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Vier Beine tragen meine Seele Meine Pferde und ich von Werth, Isabell (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 04.09.2018
  • Verlag: Piper Verlag
eBook (ePUB)
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inkl. gesetzl. MwSt.
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Vier Beine tragen meine Seele

Isabell Werth ist die erfolgreichste Reiterin der Welt. Dieser Erfolg wäre nicht möglich gewesen ohne ihren einzigartigen Zugang zu Pferden. Gemeinsam mit der renommierten Sportjournalistin Evi Simeoni, die Isabell Werths Werdegang von Anfang an miterlebt und beschrieben hat, zeichnet sie ihr Leben nach und erzählt damit auch die Geschichte ihrer wichtigsten Pferde. Schon in ihrer Kindheit auf dem Bauernhof am Niederrhein zeigte sich ihre besondere Fähigkeit, sich in ein Pferd einzufühlen und vorauszusehen, wie es wenig später reagieren wird. So erfährt man nicht nur etwas über Isabell Werths Ausnahmekarriere, sondern auch viel über unterschiedliche Pferdecharaktere und den Umgang mit diesen sensiblen und talentierten Tieren.

Isabell Werth, geboren 1969, ist die erfolgreichste Reiterin der Welt. Allein bei Olympischen Spielen hat sie sechs Goldmedaillen gewonnen, und ihre Karriere ist noch nicht zu Ende. Größtes Ziel sind jetzt die Olympischen Spiele 2020 in Tokio. Sie ist weltbekannt im Reitsport, im Dressurreiten orientieren sich auch etablierte Konkurrenten an ihr, für Hobbyreiter ist sie ein Idol. Niemand hat es geschafft, den Reitsport so lange zu prägen wie sie - ihr Aufstieg begann Ende der 1980er Jahre.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 336
    Erscheinungsdatum: 04.09.2018
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783492992084
    Verlag: Piper Verlag
    Größe: 12838 kBytes
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Vier Beine tragen meine Seele

2 Gigolo

Nachdem Isabell sich erstmals auf den Rücken von Gigolo gesetzt hatte, sagte sie im Geiste zu ihm: Na, mein Freund, du wirst dich aber gleich ganz toll anstrengen müssen, sonst wird das nichts mit uns. Sie dürfte Mühe haben, sich vorzustellen, was aus ihr geworden wäre, hätte Gigolo sich damals nicht von seiner eifrigsten Seite gezeigt. Aber es bestand keine Gefahr: Gigolo strengte sich immer ganz toll an.

Kurz vor ihrem ersten Ritt auf Gigolo hatte sie in dem Stall in Warendorf bereits ein anderes Pferd ausprobiert, es hieß Whiskytime, war ein talentierter Riese, und hatte ihr auf Anhieb gut gefallen. Gigolo war jünger als Whiskytime, erst sechs Jahre alt, und hatte eine Blesse wie ein verwischtes Aquarell. Isabell ritt eigentlich nur noch mit ihm los, um sich nachher nicht vorwerfen zu müssen, sie hätte nicht alle Möglichkeiten in Betracht gezogen. Für einen von beiden sollte sie sich entscheiden. Und nun war da dieses Nichts von einem Hals, das sie bei Gigolo vor sich hatte.

»Hinter dem Widerrist ging es erst einmal 20 Zentimeter bergab, dann ragte ein schmaler, verblüffend langer Hals ohne jede Muskulatur nach oben. Ich hatte das Gefühl, vor einer Abschussrampe zu sitzen. Schöner Gigolo? Zu diesem Zeitpunkt gar nicht. Doch dann machte er seinen ersten Trabtritt, und war wie verwandelt. Ich wusste: Der ist es. Und kein anderer. Es gibt so ein paar Pferde, wo eine Sekunde ausreicht und du weißt, es ist deins. Der erste Trabtritt von Gigolo. Der erste Moment, in dem ich Bella Rose gesehen habe. Der erste Blick auf Belantis. Das war wirklich so, ich bin geritten, er trabte, ich sagte mir, das ist ja unglaublich. Diese Athletik, diese Sportivität, dieses Tragen, dieser Schwung - so etwas hatte ich noch nie erlebt und noch nie gefühlt.«

Isabell war neunzehn Jahre alt damals. Sie und der Doktor waren zu seinem Sohn gefahren, Dr. Uwe Schulten-Baumer Junior, dem einst wichtigsten Reiter im Stall des Vaters, der als Chefarzt immer weniger Zeit für seine Pferde hatte. Als Dressurreiter hatte er eine Silbermedaille bei der Weltmeisterschaft und einen Europameistertitel gewonnen, doch diese Lebensphase war vorbei. Nun wollte er eines seiner Pferde abgeben. Gigolo hatte er fünfjährig von der Familie Düfer gekauft, die das Pferd in Warendorf, am Deutschen Olympiade-Komitee für Reiterei, der Leistungsschmiede der traditionsreichen Reiternation, ritt. Die Experten dort hatten aber damals keine Ahnung, was sie hatten gehen lassen - Gigolos Talent war nicht wahrgenommen worden. Einer der damals wichtigsten deutschen Experten des Dressursports hörte ein halbes Jahr später, dass der Doktor ihn für Isabell gekauft hatte, und sagte da noch: »Wirklich? Musste es ausgerechnet dieser sein?« Als Isabell ihn Jahre später damit neckte, gab er zu: »Sag das bloß niemand, dass dieses Pferd in Warendorf stand und wir das nicht erkannt haben, das ist ja ein Armutszeugnis.«

»Ich fühlte es buchstäblich im Hintern. Der Doktor musste an diesem schicksalhaften Tag im Jahr 1989 nur in meine Augen schauen und wusste, nun fing etwas Großes an. Er fragte noch einmal, bist du auch sicher? Und ich strahlte und sagte, ja, ich bin sicher. Es hat mich stolz gemacht, dass er schon damals so sehr meinem Gefühl vertraut hat. Und dass wir mühelos übereinstimmten.«

Und los ging es: Gigolo, der Hannoveraner-Fuchs mit dem dünnen Hals, wurde das erfolgreichste Turnierpferd der modernen Reiterei. Seine Medaillensammlung ist legendär: Viermal olympisches Gold, zweimal Silber. Vier Titel bei Weltmeisterschaften, acht bei Europameisterschaften, vier deutsche Meistertitel. Gigolo besiegte den hochdekorierten Rembrandt und prägte eine Ära, die eigentlich nach dem Willen der internationalen Funktionäre für die Konkurrenz aus den Niederlanden reserviert gewesen war. Und er prägte Isabell.

»Ich lernte von ihm, wie sich das Ideal anfühlte. Er zeigte mir, welche Zusammenwi

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