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"Wir nennen es Wirklichkeit"

  • Erschienen: 28.05.2014
  • Verlag: Reclam Verlag
eBook (ePUB)
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"Wir nennen es Wirklichkeit"

Journalisten, Soziologen und Medienwissenschaftler diskutieren in diesem E-Book zentrale Fragen rund um das World Wide Web: von Social Media bis zum Urheberrecht, vom Leseverhalten im digitalen Zeitalter bis zur Persönlichkeitsbildung, vom Ende der Privatheit bis zur politischen Willensbildung im Netz - 23 Beiträge zu einem der brennenden Themen der Gegenwart, in der sich Menschen zuallererst durch ihren Mediengebrauch definieren, getreu dem beunruhigenden Slogan: "Ich bin meine Mausklicks!" (Norbert Bolz).

Produktinformationen

    Größe: 1133kBytes
    Herausgeber: Reclam Verlag
    Untertitel: Denkanstöße zur Netzkultur
    Sprache: Deutsch
    Seitenanzahl: 258
    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    ISBN: 9783159605494
    Erschienen: 28.05.2014
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"Wir nennen es Wirklichkeit"

Christian Heller

Post-Privacy – Vom Ende der Privatheit

"So, ab jetzt nie wieder Wodka. Habe mir grade meine ganze Seele aus dem Leib gekotzt." "Ich hasse meine Chefin. Ich wünschte, sie würde sterben oder zum Krüppel werden." "Endlich wird wieder gekifft!" Solche Sätze hinterlassen Menschen auf Facebook in Menge, nicht verhüllt, sondern unter ihrem bürgerlichen Namen – und für jedermann lesbar, auch für Leute ohne Facebook-Konto. Gesammelt werden sie auf www.weknowwhatyouredoing.com: "Wir wissen, was ihr tut." Hier wird angezeigt, was Facebook aus den Gesprächen seiner Nutzer als Antwort auf bestimmte Suchanfragen öffentlich herausgibt – wie etwa der nach allen Nachrichten, die gleichzeitig die Wörter "hate" ("hassen") und "boss" ("Chef") enthalten.

Nicht jede Äußerung auf Facebook ist so öffentlich. Es gibt Wege, den Informationsfluss so einzustellen, dass nicht die ganze Welt mitlesen darf. Oft bleiben diese Möglichkeiten aber ungenutzt – sei es aus Unwissenheit oder aus Gleichgültigkeit. Datenschützer warnen: Was an Informationen über uns im Netz kreist, kann uns gefährlich werden. Hier lesen nicht nur verständnisvolle Freunde mit, sondern vielleicht auch Stellen, die diese Informationen gegen uns verwenden – etwa Arbeitgeber oder der Staat. Trotzdem wird das Veröffentlichen des eigenen Lebens im Netz für immer mehr Menschen zum Alltag. Neben einer Milliarde Facebook-Nutzer gibt es beispielsweise noch Hunderte Millionen Nutzer des Dienstes Twitter, bei dem sich jeder Nutzer eigene Echtzeit-Nachrichtenticker über das Allerpersönlichste einrichten kann. Längst nicht jeder veröffentlicht bereitwillig Intimstes. Alles in allem teilen aber immer mehr Menschen immer mehr von ihrem Leben einem immer größeren Personenkreis mit, wird immer mehr privates Leben öffentlich – und zwar größtenteils freiwillig. Im Jahr 1999 antwortete Scott McNealy, CEO des amerikanischen IT-Unternehmens Sun, auf Ängste, die wachsende informationstechnische Erschließung der Welt schaffe Möglichkeiten allgegenwärtiger Überwachung, mit dem Satz: "Sie haben sowieso null Privatsphäre. Finden Sie sich damit ab!" 1 Zeitgleich erschien in den USA ein Buch des Autors David Brin, dessen Titel ins Deutsche übersetzt lautet: "Die Transparente Gesellschaft: Wird die Technologie uns zwingen, uns zwischen Privatsphäre und Freiheit zu entscheiden?" 2 Laut Brin lässt sich die Allgegenwart von Überwachungstechnologie nicht aufhalten. Die wichtigste Frage für die Zukunft lautet nicht, wie wir uns der Überwachung entziehen – sondern wie wir sicherstellen, dass ihre Macht in den Händen von uns allen statt in den Händen von nur wenigen Privilegierten liegt: Wer mich überwacht, den muss ich selbst überwachen können. Brin skizziert eine Gesellschaft, in der es weder Geheimnisse noch Geheimdienste gibt, in der alles für jeden transparent ist – und sich Macht- und Freiheitsverhältnisse dementsprechend neu ausbalancieren.

Ein gutes Jahrzehnt später scheinen sich die Vorhersagen zu bestätigen: Nahezu jeder Bereich unseres Lebens liegt im Einzugsbereich von Maschinen, die Daten sammeln, auswerten und weiterverbreiten. Wer diese Maschinen nicht selbst füttert, wird von Behörden, Unternehmen, Webseiten und Mitmenschen zur Not auch ohne sein Einverständnis erfasst, ausspioniert, entblößt. Wie Brin einforderte, geht die Überwachung dabei nicht nur von wenigen Machthabern aus, sonde

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