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Fräulein Else Reclam XL - Text und Kontext von Schnitzler, Arthur (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 09.02.2017
  • Verlag: Reclam Verlag
eBook (ePUB)
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Fräulein Else

Klassenlektüre und Textarbeit einfach gemacht: Die Reihe 'Reclam XL - Text und Kontext' erfüllt alle Anforderungen an Schullektüre und Bedürfnisse des Deutschunterrichts: Das Format ist größer als die gelben Klassiker der Universal-Bibliothek, mit ausreichend Platz für Notizen am Seitenrand. schwierige Wörter werden am Fuß jeder Seite erklärt, ausführlichere Sacherläuterungen stehen im Anhang. Zusatz-Materialien im Anhang erleichtern das Verständnis des Werkes und liefern Impulse für Diskussionen im Unterricht: zu Quellen und Stoff, Biographie des Autors, Epoche und Rezeptionsgeschichte. Arthur Schnitzlers wohl berühmteste Schilderung eines Frauenschicksals: Die neunzehnjährige Else soll ihren Vater vor dem drohenden Bankrott retten und zerbricht an den Forderungen des Geldgebers. Zeitgenossen des Autors rühmten die präzise Charakterdarstellung, die Erkenntnisse aus der Psychoanalyse verarbeitet. E-Book mit Seitenzählung der gedruckten Ausgabe im Textteil: Buch und E-Book können parallel benutzt werden. Arthur Schnitzler (15. 5. 1862 Wien - 21. 10. 1931 ebd.) studierte ab 1879 Medizin in Wien mit anschließender Promotion und arbeitete als Arzt und Assistent seines Vaters; nach dem Tod des Vaters hatte er eine eigene Praxis. Daneben betrieb er mehr und mehr seine schriftstellerische Tätigkeit. Schnitzler ist einer der bedeutendsten Vertreter der Wiener Moderne um 1900. Das Unbewusste und Motive des Fin-de-Siècle-Lebensgefühls bestimmen seine psychologische Darstellungskunst.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 120
    Erscheinungsdatum: 09.02.2017
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783159611952
    Verlag: Reclam Verlag
    Größe: 3923 kBytes
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Fräulein Else

[5] "Du willst wirklich nicht mehr weiterspielen, Else?" - "Nein, Paul, ich kann nicht mehr. Adieu. - Auf Wiedersehen, gnädige Frau." - "Aber, Else, sagen Sie mir doch: Frau Cissy. - Oder lieber noch: Cissy, ganz einfach." - "Auf Wiedersehen, Frau Cissy." - "Aber warum gehen Sie denn schon, Else? Es sind noch volle zwei Stunden bis zum Dinner." - "Spielen Sie nur Ihr Single mit Paul, Frau Cissy, mit mir ist's doch heut wahrhaftig kein Vergnügen." - "Lassen Sie sie, gnädige Frau, sie hat heut ihren ungnädigen Tag. - Steht dir übrigens ausgezeichnet zu Gesicht, das Ungnädigsein, Else. - Und der rote Sweater noch besser." - "Bei Blau wirst du hoffentlich mehr Gnade finden, Paul. Adieu."

Das war ein ganz guter Abgang. Hoffentlich glauben die zwei nicht, dass ich eifersüchtig bin. - Dass sie was miteinander haben, Cousin Paul und Cissy Mohr, darauf schwör ich. Nichts auf der Welt ist mir gleichgültiger. - Nun wende ich mich noch einmal um und winke ihnen zu. Winke und lächle. Sehe ich nun gnädig aus? - Ach Gott, sie spielen schon wieder. Eigentlich spiele ich besser als Cissy Mohr; und Paul ist auch nicht gerade ein Matador . Aber gut sieht er aus - mit dem offenen Kragen und dem Bösen-Jungen-Gesicht. Wenn er nur weniger affektiert wäre. Brauchst keine Angst zu haben, Tante Emma ...

Was für ein wundervoller Abend! Heut wär das richtige Wetter gewesen für die Tour auf die Rosetta-Hütte. Wie herrlich der Cimone in den Himmel ragt! - Um fünf Uhr früh wär man aufgebrochen. Anfangs wär mir natürlich übel gewesen, wie gewöhnlich. Aber das verliert sich. - Nichts köstlicher als das Wandern im Morgengrauen. - Der einäugige Amerikaner auf der Rosetta hat ausgesehen wie [6] ein Boxkämpfer. Vielleicht hat ihn beim Boxen wer das Aug ausgeschlagen. Nach Amerika würd ich ganz gern heiraten, aber keinen Amerikaner. Oder ich heirat einen Amerikaner und wir leben in Europa. Villa an der Riviera. Marmorstufen ins Meer. Ich liege nackt auf dem Marmor. - Wie lang ist's her, dass wir in Mentone waren? Sieben oder acht Jahre. Ich war dreizehn oder vierzehn. Ach ja, damals waren wir noch in besseren Verhältnissen. - Es war eigentlich ein Unsinn die Partie aufzuschieben. Jetzt wären wir jedenfalls schon zurück. - Um vier, wie ich zum Tennis gegangen bin, war der telegraphisch angekündigte Expressbrief von Mama noch nicht da. Wer weiß, ob jetzt. Ich hätt noch ganz gut ein Set spielen können. - Warum grüßen mich diese zwei jungen Leute? Ich kenn sie gar nicht. Seit gestern wohnen sie im Hotel, sitzen beim Essen links am Fenster, wo früher die Holländer gesessen sind. Hab ich ungnädig gedankt? Oder gar hochmütig ? Ich bin's ja gar nicht. Wie sagte Fred auf dem Weg vom ' Coriolan ' nach Hause? Frohgemut. Nein, hochgemut . Hochgemut sind Sie, nicht hochmütig, Else. - Ein schönes Wort. Er findet immer schöne Worte. - Warum geh ich so langsam? Fürcht ich mich am Ende vor Mamas Brief? Nun, Angenehmes wird er wohl nicht enthalten. Express! Vielleicht muss ich wieder zurückfahren. O weh. Was für ein Leben - trotz rotem Seidensweater und Seidenstrümpfen. Drei Paar! Die arme Verwandte, von der reichen Tante eingeladen. Sicher bereut sie's schon. Soll ich's dir schriftlich geben, teuere Tante, dass ich an Paul nicht im Traum denke? Ach, an niemanden denke ich. Ich bin nicht verliebt. In niemanden. Und war noch nie verliebt. Auch in Albert bin ich's nicht gewesen, obwohl ich es mir acht Tage lang eingebildet habe. Ich glaube, ich kann mich nicht verlieben. Eigentlich merkwürdig. Denn sinnlich bin ich gewiss. Aber auch hochgemut und ungnädig Gott sei Dank. Mit dreizehn war ich [7] vielleicht das einzige Mal wirklich verliebt. In den Van Dyck - oder vielmehr in den Abbé Des Grieux ,

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