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Wahrheit Was wir dafür halten und wie wir damit umgehen von Macdonald, Hector (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 30.11.2018
  • Verlag: dtv Deutscher Taschenbuch Verlag
eBook (ePUB)
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Wahrheit

Eine L ge ist eine L ge. Aber was ist die Wahrheit? Die Wahrheit steht unter Beschuss, ihr Wert scheint zu schwinden. Wir werden mit den unterschiedlichsten, konkurrierenden Informationen überflutet. Die Hauptquelle dafür ist das Internet. Es macht Weltwissen für alle zugänglich. Es forciert die Verbreitung von Fehlinformationen und Hass. Beides ist wahr, und zwar gleichzeitig. Und wie gehen wir selbst mit der Wahrheit um? Schon das so geschätzte Storytelling ist eine Methode, die Wahrheit kräftig zu manipulieren. Eine gute Story ist immer hoch selektiv. Zahlreiche faszinierende Beispiele aus der gesamten Lebenswelt und im persönlichen Alltag zeigen, wie Tatsachen gedreht und gewendet werden und unser Weltbild prägen. Die Lektüre ernüchtert und ermutigt: zu einer besseren Navigation in der Welt der Wahrheiten. Hector Macdonald hat Biologie und Wirtschaftswissenschaften studiert und arbeitet seit vielen Jahren als Unternehmensberater f r gro e internationale Firmen. Seine Spezialit?t: strategische Kommunikation und Storytelling. Er wei also, wovon er redet.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 304
    Erscheinungsdatum: 30.11.2018
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783423434416
    Verlag: dtv Deutscher Taschenbuch Verlag
    Originaltitel: The Truth. A User's Guide
    Größe: 1570 kBytes
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Wahrheit

Einleitung:
Wenn Wahrheiten aufeinanderprallen

Es gibt keine schlimmere Lüge
als eine missverstandene Wahrheit.

William James, The Value of Saintliness
Das Anden-Dilemma

Für Vegetarier und Zöliakier war die Entdeckung der Quinoa eine Art Wunder. Hier war sie, eine glutenfreie Saat, reich an Magnesium und Eisen, die mehr Eiweiß enthielt als jedes Getreide, dazu alle lebensnotwendigen Aminosäuren, die unser Körper selbst nicht herstellen kann. Die NASA erklärte Quinoa zu einem der am perfektesten ausbalancierten Nahrungsmittel der Welt und befand es als ideal geeignet für Astronauten. "Quinoa schmeckt köstlich, hat eine zufriedenstellende, 'quicklebendige' Textur und ist eines der gesündesten Lebensmittel überhaupt", begeisterte sich 2007 der israelisch-britische Starkoch Yotam Ottolenghi. 1 Angebaut in den Anden, hatte Quinoa eine Geschichte zu bieten, die westliche Verbraucher in ihren Bann schlug: Den Inkas war diese Pflanze so wertvoll, dass sie sie als heiliges Gut betrachteten und die "Mutter allen Getreides" nannten; ihre Herrscher säten die ersten Samen der Saison mithilfe goldener Werkzeuge aus. Sogar die Vereinten Nationen feierten das sogenannte Superfood, indem sie das Jahr 2013 zum "Internationalen Jahr der Quinoa" ausriefen.

Doch auf die Fans der Körnerfrucht wartete alsbald eine verstörende Enthüllung. Zwischen 2006 und 2013 hatten sich in Bolivien und Peru die Preise für Quinoa verdreifacht. Der Preisanstieg wurde zunächst begrüßt, weil sich dadurch der Lebensstandard der armen Bauern in den Anden verbesserte. Dann jedoch verbreiteten sich Gerüchte, die Menschen dort könnten sich wegen der unstillbaren Nachfrage aus Nordamerika und Europa ihr traditionelles Nahrungsmittel nicht mehr leisten. Im Jahr 2011 warnte der 'Independent', der Quinoa-Verbrauch in Bolivien "[ist] im Verlauf von fünf Jahren um 34 Prozent eingebrochen, und einheimische Familien sind nicht mehr in der Lage, sich ein Grundnahrungsmittel zu leisten, das zum Luxusgut geworden ist". 2 Die 'New York Times' zitierte Studien, die zeigten, dass "Mangelernährung bei Kindern in den Quinoa-Anbaugebieten auf dem Vormarsch" sei. 3 Der 'Guardian' setzte 2013 mit einer provokativen Schlagzeile noch eins drauf: "Können Veganer die ungenießbare Wahrheit über Quinoa verdauen?" Es sei inzwischen, so berichtete die britische Tageszeitung, für die armen Peruaner und Bolivianer billiger, "importiertes Junkfood" zu essen. 4 Und der 'Independent' titelte 2013: "Quinoa: Gut für Sie - schlecht für die Menschen in Bolivien". 5

Die Story fand ein weltweites Echo und stürzte gesundheitsbewusste Verbraucher in eine Bewusstseinskrise. "Je lieber du Quinoa magst, desto mehr leiden die Menschen in Peru und Bolivien", so die Behauptung einer Schlagzeile in der kanadischen 'Globe and Mail'. 6 In sozialen Medien, Blogs für Veganer und Foren für gesunde Ernährung tauchte die Frage auf, ob es eigentlich noch in Ordnung sei, die Wundersaat aus den Anden zu essen. "Ich werde kein Quinoa mehr essen", erklärte eine Frau.

Hier geht es ums Prinzip [...] Die Menschen, für die Quinoa seit unzähligen Generationen ein Grundnahrungsmittel ist, können es sich nicht mehr leisten, weil Leute wie ich eine derart hohe Nachfrage erzeugt und damit den Preis in die Höhe getrieben haben [...] Wir werden ohne Quinoa weiterleben. Ich werde ohne Quinoa weiterleben. 7

Die Vorstellung, dass die Menschen in Peru und Bolivien wegen der durch die globale Nachfrage in die Höhen gestiegenen Quinoa-Preise ins Hintertreffen geraten seien, war glaubhaft und wurde weithin akzeptiert. Den Wirtschaftswissenschaftlern Marc Bellemare, Seth Gitter und Johanna Fajardo-Gonzalez allerdings kam sie suspekt vor. Schließlich floss jetzt dank des Handels mit Quinoa eine ganze Menge ausländischen Geldes nach Bolivien und Peru und landete z

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