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Der Televisionär Wolfgang Menges transmediales Werk. Kritische und dokumentarische Perspektiven

  • Erscheinungsdatum: 30.09.2016
  • Verlag: FUEGO
eBook (ePUB)
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Der Televisionär

Wolfgang Menge (1924-2012) war einer der wichtigsten Drehbuchautoren der bundesdeutschen Nachkriegszeit. Fernsehspiele wie "Die Dubrow-Krise", "Das Millionenspiel" oder "Smog" schrieben TV-Geschichte, Serien wie "Stahlnetz", "Ein Herz und eine Seele" oder "Motzki" begeisterten und provozierten ein Millionenpublikum. Als Talkshow-Gastgeber wurde Menge zu einem der prominentesten Köpfe des Fernsehens - als Verfasser von Hörspielen, Theaterstücken und Kinofilmen, Romanen und Sachbüchern erprobte er transmediales Schreiben.
Dieser Band verbindet kritische mit dokumentarischen Perspektiven und versammelt Analysen seines Werks, Zeugnisse von Weggefährten sowie historische Schlüsseltexte über und von Wolfgang Menge.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 776
    Erscheinungsdatum: 30.09.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783862871971
    Verlag: FUEGO
    Größe: 17024 kBytes
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Der Televisionär

II Im Fernsehen der 1950er und 1960er Jahre: Verbrechen und Politik

Als Wolfgang Menge Ende der 1950er Jahre vom Print- und Radio-Journalisten zum Drehbuchautor wurde, war der Tonfilm gerade ein Vierteljahrhundert alt und damit so jung wie gegenwärtig das WWW oder hyperrealistisch anmutende digitale Spiele. Das Fernsehen als reguläres Produktions- und Di stri bu tions system für audiovisuelle Inhalte war jedoch, zumindest in Deutschland, noch jünger - jünger gar als YouTube heute.

1 Zur Geschichte der Television: Anfänge

Die Implementierung des Fernsehens als Massenmedium erstreckte sich über ein gutes halbes Jahrhundert. Experimentelle und semi-reguläre Übertragungen von Bild und Ton begannen in den USA 1928, in Großbritannien 1929 und in Deutschland 1935. 1 Während des Zweiten Weltkriegs wurden nahezu alle TV-Experimente zugunsten der Kriegsanstrengungen unterbrochen. 2 Ein regulärer Sendebetrieb setzte dann in der Bundesrepublik wie in der DDR Ende 1952 ein. Damit mündete die Television, die bis dahin primär ein technisches Experiment gewesen war, in ein ungemein erfolgreiches soziales Experiment.

Als mediales Dispositiv war analoges Fernsehen technisch um die Kathodenröhre in Kameras und Empfangsgeräten zentriert: In der Regel wurden analoge Röhrenkameras vor realem Geschehen platziert, ob dieses nun wie Fußballspiele oder Parlamentsdebatten ohnehin stattfand oder wie TV-Shows oder Sitcoms eigens für die geplante Übertragung inszeniert wurde. Der Zeitpunkt dieser Versendung mittels modulierter elektromagnetischer Wellen für potentiell massenhaften Empfang (Rundfunk beziehungsweise broadcast ) wurde rechtzeitig als Teil des 'Programms' annonciert, so dass sich die interessierten Teile des Massenpublikums vor den ebenfalls mit einer Kathodenröhre bestückten Empfangsgeräten einfinden konnten. Die Ankündigung geschah über populäre Printmedien, vor allem in der Tagespresse sowie über spezielle Rundfunk- und Fernsehzeitschriften. Die audiovisuellen Inhalte wurden dann im Augenblick ihres Geschehens beziehungsweise ihrer Aufnahme versendet und waren innerhalb des Sendegebiets - der Reichweite der Rundfunk-Übertragung - frei, d.h. technisch unverschlüsselt zu empfangen. Das Fernsehen der frühen Jahre erlaubte so Individuen, vom eigenen Wohnzimmer aus in Bild und Ton an Ereignissen in Echtzeit zu partizipieren, wie es zuvor nur über eine persönliche Präsenz kollektiv in öffentlichen Räumen wie Theatern, Kinos, Stadien möglich gewesen war. Eine direkte Aufzeichnung des Gesendeten war zunächst weder für Sender noch Empfänger möglich. 3 Auch ein Rückkanal existierte nicht. 4

Gesellschaftlich eingebunden war das Fernsehen von Anfang an in juristische und ökonomische Strukturen, die wesentlich auf denen basierten, die sich im Kontext des älteren Rundfunk-Mediums Radio entwickelt hatten. Dementsprechend differierte die gesellschaftliche Organisation und kulturelle Orientierung sehr stark zwischen den Nationen und politischen Systemen. Zu unterscheiden sind in den ersten Jahrzehnten der Television vor allem drei grundsätzliche Strukturierungen:

die Nutzung unter direkter staatlicher Kontrolle und Finanzierung primär zu Propaganda- und Unterhaltungszwecken in nicht-demokratisch verfassten Gesellschaften; insbesondere in den Ländern des kommunistischen Ostblocks;
die kommerzielle, gewinnorientierte Nutzung primär zu Unterhaltungszwecken innerhalb demokratisch legitimierter technischer wie kultureller Regulierung, finanziert über Werbung; insbesondere in den USA;
die öffentlich-rechtliche Nutzung ( public service ) primär zu Zwecken politisch und wirtschaftlich möglichst unabhängiger Information und Unterhaltung innerhalb demokratisch legitimierter technischer wie kultureller Regulierung,

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