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Schrift und Schriftlichkeit Deutschunterricht der Vielfalt

  • Erscheinungsdatum: 29.05.2020
  • Verlag: Studienverlag
eBook (ePUB)
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Schrift und Schriftlichkeit

Die kritische Auseinandersetzung mit Schrift und Schriftlichkeit wird seit der Antike bei jedem medialen Umbruch neu geführt. In jüngster Zeit hat der Einzug digitaler Medien in den Unterricht die Diskussion insbesondere mit Blick auf das Schreiben mit der Hand oder am Computer neu befeuert. Dies nehmen wir zum Anlass, um uns der Bedeutung der Kulturtechnik Schreiben aus den Perspektiven von Sprach- und Kulturwissenschaft anzunähern und daraus Implikationen für Didaktik und Unterrichtspraxis abzuleiten. Dieses ide-Heft möchte den Leser_innen einerseits grundsätzliches, wissenschaftlich gesichertes Wissen anbieten, das in Folge für den Unterricht im Sinne eines Wissenstransfers genutzt werden kann. Andererseits bietet es Einblicke in verschiedene Bereiche, in denen Schrift weit über die Vermittlung des Schreibens in der Schule hinausgehend vertiefende Verbindungen mit anderen Fachrichtungen, sei es Kunst, Literatur oder Geschichte eingeht. Aus dem Inhalt: Interdisziplinäre Annäherung an Schrift und Schriftlichkeit Peter Ernst: Die beste aller Schriften? Grundsätzliche Überlegungen zu Schrift und Schreiben Elmar Lenhart: Hand - Maschinen - Schreiben Christian Marquardt, Karl Söhl: Schrifterwerb und Bedeutung der Schreibschrift Schrifterwerb und Schreiben an den schulischen Institutionen im Wandel Maria Dippelreiter: Bravo, österreichische Schulschrift! Konstanze Edtstadler: Anfänglicher Schrifterwerb - didaktisch und praktisch Jutta Ransmayr: Eine Frage des Schreibmediums. Deutschmatura mit dem Stift oder am Computer schreiben? Schrift als Querschnittsmaterie Doris Moser: Christine Lavant?! Auf Spurensuche im Literaturarchiv Anja Wildemann, Barbara Hoch: Heute schon Malayalam gelesen? Schriftsysteme im Unterricht in mehrsprachigen Lerngruppen thematisieren Andrea Brait, Cornelia Sommer-Hubatschek: Die Geschichte der Schrift. Ein fächerübergreifender Stationenbetrieb Helen Bito, Julia Bito: Buchstabenpartituren. Das Gesicht der Wörter: Visuelle Poesie - Unterrichtsbeispiele für einen produktionsorientierten Lyrikunterricht in der Sekundarstufe II Service Mara Rader: Schrift und Schriftlichkeit. Bibliographische Hinweise Online Sonja Vucsina: 'Eine Geschichte für alle, die Wichtigeres zu tun haben'.Sprach- und Schriftspuren in Bilderbüchern Elisabeth Schabus-Kant: Nicht nur in Stein gemeißelt. Schrift als Querschnittsmaterie IDE ist die Zeitschrift für den Deutschunterricht. IDE hält den Dialog zwischen der Praxis in der Schule und didaktischer Forschung aufrecht. IDE ist das Podium für den ständigen Erfahrungsaustausch zwischen DeutschlehrerInnen in der Praxis. IDE öffnet Klassenzimmer und Konferenzräume: Informationen und Kommunikation über Praxis und Projekte, über Erfahrungen, Reaktionen, über Wünsche und Horizonte. Für alle Schultypen. Für alle Schulstufen. IDE - INFORMATIONEN ZUR DEUTSCHDIDAKTIK erscheint viermal im Jahr.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 132
    Erscheinungsdatum: 29.05.2020
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783706560627
    Verlag: Studienverlag
    Größe: 7549 kBytes
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Schrift und Schriftlichkeit

Elmar Lenhart
Hand - Maschinen - Schreiben

K ritik am Medium Schrift und damit an der Kulturtechnik Schreiben wird oft dann geübt, wenn technologisch fundamentale Veränderungen Paradigmenwechsel im Schreibprozess einleiten. Zwei Reduktionshypothesen aus der Antike und der Neuzeit zeihen die Schrift der Ersetzung zuerst des sprechenden, dann des handschriftlich kommunizierenden Menschen. Es zeigt sich aber am Beispiel schriftstellerischer Produktion, dass das Schreiben, ungeachtet seiner technischen Prämissen und seines Status als "lustvolle Tätigkeit", in der Regel auf sein Ergebnis, die Schrift, abzielt und Kritik wie Analyse des Schreibprozesses deshalb immer auf dieselbe zurückgeworfen wird.

