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Fragen der Philosophie. Erstbegegnungen Reclams Universal-Bibliothek. Texte und Materialien für den Unterricht von Elfferding, Wieland (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 09.05.2016
  • Verlag: Reclam Verlag
eBook (ePUB)
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Fragen der Philosophie. Erstbegegnungen

Schüler eines Berliner Abiturjahrgangs interessierten sich für Philosophie, daraufhin hielt Heinrich Elfferding 12 kurze Vorlesungen, in denen er Grundfragen der Philosophie zu Leibe rückt: ??? Was ist ein Philosoph? ??? Was heißt philosophisch Fragen und Antworten? ??? Kann man in der Politik streng philosophisch denken? ??? Liegt alle Wahrheit in der Sprache? ??? Kann Philosophie Mut machen? Eine Anregung für eine eigenständige Beschäftigung mit Philosophie, gestützt durch konkrete Textbezüge zu großen Werken und weiterführende Lektürehinweise.

Wieland Elfferding, geb. 1950, lebt und arbeitet in Berlin als Lehrer und Oberstufenkoordinator.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 200
    Erscheinungsdatum: 09.05.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783159610894
    Verlag: Reclam Verlag
    Größe: 1410 kBytes
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Fragen der Philosophie. Erstbegegnungen

2. Was heißt philosophisch fragen und antworten? Der philosophische Diskurs

Sokrates im Angesicht des Todes. Platons Phaidon

Wer etwas von Platon gehört hat, hat etwas vom Höhlengleichnis gehört. Davon soll hier nicht die Rede sein. Da geht es um Platons Idealismus, den sogenannten Ideenhimmel und verwandte Fragen. Platons Werke sind in Gesprächsform gehalten, daher wird von den "Dialogen" Platons gesprochen. Zwei unter ihnen stechen durch ihre schiere Länge hervor, die Nomoi ( Gesetze ) und die Politeia ( Staat ), wo u. a. das Höhlengleichnis vorkommt. Darüber hinaus sind Briefe von Platon überliefert. Ich habe vor, am Beispiel eines Dialogs zu erläutern, welche Bedeutung Fragen und Antworten in der Philosophie hat. Mit Glück springt am Ende eine vorläufige Klärung des Diskursbegriffs heraus.

Bevor wir an einer bestimmten Stelle in einen Dialog, den Phaidon , einsteigen können, muss ich kurz das Setting, wie das beim Film heißt, erklären. Für gewöhnlich präsentiert sich uns am Anfang eines Dialogs eine Gruppe von Männern, die sich trifft, die jemanden besucht, die eben eine Gesprächsgelegenheit schafft. Allermeist geht es auch um ein bestimmtes Thema, das den gesamten Dialog bestimmt. Zum Beispiel nimmt sich der berühmte Dialog Protagoras die Sophisten und ihr Handwerk der Rede- oder besser: der Überredungskunst zum Gegenstand. In dem berühmten Symposion ( Gastmahl ) werden die ethischen Regeln der homosexuellen Beziehungen unter den Männern Athens durchdiskutiert. Immer sind mehrere Männer an den Gesprächen beteiligt, insofern könnten wir auch von Gesprächen reden. Aber in der Tat hat das, was wir bei Platon lesen, nichts mit Talk zu tun. Vielmehr wechseln sich die Gesprächspartner ab, und erstens redet immer nur einer, und zweitens stehen immer zwei der Anwesenden unmittelbar im Dialog, tauschen Ansichten und Argumente aus. Insofern hat der Begriff "Dialog" für dieses Textgenre schon seinen guten Sinn.

Der Phaidon setzt bei einer besonderen Situation ein. Sokrates, die zentrale Figur der Dialoge Platons, ist von den Athenern zum Tode verurteilt worden, und das Urteil wurde vollstreckt. Wir schreiben das Jahr 399 v. Chr. Einige seiner philosophischen und Lebensfreunde waren zugegen, andere konnten seine letzten Stunden nicht begleiten. Diese fragen nun den Phaidon, der dabei war, wie diese letzten Stunden verlaufen sind und wie Sokrates selbst sein Ende verstanden hat. Phaidon berichtet den Schülern des Sokrates wörtlich, so offenbar der Anspruch des Textes, den Verlauf des Gesprächs - bis hin zum Leeren des tödlichen Schierlingsbechers und Sokrates' Ableben.

Im Zentrum des Gesprächs in der Gefängniszelle stand offenbar die Sorge der Schüler und Gefährten Sokrates', dass nun alles vorbei sei. Sie sind nicht nur betrübt, sondern auch betroffen, besorgt, dass Sokrates, abgesehen von seiner berühmten Verteidigung vor Gericht, so gar nichts gegen seinen Tod einzuwenden hat. Im Gegenteil, er fügt sich in seinen Tod. Bedeutet das nicht auch, dass er es gar nicht schlimm findet, dass er nun den Freunden verloren sein wird? Wie kann es sein, dass ihm das so gar nichts ausmacht? - Kurzum, es geht um die Frage, ob mit Sokrates nun einfach alles zu Ende ist oder ob er nach dem Tode auf irgendeine Weise weiterlebt.

Wenn ich Ihnen eine Passage aus dem Dialog Phaidon , der etwa 90 Seiten umfasst, zitiere, dann mit zweierlei Absicht: Einmal soll die Textart bekannt gemacht werden, das Dialogische; und zudem geht es in der Passage um einen bestimmten Gegenstand, ein philosophisches oder theologisches Problem, das nicht ganz unwichtig ist.

Es sprechen Simmias, ein post-pythagoreischer Gelehrter aus Theben, und Sokrates selbst. Im Kontext geht es um die These des Sokrates, dass Lernen immer ein Erinnern sei - nebenbei be

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