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Bedeutung und Funktion des Buches in literarischen Dystopien Exemplarisch anhand George Orwells Nineteen Eighty-Four von Richter, David (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 13.07.2015
  • Verlag: Mainzer Institut für Buchwissenschaft
eBook (PDF)
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Bedeutung und Funktion des Buches in literarischen Dystopien

David Richter stellt das Medium Buch und dessen gesellschaftlichen Stellenwert in den Mittelpunkt seiner Bachelorarbeit. Dabei nutzt er als Zugangsweise die literarische Dystopie, die aufgrund ihres appellierenden und extrapolierenden Charakters interessante Rückschlüsse auf ihre jeweilige Gegenwart zulässt. Exemplarisch analysiert er anhand George Orwells Nineteen Eighty-Four die zentrale Rolle des Informationsmediums Buch in der fiktionalen Welt des Romans, sowie der zeitgenössischen Welt des Autors. Entscheidende Funktionen werden mittels Aleida und Jan Assmanns Theorie des kulturellen Gedächtnisses aufgeschlüsselt. Die aufgezeigten Konsequenzen des Missbrauchs und der Monopolisierung - insbesondere für das Speichergedächtnis - verdeutlichen hierbei die Relevanz des Mediums Buch, auch oder gerade im 21. Jahrhundert. Diese Arbeit ist Teil der Reihe Initialen, in deren Rahmen herausragende Abschlussarbeiten der Mainzer Buchwissenschaft veröffentlicht werden.

David Richter, 1987 in Kaiserslautern geboren, studierte Buchwissenschaft und Latein an der Johannes Gutenberg-Universität in Mainz. Mit seiner Arbeit zur Bedeutung und Funktion des Buches in literarischen Dystopien schloss er 2015 mit einem Bachelor of Arts ab. Vor dem Studium arbeitete er in einem Jugendzentrum und sammelte in der Buchbranche durch kürzere Praktika erste Erfahrungen. Begleitend zu seinem Studium absolvierte er ein längeres Praktikum im Archiv und in der Bibliothek des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels in der Deutschen Nationalbibliothek in Frankfurt am Main. Seit 2015 studiert er in Mainz den Masterstudiengang Buchwissenschaft und vertieft sein praktisches Wissen in einem auf Archäologie, Kunst und Geschichte spezialisierten Mainzer Verlag.

Produktinformationen

    Format: PDF
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 51
    Erscheinungsdatum: 13.07.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783945883204
    Verlag: Mainzer Institut für Buchwissenschaft
    Größe: 342kBytes
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Bedeutung und Funktion des Buches in literarischen Dystopien

2Literarische Dystopien Nineteen Eighty-Four ist einer ganz bestimmten Gattung zuzurechnen, über deren Funktionen Aussagen über das Medium Buch in einem besonderen Licht erscheinen. Daher lohnt es, sich zuallererst diesem Genre zu nähern. Orwell selbst verortet Nineteen Eighty-Four in einem Brief vom Mai 1947 im Bereich der "fantasy, but in the form of a naturalistic novel."[16] In einem weiteren Brief, geschrieben im Februar 1949, bezeichnet er seinen Roman dann als Utopie,[17] wohl in der Tradition seiner literarischen Vorbilder Herbert George Wells When the Sleeper Wakes (1899), dem er 1940 einen Artikel widmete, und Evgenij Zamjatins Wir (1920), das er für eine Januar-Ausgabe der Tribune von 1946 rezensierte.[18] Nach einer Jahrzehnte zurückreichenden Kette der Gattungsdifferenzierung wird heutzutage Orwells Buch der Dystopie zugerechnet. Doch egal unter welchem Begriff, Nineteen Eighty-Four galt stets als "Paradigma"[19] jener Literaturform. Eine im deutschen Sprachraum erste Annäherung an eine von der Utopie unterschiedene Form unternahm Schulte Herbrüggen. Er setzte die Jahrhundertwende vom 19. ins 20. Jahrhundert als Grenzmarke eines Wandels von einem Fortschrittoptimismus hin zu einem Entwicklungspessimismus, der sich auch in der Literatur bemerkbar machte: "Die große Utopie welkt dahin und verkümmert; das 20. Jahrhundert führt eine neue Epoche herauf."[20] In dieser sah er die Anti-Utopie, wie er jene neue Form nannte, analog zur Utopie "mit den verlängerten Fluchtlinien der eigenen Gegenwart"[21] zeichnen, jedoch "vom Wunschtraum zum Alptraum"[22] gewandelt. Neben Jonathan Swift als Wegbereiter gelten heutzutage vier Autoren als Begründer dieser Ausformung: Fedor Dostoevskij, Herbert George Wells, Edward Morgan Forster und Evgenij Zamjatin. Dessen Roman Wir (1920) wird, ebenso wie Aldous Huxleys Brave New World (1932) und Orwells Nineteen Eighty-Four (1949), als klassischer Vertreter des Genres bezeichnet. Aus diesen Romanen lassen sich prinzipielle Themen und Motive, gerade in Gegenüberstellung zur Utopie, ableiten. So stehen einem Fortschrittsoptimismus ein -pessimismus, der Vernunft die Irrationalität, dem besseren der eingeschränkte und unterdrückte Mensch, der klaren die erzwungene hierarchische Ordnung, der säkularisierten die von einer Ersatzreligion abhängige Gesellschaft, einer Statik eine Stagnation, den Wächtern die Überwachung sowie einem idealen kollektivistischen Staat eine Betonung eines entindividualisierten Individuums ohne Privatsphäre - das erste Hauptthema - gegenüber. Weitere für die Utopie typische Konzepte werden in ihre Negativität verlängert, was sich insbesondere am Umgang mit der Vergangenheit zeigt. Die in der Utopie vorzufindende völlige Abkehr von jener aufgrund einer empfundenen Belastung, wird als bedrohlicher Verlust von Kultur, Tradition und Moral weitergedacht. Als zweites Hauptthema wird die Vergangenheit daher vielmehr als Bindeglied und Symbol betont, in die der Protagonist seine Hoffnungen gegen den vergangenheitstilgenden Staat setzt. Auch die als eher kulturfeindlich empfundene Haltung der Utopie findet im passiven Konsum und im fehlenden kritischen Nachdenken ihre Übersteigerung. Ein weiterer bewusst gebildeter Kontrast ist das Thema Natur. Steht ihr die Utopie häufig feindlich gegenüber, setzt die neue Form sie gerne in der Funktion als Fenster in eine bessere Welt ein. Einzig das dritte Hauptthema, die Sprache, findet kein Pendant. Allerdings erfüllt sie auch eher die Funktion eines Instruments, mit dessen Hilfe der Staat in der Lage ist, die beiden anderen Hauptthemen, also Entindividualisierung und Vergangenheitskontrolle, umzusetzen.[23] Jene sich also seit dem späten 19. Jahrhundert langsam herausformende "neue Spielart"[24] klassifizierte Schulte Herbrüggen als Unterart einer Großgattung Utopie von More bis Orwell, da er in ihr seine zuvor für die Utopie geltend gemachten drei Hauptprinzipien - Isolation, Selektion, Idealität[25] - i

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