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Der noch größere Milonga-Führer Ein amüsant-satirischer Ratgeber zum argentinischen Tango. von Riedl, Gerhard (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 08.12.2016
  • Verlag: Books on Demand
eBook (ePUB)
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Der noch größere Milonga-Führer

Gerhard Riedls "Milonga-Führer" gibt es jetzt in der dritten Version: Nach dem Erscheinen 2010 eine völlige Neufassung 2013 und nun deren aktualisierte 2. Auflage - wie immer wohl umstritten, aber viel gelesen! Nach wie vor beleuchtet der Autor die deutsche Tangoszene aus seinen reichen Erfahrungen als langjähriger Tänzer und nicht aus der Perspektive hehrer argentinischer "Vorbilder" - und das in amüsantem bis satirischem Tonfall. Manuela Bößel hat das Werk mit ihren bekannten, aber auch neuen hintergründigen Illustrationen versehen. Angesichts des heutigen Trends zurück zu Musik und Verhaltensnormen von einst plädiert Gerhard Riedl nachdrücklich für eine Weiterentwicklung des Tango: "Überlebenschancen hat vor allem das Lebendige". Trotz zahlreicher aktueller Ergänzungen bleibt das Buch, was es war: ein "Reiseführer" durch die Welt dieses multikulturellen Tanzes - von Tangogeschichte über Unterricht, Tanztechnik und Musikalität bis zu den zwischenmenschlichen Beziehungen. Bei den Anekdoten und ironischen Seitenhieben wird klar, wieso man beim Tango mit einem Lächeln weiter kommt als mit ernster Verbissenheit, denn "wer alle Latten am Zaun hat, tanzt auch nicht Tango"!

Gerhard Riedl, Jahrgang 1950, unterrichtete Biologie und Chemie am Gymnasium. Aus dieser Tätigkeit entstanden mehr als 50 schulpolitische Glossen, die in diversen Zeitschriften erschienen, sowie sein 2012 veröffentlichtes Buch "Der bitterböse Lehrer-Retter - Überlebensstrategien hinterm Pult". Seine satirische Neigung kann er auch in den Texten für seine Zaubervorstellungen ausleben: Fast tausend Mal ist er bisher aufgetreten - vom Kindergeburtstag bis hin zu großen Bällen. An Volkshochschulen gab er eine Vielzahl von Zauberkursen. 2014 erschien sein Buch "Zaubern: Das Wie entscheidet!". Magisches Entertainment liefert er daneben als Moderator musikalischer Events, oft bei Gesangsauftritten seiner Frau Karin, die mit ihrer Partnerin Bettina Kollmannsberger ("Duo Tango Varieté) auch Livemusik auf Milongas und anderen Veranstaltungen spielt. Mit seiner Frau ist er nun über drei Jahrzehnte auf dem Parkett unterwegs: Die Standardtänze übten sie für lange Zeit in diversen Schulen und Sportclubs und nahmen an zahlreichen Tanzturnieren teil. Seit etwa 17 Jahren haben die beiden sich mit dem "Tangovirus" angesteckt, sind also der Faszination dieser Musik aus den Hinterhöfen am Rio de la Plata erlegen. Auf ihren vielen "Tangotouren", als zeitweilige Veranstalter eines eigenen Tangoabends und als DJs sammelten sie eine Menge von Erfahrungen, die Gerhard Riedl in seinem 2010 herausgegebenen Werk "Der große Milonga-Führer" zusammengefasst hat. Inzwischen erschien die Neufassung "Der noch größere Milonga-Führer" bereits in der 2. Auflage. Unter dem Titel "Gerhards Tango-Report" ist der Autor seit 2013 auch als Blogger aktiv. Weitere Informationen zu den "Paralleluniversen" von Karin und Gerhard Riedl (Musik, Zauberei und Bücher) finden Sie unter: www.robinson-riedl.de

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: AdobeDRM
    Seitenzahl: 396
    Erscheinungsdatum: 08.12.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783732260331
    Verlag: Books on Demand
    Größe: 9984kBytes
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Der noch größere Milonga-Führer

EINLEITUNG

Über mich

"El gaucho soy yo!" : "Ich bin der Gaucho!" - von jener Einstellung benötigt der Tango-Mann zumindest ein kleines Stück, und so soll dieses am Anfang stehen (dann haben wir's hinter uns - und meine Kritiker tun sich mit der Suche nach "Selbstbeweihräucherung" nicht so schwer...) .

