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Der arbeitende Nutzer Über den Rohstoff des Überwachungskapitalismus von Voß, G. Günter (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 17.01.2020
  • Verlag: Campus Verlag
eBook (PDF)
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Der arbeitende Nutzer

Am Überwachungskapitalismus sind alle, die einen Computer, ein Smartphone oder andere digitale Geräte nutzen, beteiligt. Sie arbeiten unbewusst Big-Tech-Konzernen bei der Gewinnung, Aufbereitung, Verarbeitung und Lieferung eines neuen Rohstoffs zu, der aus den digitalen Anwendungen von Nutzerinnen und Nutzern in all ihren Lebensbereichen gewonnen wird. Im Rahmen ihrer alltäglichen Lebensführung agieren sie, wie dieses Buch in Auseinandersetzung mit der amerikanischen Ökonomin Shoshana Zuboff zeigt, in vielfältiger Weise als Hilfskräfte der Konzerne und haben dadurch als "arbeitende Nutzer" eine wichtige Funktion im Überwachungskapitalismus - ob sie wollen oder nicht.

G. Günter Voß ist emeritierter Professor für Industrie- und Techniksoziologie an der TU Chemnitz.

Produktinformationen

    Format: PDF
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 174
    Erscheinungsdatum: 17.01.2020
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783593444369
    Verlag: Campus Verlag
    Größe: 7518 kBytes
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Der arbeitende Nutzer

Vorwort Der von mir hier vorgelegte Text hat eine Vorgeschichte. Noch vor dem offiziellen Erscheinungstermin drückte man mir in meiner Buchhandlung Anfang 2018 die soeben gelieferte Studie von Shoshana Zuboff zum "Überwachungskapitalismus" in die Hand. Ich hatte das Buch erst einige Tage zuvor bestellt und war erstaunt, es so schnell zu bekommen. Wieder zu Hause setzte ich mich auf mein Lesesofa, um einen ersten Blick in das erschreckend dicke Konvolut zu werfen ... und hörte für fast eine Woche nicht mehr auf zu lesen. Als ich davon auf Twitter berichtete, erhielt ich erstaunte Reaktionen von Kollegen aus den USA, die mit einer englischsprachigen Ausgabe erst Anfang 2019 (und damit ein Jahr später) gerechnet hatten. Über die Gründe für diese interessante Publikationsstrategie kann man nur mutmaßen (ich habe dazu einige Ideen ...). Der Bitte, ?schon mal? über den Inhalt zu berichten, kam ich gerne nach - in dem Umfang, den Twitter ermöglicht. Es war sicherlich auch das winterliche Wetter, das davon abhielt, mein Sofa zu verlassen. Aber mehr noch war es meine Faszination. So ein Buch hatte ich schon lange nicht mehr in Händen gehalten. Es dauerte den einen oder anderen Tag, bis ich mich eingelesen hatte und begriff, welchen Reim ich mir auf die Studie machen sollte. Neben den 727 Seiten war es vor allem der weitreichende kapitalismusanalytische Rahmen, mit Bezügen zu vielen großen Geistern, die man als Arbeitssoziologe gerne zitiert, der mich staunen ließ. Erste spärliche Medienreaktionen in Deutschland halfen mir nicht wirklich weiter. Immerhin konnte ich Frau Zuboff in der ARD (titel thesen temperamente) kurz sehen und hören. Ich vernahm dort nun auch Zuboffs selbstbewussten Hinweis, dass man ihr Buch schon ganz gelesen haben müsse, um sie zu verstehen - womit sie völlig Recht hat. Es war dann aber weniger die sympathische Erscheinung der Professorin aus Harvard, die mich trotz aller Lesemühe bei der Stange hielt. Was mich fesselte, war vor allem der sozioökonomische Fokus mit einer ohne Zweifel ?steilen? These. Trotz aller Faszination war ich nach der Lektüre auch irritiert und fast ein wenig deprimiert. Das Buch erinnerte an eigene aktuelle Überlegungen, etwa zu neuen "robotisierten" Technologien. Am meisten irritierte aber, dass da nun jemand höchst umfangreich und kompetent eine Entwicklung beschrieb, über die ich einige Jahre zuvor zusammen mit Kerstin Rieder nachgedacht hatte: Die Integration von Konsumenten in betriebliche Produktionsprozesse. (Vgl. Voß/Rieder 2015) Zuboff hatte diesen Trend nun mit der neuesten technologischen Entwicklung in Verbindung gebracht, was uns damals so noch nicht möglich war. In Telefonaten wurde Kerstin Rieder und mir aber bewusst, dass uns eine andere Perspektive geleitet hatte. Es ging uns - und geht uns weiterhin - mit der These des "arbeitenden Kunden" um die Frage, welche aktive Rolle Betroffene auf ihrer persönlichen Ebene im Rahmen neuartiger kapitalistischer Strategien genau spielen - und dazu war in der Studie von Zuboff nichts zu finden. Kerstin Rieder und mir war klar, dass man da "was machen müsse". Die Idee eines gemeinsamen Papers scheiterte leider daran, dass Kerstin Rieder in zahlreiche andere Aufgaben eingebunden war und sich daher keine Möglichkeit fand, schnell gemeinsam aktiv zu werden. Dass auch ich nicht wirklich über üppige Zeitressourcen verfügte, lag unter anderem an der Herausgabe eines neuen Buchs zur Lebensführungsforschung, an dem ich mit Kolleginnen und einem Kollegen arbeitete. Da ich schon vage angekündigt hatte, dazu eventuell einen Beitrag zu verfassen, geriet ich nun in die Versuchung, einen Text zur Studie von Zuboff zu schreiben. Ohne meine Kolleginnen und meinen Kollegen einzuweihen, nahm ich mir vor, Derartiges zu versuchen ... und konnte mich lange Zeit nicht aufraffen, auch weil mir klar war, dass das inhaltlich nicht einfach werden würde. Erst als die Mitherausgeber ungeduldig wurden, gab ich mir einen Ruck ... u

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