenzen. Im Laufe der Zeit bildete sich in dieser Gruppe ein bestimmtes Selbstbewusstsein, Stile und Werte (vgl. MEIER 2001, 46), so dass Zusammenschlüsse in Fanclubs zu Beginn der siebziger Jahre folgten. Das Gefühl der Zugehörigkeit, Gemeinschaft mit Gleichaltri

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