Als Kleinkind war das mit dem argentinischen Cowboy bei mir eher nicht absehbar: Meine Mutter hätte wohl lieber eine Tochter gehabt, so dass ihr mein anfängliches Aussehen (moppelig mit blonder Lockenpracht) ziemlich entgegenkam und sie dieses mit geblümten Strampelhosen und Haarschleifchen noch auf die Spitze trieb. Es wurde nicht besser, als mein Breitenwachstum im Alter von fünf Jahren in eine extreme Längenzunahme überging, weshalb ich hinfort als "empfindlich" galt und zunächst für eine Saison von der Einschulung zurückgestellt sowie in den ersten zwei Grundschuljahren vom Sport befreit wurde.

So jedenfalls konnte man mich beim "Turnen", wie der Sportunterricht zu meiner Zeit hieß, ab der 3. Klasse als hoch aufgeschossenes, blasses "Klappergestell" besichtigen, das schon wegen des mehrjährigen Bewegungsdefizits nicht mal einen Purzelbaum beherrschte und auf Grund einer veritablen Höhenangst weder Leiter noch Kletterstange bezwang. Automatisch wird man zur beliebten Zielscheibe entsprechender Machosprüche, bei denen sich Klassenkameraden und Sportlehrer niveaumäßig durchaus die Hand reichen. Tiefenpsychologen könnten daraus wohl meine lebenslange Abneigung gegen Bewegungsinstruktoren aller Art ableiten...

Dummer(?)weise führte meine intellektuelle Entwicklung ins andere Extrem, was mich nun endgültig zum blutleeren, eierköpfigen "Streber" stilisierte, der meist die beste Note bei Prüfungen produzierte. Der "Anerkennung" meiner Klassenkameraden suchte ich dann bei Schulschluss durch rasche Flucht zu entgehen (immerhin eine sportive Aktion)... Dazu kam, dass ich in einem "Problemviertel" aufwuchs, wo auf der Straße nicht das bessere Argument, sondern ausschließlich die dickere Faust galt. Nach heutiger Anschauung war ich ein ständig gemobbtes, sozial unterprivilegiertes Kind der Vorstadt mit (sudetendeutschem) Migrationshintergrund, welches niemals das Abitur oder gar ein Hochschulstudium absolvieren würde - also zum Tango geboren...

Der Wechsel auf das Gymnasium brachte für mich eine deutliche Besserung, da dort zunehmend die geistige Leistung vor der körperlichen rangierte und es pro Klasse ziemlich viele "Streber" gab. Dennoch waren die Sportstunden weiterhin eine existentielle Qual, und ein guter Tag war nur einer ohne Reck, Barren und Bocksprung. Immerhin konnte ich der Leichtathletik, zumal dem mit meinen langen Beinen kompatiblen Weitsprung, etwas abgewinnen, und Mannschaftssportarten wie Handball machten sogar gelegentlich Spaß.

Außerdem kam auf mich als nunmehr Sechzehnjährigen etwas zu, was mir bislang dank fehlender schulischer und familiärer Koedukation völlig fremd war: Mädchen - also Wesen von einem anderen Stern! Der erste Tanzkurs stand an.

Sich Ende der 60-er Jahre einem solchen "bürgerlichen Ritual" zu unterziehen war nicht selbstverständlich. Ein Grund, warum wir es dennoch taten, war sicher, dass vor kurzer Zeit ein junger, ambitionierter Tanzlehrer eine neue Schule eröffnet hatte. Die erste Stunde werde ich nie vergessen, jedenfalls einen bestimmten Moment: Wir lernten den Grundschritt im Langsamen Walzer, zunächst die "Damen bzw. Herren" allein. Schließlich sollten sich diese säuberlich getrennt an den beiden Längsseiten der Größe nach aufstellen und, nach entsprechender Instruktion, durfte jeder Tänzer die ihm der Körperlänge nach zukommende Tänzerin auffordern. Ich habe keine Ahnung mehr, wer damals die "Glückliche" war - aber zu den von Hugo Strassers Klarinette geführten Klängen von "Wunderful dancing" erlebte ich, wie ein deutlich zarterer und weicherer Körper meine Bewegungen

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