Roland Barthes, Platon und Friedrich Kittler sind sich zwar nicht über den Weg gelaufen, doch ließe sich das, was diese drei publiziert hatten, auch als Dialog darstellen und zwar in einem Medium, das man mit einem Sammelbegriff Schrift nennt und das so unterschiedliche Formen annehmen kann wie eine gekerbte Steintafel, mit Pinselstrich auf Papier gemalte Zeichen, ein Druckwerk (wie das vorliegende) oder eben die Textdatei, die auf einem Server und noch an zig anderen Stellen "liegt". (Den Begriff muss man aus der Welt des Analogen entlehnen, wie das auch bei "Desktop" oder "Mailbox" praktiziert wird, um eine Illusion von Haptik herstellen zu können.) Schriften beziehen sich aufeinander, die Reihenfolge ihrer Entstehung muss dabei keine Rolle spielen, Texte ergeben bisweilen auch in vertauschten Folgen eine Narration. Schrift selbst ist dagegen strikt linear-chronologisch organisiert.

ELMAR LENHART ist seit 2011 Senior Scientist am Robert-Musil-Institut der Universität Klagenfurt und betreut daselbst das Kärntner Literaturarchiv. Schwerpunkte seiner Überlegungen sind derzeit Schreibprozessforschung und Literaturvermittlung. E-Mail: elmar.lenhart@aau.at

Der Raum ist hier nicht gegeben, eine Geschichte der Schriftkritik auch nur zu skizzieren. Das wird sich in zahlreichen Auslassungen bemerkbar machen und einer geografisch-historischen Eingrenzung, die man leicht auch als Eurozentrismus lesen kann. Der Übersicht und der Einfachheit halber folgt der Text der üblichen zeitlichen und technologiegeschichtlichen Chronologie. Auch deshalb beginnt er bei Platon und seiner grundlegenden Kritik am Medium Schrift, deren Nachteile er gegen die Oralität, vor allem aber das menschliche Gedächtnis als Wissensspeicher und -generator abwägt. Schrift ist vorerst nur einmal Handschrift, eine weitere Zäsur stellt der Buchdruck dar, folgenreicher scheint aber das später folgende maschinelle Schreiben zu sein, eine Ära, die einschneidende Veränderungen in der Beziehung zwischen Schrift und Schreibprozess mit sich brachte. Der Druck ist ein Medium der Schrift, nicht aber des Schreibens, denn mit der gutenbergschen Revolution gehen Schrift und Schreiben endgültig getrennte Wege. Letzteres findet im literarischen Schreiben seinen qualitativ stärksten Ausdruck und gibt den Forschenden Anlass, den Schreibprozess an anschaulichen Beispielen zu rekonstruieren. Das mag verschiedene historische Gründe haben, zu den vermutlich wirksamsten zählen die veränderten Arbeitsbedingungen der Berufsschreibenden. Eine Geschichte der Schrift ist wahrscheinlich eine Geschichte der Instrumente, der Materialien und der Technologien, eine Geschichte des Schreibens ist dagegen eine Geschichte der Beziehung der menschlichen Hand zu Schreibinstrumenten.

Die Schrift [sic] 1 [ist] historisch gesehen, eine dauerhaft widersprüchliche Aktivität [...], mit einem doppelten Postulat verbunden: einerseits ist sie streng merkantiles Objekt, ein Instrument von Macht und Segregation, erstarrt im gröbsten Realen der Gesellschaften; und andererseits ist sie Praxis des Genusses, mit den triebgebundenen Tiefenschichten des Körpers und den subtilsten und gelungensten Produktionen der Kunst liiert. (Barthes 2

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