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Pferde - wie von Zauberhand bewegt von Marlie, Wolfgang (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 08.06.2016
  • Verlag: Franckh-Kosmos Verlags-GmbH & Co. KG
eBook (ePUB)
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Pferde - wie von Zauberhand bewegt

Erste Reitversuche am Strand, Unterricht bei Paul Stecken und Egon von Neindorff, Schülerinnen wie Paralympicsreiterin Bettina Eistel und die Erkenntnis: 'Von den Pferden, die mich an den Rand des Wahnsinns brachten, habe ich am meisten profitiert.' Jahrzehnte bevor alle Welt von Pferdeflüsterern sprach, machte sich Wolfgang Marlie auf die Suche nach neuen Ideen zum Umgang mit Pferden. Die Journalistin Ulrike Bergmann hat seine Arbeit vier Jahre lang begleitet. Gemeinsam zeichnen sie seinen Weg vom ehrgeizigen Reiter zum entspannten Horseman nach und beschreiben die Einblicke, die er dabei in die Seelen der Pferde und ihrer Menschen bekommen hat.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 272
    Erscheinungsdatum: 08.06.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783440152669
    Verlag: Franckh-Kosmos Verlags-GmbH & Co. KG
    Größe: 18943 kBytes
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Pferde - wie von Zauberhand bewegt

KAPITEL 1

Vor der Fernsehkamera

"Was sind Pferde, wie von Zauberhand bewegt?"

Auf dem Weg ins Fernsehstudio kam ich mir vor wie ein Straßenmusiker, der von Freunden zu einer Castingshow angemeldet wurde und dort in neunzig Sekunden zeigen soll, was er sich über Jahre oder sogar Jahrzehnte erarbeitet hat. Wir waren nur zu zweit im Auto und trotzdem fühlte es sich für mich so an, als würde noch jemand, oder besser gesagt noch etwas, auf der Rückbank sitzen: Diese bleischwere Mischung aus Müdigkeit, Angst und Übelkeit, mit der ich von Kindesbeinen an so unangenehm vertraut bin.

Es war nicht einfach Lampenfieber vor meinem ersten Live-Interview, was da lauerte. Es war dieser übermächtige Wunsch, mich aus purer Versagensangst unsichtbar zu machen, mir die Bettdecke über den Kopf zu ziehen und mit mir und meinem Elend allein zu sein. Nur wer nichts macht, macht nichts verkehrt und kann sich nicht blamieren. Ich habe mit diesem Gefühl schon so unendlich oft gekämpft, habe versucht, es zu ignorieren, abzuschütteln, auszutricksen, es wie einen schlecht sitzenden Pullover in einen geistigen Altkleidercontainer zu stopfen ... Aber die Angst vor einer Blamage hing an mir wie eine Klette. Egal, ob ich in der Schule ein Gedicht aufsagen, auf Turnieren ins Dressurviereck einreiten oder einen neuen Gast in unserer Pension begrüßen sollte.

Sie hing an mir wie eine Klette? Habe ich eben wirklich "hing" gedacht? Nicht "hängt" ? Sollte ich dieses Gefühl genau jetzt plötzlich in die Vergangenheit verbannt, mich mit sechsundsiebzig Jahren von ihm befreit haben?

In den vergangenen Jahren, vielleicht ungefähr seit ich Anfang siebzig bin, hatte die Angst ganz langsam immer mal wieder Konkurrenz von anderen, von so viel besseren Gefühlen bekommen. Und genau im richtigen Moment, auf dem Weg ins Studio nahmen sie so viel Raum ein, dass es für meinen lebenslangen Begleiter richtig eng wurde: Meine Neugier und meine Vorfreude darauf, im Fernsehen über mein Lieblingsthema, über Pferde, wie von Zauberhand bewegt, sprechen zu dürfen, war in den Wochen zwischen der Einladung und dem Auftrittstermin immer weiter gewachsen.

Vor der Abfahrt hatte ich gesehen, wie mein jüngerer Sohn mit Gästen im Esszimmer unserer Pension einen Fernseher anschloss und Stühle davor aufstellte. Als ich im perfekt gebügelten hellblauen Hemd, die Wegbeschreibung zum Studio in Händen, von unserer Wohnung zum Auto ging, machte jeder, der mich unterwegs traf, das "Daumen hoch" -Zeichen, deutete an, mir drei Mal über die Schulter zu spucken oder rief mir Sätze wie "Und wenn du dich verhaspelst, stell dir einfach vor, dass wir alle klatschen" zu.

Es war eine liebevoll gemachte, von sehr zugewandten Moderatoren geleitete, kleine Sendung im Nachmittagsprogramm des Senders N3. Ohne Studiopublikum und ohne das Risiko, weltweite Beachtung zu finden. Jeden Tag saß dort irgendein Otto Normalo wie ich auf der Couch. Alles halb so wild und von außen betrachtet sicher kein Grund, sämtliche Räder anzuhalten. Aber auf unserem Hof stand an diesem Tag zwischen sechzehn und siebzehn Uhr keine einzige Reitstunde auf dem Unterrichtsplan. Niemand hatte etwas bestellt. Und das nicht, wie früher, weil meine Ideen zum Umgang mit Pferden so schrecklich waren, dass man sich darüber bei der Reiterlichen Vereinigung, der FN, beschweren musste, sondern weil unsere Gäste lieber meinen Fernsehauftritt verfolgen, mir zumindest mental Beistand leisten wollten. Davon getragen stieg ich ins Auto und wann immer die bleischwere Angst unterwegs drohte, mich von der Rückbank aus zu umarmen - meine Neugier auf das, was ich erleben durfte, schaffte es, sie beiseite zu boxen. Sollte ich sie wirklich besiegt haben? Das ist wahrscheinlich zu hoch gegriffen. Ich genoss den Fernsehauftritt in vollen Zügen, aber ich beschloss, mich lieber nicht darauf zu verlassen, dass die Angst jetzt Geschichte ist. Lieb

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