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Der Mann, der auf Bäume klettert Einblicke in einen verborgenen Kosmos zwischen Himmel und Erde von Aldred, James (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 10.04.2018
  • Verlag: Ludwig
eBook (ePUB)
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Der Mann, der auf Bäume klettert

Das Glück in den Baumkronen Schon als kleiner Junge war James Aldred fasziniert von der majestätischen Schönheit der Bäume, und nichts konnte ihn am Boden halten. Aus seiner Leidenschaft hat der Abenteurer einen Beruf gemacht: Er erklettert als Fotograf und Filmemacher die höchsten Baumwipfel der Welt und verbringt manche Nacht in einer Hängematte in schwindelnden Höhen - auf würgenden Feigenbäumen in Borneo, Brüllaffenbäumen in Costa Rica, monumentalen Moabibäumen im Kongo und auf kolossalen australischen Berg-Eschen. Eine faszinierende Reise um die Welt und zugleich ein zutiefst persönliches Bekenntnis: über die Liebe zur Natur und den Zauber, den Boden der Tatsachen zu verlassen und emporzusteigen in eine grüne Welt zwischen Himmel und Erde... James Aldred ist im englischen New Forest aufgewachsen, wo seine Liebe zum Wald ihre Wurzeln hat. Er reist als professioneller Bäumekletterer und Kameramann u.a. für die BBC mit David Attenborough und für den National Geographic um den Globus, um die Wipfel unglaublich majestätischer Baumriesen unter abenteuerlichsten Umständen zu erklimmen. Für seine atemberaubenden Aufnahmen wurde er bereits mit einem EMMY ausgezeichnet.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 320
    Erscheinungsdatum: 10.04.2018
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641227203
    Verlag: Ludwig
    Originaltitel: The Man Who Climbs Trees
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Der Mann, der auf Bäume klettert

EINLEITUNG

Wie ich zu meinem Beruf kam

Ein plötzlicher Luftzug, der meine Hängematte sanft zum Schwingen brachte, hatte mich geweckt. Auf der Seite liegend starrte ich in schlaftrunkener Verwunderung auf den prähistorisch aussehenden Vogel, der soeben in meiner Nähe gelandet war. Ich befand mich in 60 Metern Höhe über dem Erdboden im Wipfel eines Baumes auf Borneo, und ich hatte noch nie einen Rhinozerosvogel aus so großer Nähe gesehen. Er hatte mich noch nicht bemerkt und war damit beschäftigt, sein Brustgefieder mit seinem langen Schnabel zu putzen. Auf seinem Scheitel saß ein feuriger, nach oben gebogener Helm, wie ein knallbunter türkischer Pantoffel - grelle Rot- und Gelbtöne, die im Halbdunkel der Dämmerung aufleuchteten. Ich war wie verzaubert.

Ein paar Sekunden später erstarrte er, dann hob er seinen Flugsaurierkopf, musterte mich mit einem rubinroten Auge, um sich gleich darauf von seinem Ast gleiten zu lassen. Riesige schwarze Flügel entfalteten sich, um sein Gewicht aufzufangen, und im nächsten Augenblick war er verschwunden, vom dichten Morgennebel verschluckt.

Ich rollte mich wieder auf den Rücken und starrte hinauf in das ungeheure Astwerk. Eine lange Nacht lag hinter mir. Der Schweiß vom gestrigen Klettern war schon längst zu einer klebrigen Schmiere geronnen, die meinen ganzen Körper bedeckte. Meine Kleidung war feucht, sandig und aufgerissen, und beißende Ameisen krabbelten über meine Haut. Irgendetwas hatte einen brennenden Ausschlag auf meiner Brust verursacht, und um Mitternacht herum war ich zweimal von einer nachtaktiven Wespe im Gesicht gestochen worden. Aber das war es mir wert. Eine solche Begegnung mit einem Rhinozerosvogel - das war es, wonach ich im Grunde genommen suchte. Mit einem Mal fühlte ich mich in meine ureigene Traumwelt aus wabernden Nebelschwaden und märchenhaften Geschöpfen versetzt. Es gab keinen Ort, an dem ich lieber gewesen wäre.

Die Sonne war noch nicht aufgegangen, und zum ersten Mal seit meiner Ankunft in Borneo war mir kalt, eine angenehme Abwechslung zu der in diesen Regenwäldern normalerweise herrschenden drückenden Hitze. Es konnte nicht mehr lange dauern, bis die Sonne aufging, doch einstweilen genoss ich den Zustand, auf dem Rücken zu liegen und zu beobachten, wie die einzelnen Wassertröpfchen vorbeischwebten. Sie wirbelten in den sichtbaren Luftströmen umher und kondensierten auf dem Metall meiner Kletterausrüstung zu glänzenden Perlen. Ich hatte in meinem Klettergurt geschlafen, der an einem Seil befestigt war, meine einzige direkte Verbindung zu der anderen Welt weit unter mir.

Der gestrige Kletterakt hatte schon fast etwas von einer Mission gehabt. Borneo ist von dem größten tropischen Regenwald dieser Erde bedeckt, und viele der hiesigen Laubbäume sind weit über 70 Meter hoch, mit Stämmen, an denen erst in fast 50 Metern Höhe die ersten Äste entspringen. Hohe gerade Pfeiler aus Holz, die in großer Höhe umfangreiche Schirme aus Ästen tragen. Ein Seil dort oben anzubringen war oft schier unmöglich.

Aus Erfahrung wusste ich, dass mein Katapult einen 200-Gramm-Wurfbeutel in eine Höhe von etwa 50 Metern befördern konnte. Doch immer wieder verfehlte der Beutel den angepeilten Ast, und die an ihm befestigte dünne Schnur trudelte erneut abwärts und blieb schlaff und leblos im Unterwuchs hängen. Der Ast war offensichtlich deutlich höher als ich angenommen hatte. Entnervt befestigte ich schließlich das Katapult an einer drei Meter langen Stange und zog unter Einsatz meines Körpergewichts das ächzende Gummiband bis zum Boden hinunter. Meine Muskeln zitterten, als ich in die Hocke ging und auf den Ast hoch über mir zielte. Als ich losließ, schnalzte das Gummi wie eine Peitsche und zog sich zu einer schlaffen Schlaufe zusammen. Ich ließ die Stange zu Boden fallen. Der Beutel schoss durch die Lücke im dichten Unterwuchs und erreichte den angepeilten Ast, den er nur um Zentimeter überflog. Dann saus

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