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Lektüreschlüssel. Gottfried Keller: Romeo und Julia auf dem Dorfe Reclam Lektüreschlüssel

  • Erscheinungsdatum: 25.05.2012
  • Verlag: Reclam Verlag
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Lektüreschlüssel. Gottfried Keller: Romeo und Julia auf dem Dorfe

Der Lektüreschlüssel erschließt Gottfried Kellers 'Romeo und Julia auf dem Dorfe'. Um eine Interpretation als Zentrum gruppieren sich 10 wichtige Verständniszugänge: Erstinformation zum Werk Inhaltsangabe Personen (Konstellationen) Werk-Aufbau (Strukturskizze) Wortkommentar Interpretation Autor und Zeit Rezeption 'Checkliste' zur Verständniskontrolle Lektüretipps mit Filmempfehlungen

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Lektüreschlüssel. Gottfried Keller: Romeo und Julia auf dem Dorfe

3. Personen

Der Dichter geht in Romeo und Julia auf dem Dorfe mit Figuren äußerst sparsam um. Vier Personen tragen die gesamte Handlung; lediglich zweimal greift eine fünfte entscheidend in die Ereignisse ein. Das aber genügt, um die Geschichte vor den Augen des Lesers plastisch erstehen zu lassen. Die Konzentration auf wenige Personen erhält noch mehr Gewicht, wenn man berücksichtigt, dass vier der fünf Handlungsträger paarweise zusammengehören (Manz und Marti sowie Sali und Vrenchen); dagegen nimmt der übrig bleibende schwarze Geiger, platziert zwischen den beiden Paaren, als Einzelfigur am Geschehen teil.

Hinzu kommen Neben-, ja Randfiguren, die bisweilen in den Vordergrund rücken (Frau Manz) oder für einen Augenblick in die Handlung eintreten, um dann sofort wieder und für immer zu verschwinden (Bäuerin, Wirtsleute, Knechte, Mägde, Landleute, Seldwyler, Heimatlose usw.). Von einer Person (Frau Marti) ist nur ganz beiläufig die Rede, ohne dass sie dem Leser ein einziges Mal persönlich begegnet.

Manz und Marti. Schon ihre Namen zeigen Zwillinghaftes an, und erst recht kommt dies in ihrem Aussehen und Tun zum Ausdruck. Vor allem das Eingangsbild mit den beiden pflügenden Bauern zeigt ununterscheidbare, zum Verwechseln ähnliche Gestalten in größtmöglicher Übereinstimmung: Beide "waren lange knochige Männer von ungefähr vierzig Jahren und verkündeten auf den ersten Blick den sichern, gutbesorgten Bauersmann. Sie trugen kurze Kniehosen von starkem Zwillich, an dem jede Falte ihre unveränderliche Lage hatte und wie ein Stein gemeißelt aussah. [...], indessen die wohlrasierten Gesichter ruhig und aufmerksam, aber ein wenig blinzelnd in den Sonnenschein vor sich hinschauten [...]. Langsam und mit einer gewissen natürlichen Zierlichkeit setzten sie einen Fuß um den andern vorwärts und keiner sprach ein Wort, außer wenn er etwa dem Knechte, der die stattlichen Pferde antrieb, eine Anweisung gab. So glichen sie einander vollkommen in einiger Entfernung" (3f.).

Gemeinsam verkörpern sie Arbeitsamkeit, Festigkeit, Geradlinigkeit, ein gesundes Bauerndasein also. Auch Jahre danach, als sie miteinander im Streit liegen, legen sie wiederum ein und dieselben Eigenschaften an den Tag, nämlich Müßiggang, Eigensinn, Engstirnigkeit, und selbst im Stadium des vor Augen stehenden Untergangs kennzeichnen beide Verwilderung und Verwahrlosung ihres Aussehens, ihrer Persönlichkeit und ihres Besitzes. Beide verlegen sich auf das Fischen am Bach, um wenigstens etwas Essbares an Land zu ziehen, und beide müssen schließlich ihr dörfliches Zuhause aufgeben. Schließlich werden sie sogar gewalttätig und gehen aufeinander los. In den Augen der Außenstehenden sind sie Narren, über die man nur lachen und sich lustig machen kann. Manz' und Martis Realitätsverlust ist so groß, dass sie all das nicht mehr wahrnehmen und wie Blinde in ihr Verderben rennen.

So gesehen sind Manz und Marti weniger Individuen als Typen. Sie könnten auch Meier und Müller oder Hinz und Kunz heißen. Manz und Marti gehören zu denen, die unter ihresgleichen zusammenhalten, solange der eigene Vorteil gewahrt bleibt. Unterlegenen gegenüber zeigen sie keinerlei Solidarität. Hochmütig, überheblich grenzen sie Menschen aus, die nicht so sind wie sie selbst. Sie schrecken nicht davor zurück, sich deren Besitztümer nach und nach anzueignen, weil solche sozial und wirtschaftlich Schwachen doch nichts taugen und nur alles verderben.

Als jedoch Manz und Marti selbst auf der untersten Sprosse der sozialen Leiter angekommen sind, trennen sich ihre Wege für immer: Marti, tatsächlich zum Narren geworden, verbringt den Rest seines Lebens in einer geschlossenen Anstalt. Manz dagegen ist unter die Hehler geraten, sodass es nur eine Frage der Zeit ist, bis es zu einer Verhaftung kommen wird.

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