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Aus dem Leben eines Taugenichts Reclam XL - Text und Kontext von Eichendorff, Joseph Freiherr von (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 21.07.2015
  • Verlag: Reclam Verlag
eBook (ePUB)
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Aus dem Leben eines Taugenichts

Eichendorffs Taugenichts ist eine der populärsten literarischen Figuren überhaupt. Der verträumte und mittellose Taugenichts ist damals wie heute die Ikone des 'romantischen' Deutschen. 1823 veröffentlichte Joseph von Eichendorff die ersten beiden Kapitel 'Aus dem Leben eines Taugenichts' in einer Zeitschrift. Drei Jahre später erschien dann die vollständige spätromantische Novelle. Die Reihe 'Reclam XL - Text und Kontext' bietet Klassikertexte mit Kommentar und ist damit speziell auf die Bedürfnisse des Deutschunterrichts zugeschnitten. Auf die sorgfältig edierten Texte folgt ein Anhang mit Materialien, die das Verständnis des Werkes erleichtern und Impulse für Diskussionen im Unterricht liefern: Text- und Bilddokumente zu Quellen und Stoff, zur Biographie des Autors, zu seiner Epoche sowie zur Rezeptionsgeschichte. Die Herausgeber sind erfahrene Schulpraktiker, die die Materialien nach den gegenwärtigen Erkenntnissen von Germanistik und Fachdidaktik für jeden Band neu erarbeitet haben. Die Bände von 'Reclam XL' sind im Textteil seiten- und zeilenidentisch mit denen der Universal-Bibliothek. UB- und XL-Ausgaben sind also nicht nur im Unterricht nebeneinander verwendbar - es passen auch weiterhin alle Lektüreschlüssel, Erläuterungsbände und Interpretationen dazu. E-Book mit Seitenzählung der gedruckten Ausgabe: Buch und E-Book können parallel benutzt werden. Joseph von Eichendorff (10. 3. 1788 Schloss Lubowitz bei Ratibor, Oberschlesien - 26. 11. 1857 Neiße, Schlesien) stammte aus einer katholischen Adelsfamilie. Nach einem Jurastudium in Halle, Heidelberg und Wien arbeitete er für den preußischen Staatsdienst. Eichendorff gehört zu den bedeutendsten Dichtern der Spätromantik. Neben seiner Lyrik, für die insbesondere 'Des Knaben Wunderhorn' steht, erlangte Eichendorffs Prosadichtung Ruhm, allen voran die Novelle 'Aus dem Leben eines Taugenichts'? die 1826 erstmals veröffentlicht wurde.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 152
    Erscheinungsdatum: 21.07.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783159607924
    Verlag: Reclam Verlag
    Größe: 2549 kBytes
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Aus dem Leben eines Taugenichts

[5] Erstes Kapitel

Das Rad an meines Vaters Mühle brauste und rauschte schon wieder recht lustig, der Schnee tröpfelte emsig vom Dache, die Sperlinge zwitscherten und tummelten sich dazwischen; ich saß auf der Türschwelle und wischte mir den Schlaf aus den Augen, mir war so recht wohl in dem warmen Sonnenscheine. Da trat der Vater aus dem Hause; er hatte schon seit Tagesanbruch in der Mühle rumort und die Schlafmütze schief auf dem Kopfe, der sagte zu mir: "Du Taugenichts! da sonnst du dich schon wieder und dehnst und reckst dir die Knochen müde, und lässt mich alle Arbeit allein tun. Ich kann dich hier nicht länger füttern. Der Frühling ist vor der Türe, geh auch einmal hinaus in die Welt und erwirb dir selber dein Brot." - "Nun", sagte ich, "wenn ich ein Taugenichts bin, so ist's gut, so will ich in die Welt gehen und mein Glück machen." Und eigentlich war mir das recht lieb, denn es war mir kurz vorher selber eingefallen, auf Reisen zu gehn, da ich den Goldammer , der im Herbst und Winter immer betrübt an unserem Fenster sang: "Bauer, miet mich, Bauer miet mich!", nun in der schönen Frühlingszeit wieder ganz stolz und lustig vom Baume rufen hörte: "Bauer, behalt deinen Dienst!" - Ich ging also in das Haus hinein und holte meine Geige , die ich recht artig spielte, von der Wand, mein Vater gab mir noch einige Groschen Geld mit auf den Weg, und so schlenderte ich durch das lange Dorf hinaus. Ich hatte recht meine heimliche Freud', als ich da alle meine alten Bekannten und Kameraden rechts und links, wie gestern und vorgestern und immerdar, zur Arbeit hinausziehen, graben und pflügen sah, während ich so in die freie Welt hinausstrich. Ich rief den armen Leuten nach allen Seiten recht stolz und zufrieden Adjes zu, aber es kümmerte sich eben keiner sehr darum. Mir war es wie ein ewiger Sonntag im Gemüte. Und als ich endlich ins freie Feld hinauskam, da nahm ich meine liebe Geige vor, und spielte und sang, auf der Landstraße fortgehend:

[6] Wem Gott will rechte Gunst erweisen,

Den schickt er in die weite Welt,

Dem will er seine Wunder weisen

In Fels und Wald und Strom und Feld.

Die Trägen, die zu Hause liegen,

Erquicket nicht das Morgenrot,

Sie wissen nur vom Kinderwiegen

Von Sorgen, Last und Not um Brot.

Die Bächlein von den Bergen springen,

Die Lerchen schwirren hoch vor Lust,

Was sollt ich nicht mit ihnen singen

Aus voller Kehl' und frischer Brust?

Den lieben Gott lass ich nur walten;

Der Lerchen, Bächlein, Wald und Feld

Und Erd und Himmel will erhalten,

Hat auch mein Sach aufs Best bestellt!

Indem wie ich mich so umsehe, kömmt ein köstlicher Reisewagen ganz nahe an mich heran, der mochte wohl schon einige Zeit hinter mir drein gefahren sein, ohne dass ich es merkte, weil mein Herz so voller Klang war, denn es ging ganz langsam, und zwei vornehme Damen steckten die Köpfe aus dem Wagen und hörten mir zu. Die eine war besonders schön und jünger als die andere, aber eigentlich gefielen sie mir alle beide. Als ich nun aufhörte zu singen, ließ die ältere stillhalten und redete mich holdselig an: "Ei, lustiger Gesell, Er weiß ja recht hübsche Lieder zu singen." Ich nicht zu faul dagegen: " Ew. Gnaden aufzuwarten, wüsst ich noch viel schönere." Darauf fragte sie mich wieder: "Wohin wandert Er denn schon so am frühen Morgen?" Da schämte ich mich, dass ich das selber nicht wusste, und sagte dreist: " Nach W. "; nun sprachen beide miteinander in einer fremden Sprache , die ich nicht verstand. Die jüngere schüttelte einige Mal mit dem Kopfe, die andere lachte aber in einem fort und rief mir endlich zu: "Spring Er nur hinten mit auf, [7] wir fahren auch nach W." Wer war froher als ich! I

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