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Lektüreschlüssel. Georg Büchner: Dantons Tod Reclam Lektüreschlüssel

  • Erscheinungsdatum: 22.01.2013
  • Verlag: Reclam Verlag
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Lektüreschlüssel. Georg Büchner: Dantons Tod

Der Lektüreschlüssel erschließt Georg Büchners 'Dantons Tod'. Um eine Interpretation als Zentrum gruppieren sich 10 wichtige Verständniszugänge: Erstinformation zum Werk Inhaltsangabe Personen (Konstellationen) Werk-Aufbau (Strukturskizze) Wortkommentar Interpretation Autor und Zeit Rezeption 'Checkliste' zur Verständniskontrolle Lektüretipps mit Filmempfehlungen

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Lektüreschlüssel. Georg Büchner: Dantons Tod

3. Personen

Danton. Der träge und zynische Danton ist die Titelfigur des Dramas. In 16 Szenen von den 32, die das Stück zählt, hat er seinen Auftritt, steht in deren Mittelpunkt oder taucht zumindest am Rande der Szene auf (wie z. B. in II,2). Danton wäre der Held des Stückes, aber er ist alles andere als ein handelnder Held, eher ist er Antiheld, denn von ihm geht keine Handlung mehr aus. "Zwar ist er selbst äußerlich noch 'Held' im alten Sinne, gleichzeitig aber auch schon distanzierter Zuschauer, noch Hauptperson im Bühnengeschehen und zugleich auch schon ein am Handeln nicht mehr sonderlich interessierter Kommentator seiner selbst." 4

Büchner lässt Danton auftreten, als dieser schon längst von der revolutionären Bühne abgetreten ist und seinen revolutionären Elan gänzlich verloren hat. Charakteristisch für ihn ist sein Auftritt gleich zu Beginn der ersten Szene. Charakteristisch, dass er sich in einem Spielsalon auf einen Schemel vor Julie platziert hat, fern von den anderen. Auch seine erste Äußerung charakterisiert ihn sogleich: "Sieh die hübsche Dame, wie artig sie die Karten dreht! ja wahrhaftig sie versteht's; man sagt sie halte ihrem Manne immer das Coeur und andren Leuten das Carreau hin. Ihr könntet einem noch in die Lüge verliebt machen" (5). Danton durchschaut die Lüge, wie er die hübsche Dame richtig durchschaut, die ihren Mann betrügt und Liebe vorgibt, aber scharf davon ihre Sexualität trennt, denn Liebe und Sexualität sind miteinander zerfallen. Diese Hellsichtigkeit und Desillusion sind es auch, die Danton daran hindern, an einen anderen Menschen noch zu glauben. So antwortet er Julie auf deren Frage "Glaubst du an mich?": "Was weiß ich. Wir wissen wenig voneinander. Wir sind Dickhäuter, wir strecken die Hände nacheinander aus aber es ist vergebliche Mühe, wir reiben nur das grobe Leder aneinander ab - wir sind sehr einsam" (ebd.). Damit ist eine grundlegende Aussage getroffen. Danton weiß, dass er vom andern nichts weiß, nichts wissen kann. Der Mensch ist einsam, er kann darum sein Handeln auch nicht auf ein gemeinsames Ziel hin ausrichten. Würde er dies tun, wäre das nur um den Preis des Selbstbetrugs möglich, aber dazu ist Danton nicht mehr fähig. Und insofern taugt er auch nicht mehr als revolutionäres Subjekt. Er steht da, ganz ohne Illusion; die verbietet er sich in aller Radikalität.

Er weiß, dass nicht er die Revolution gemacht hat, sondern die Revolution ihn. Nur noch ironisch kann er feststellen, dass die Institution (das Revolutionstribunal), die er ins Leben rief, ihn nunmehr selbst zum Tode verurteilt. Unter diesem Gesichtspunkt ist er ganz und gar Fatalist. Er glaubt nicht mehr daran, autonom handeln zu können; es wird vielmehr mit ihm gehandelt. Und das, was ihn im Innersten zum Handeln zwingt, weiß er nicht genau zu bestimmen. Es entzieht sich einer präzisen Begrifflichkeit, denn könnte man es auf den Begriff bringen, verlöre es seine Übermacht und man hätte es ergriffen und damit entmächtigt: "Was ist das, was in uns hurt, lügt, stiehlt und mordet? Puppen sind wir von unbekannten Gewalten am Draht gezogen; nichts, nichts wir selbst!" (43).

Danton kann sich nur noch als Marionette sehen, der es an Identität gebricht. So ist es nur konsequent, wenn er sich bereits am Ende der ersten Szene der Aufforderung seiner Freunde, politisch tätig zu werden, mit dem zu Julie gesprochenen Satz entzieht: "Ich muss fort, sie reiben mich mit ihrer Politik noch auf" (8). Seinen gewonnenen Standpunkt fasst Danton in die Worte:

"Ich will lieber guillotiniert werden, als guillotinieren lassen. Ich hab es satt, wozu sollen wir Menschen miteinander kämpfen? Wir sollten uns nebeneinander setzen und Ruhe haben. Es wurde ein Fehler gemacht, wie wir geschaffen worden" (32).

Trotz aller Desillusioniertheit erhofft sich Danton in einem einzigen Augenblick ein

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