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Digitale Depression Wie die neuen Medien unser Glücksempfinden verändern von Diefenbach, Sarah (eBook)

  • Verlag: mvg Verlag
eBook (ePUB)
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Digitale Depression

Ein wunderschöner Strand im Abendlicht, die Sonne verschwindet am Horizont. Ein ganz besonderer Moment, den man genießen sollte, im Hier und Jetzt. Doch immer mehr Menschen zerstören solche unmittelbaren Glücksmomente, indem sie ihr Smartphone zücken, um das perfekte Foto zu schießen - während der magische Augenblick vorbeizieht. Anschließend wird das Foto in den sozialen Medien gepostet. Das Ziel: möglichst viele Likes und damit Selbstbestätigung zu bekommen. Wer hingegen zu Hause auf dem Sofa sitzt und die vielen tollen Urlaubsfotos, ausgefallenen Essen und sportlichen Erfolge seiner Kontakte verfolgt, fragt sich, wieso das eigene Leben so viel langweiliger ist als das der anderen. Beim Versuch, das Glück zu intensivieren (zu tracken, zu posten, zu teilen), verlernen wir, es direkt zu erleben. Eine Reise in das Seelenleben der Generation Smartphone. Sarah Diefenbach ist Professorin an der LMU München, studiert hat sie Psychologie mit Nebenfach Informatik. Sie forscht auf dem Gebiet Mensch-Technik-Interaktion und untersucht hier insbesondere positive Emotionen und die Schwierigkeit, das zu wählen, was uns glücklich macht (Hedonic Dilemma). Daniel Ullrich ist Post-Doc am Lehrstuhl für Medieninformatik der LMU München. Er promovierte zum Thema intuitive Interaktion mit technischen Produkten. Seine Forschungsschwerpunkte sind Nutzererleben und positive Erlebnisse mit Technik, insbesondere mit intelligenten Systemen und Robotern.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 240
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783864159251
    Verlag: mvg Verlag
    Größe: 11495 kBytes
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Digitale Depression

Technik verdrängt das direkte Glück - Wenn wir zwischen digitaler Dokumentation und virtueller Bereicherung den Moment verpassen

Auf die Überfahrt nach La Gomera hatte ich mich schon gefreut. Habe mir gleich einen Platz auf dem Außendeck gesichert, um das vorbeiziehende Meer genießen zu können - und vielleicht Delfine zu sehen. Delfine sind meine Lieblingstiere. Ich weiß alles über Delfine. Aber einen Delfin live in freier Wildbahn beobachten zu können, ist natürlich etwas ganz Besonderes. Und ich habe Glück: Tatsächlich tauchen am Horizont die charakteristischen Rückenflossen auf, sogar ein Delfin-Baby ist dabei. Für mich das Highlight des Tages, ich bin glücklich. Doch das Glück währt nicht lange, plötzlich herrscht helle Aufregung. Eine Menschentraube stürzt an die Reling, ich werde gegen die Metallstange gequetscht. Hektisch werden die Kameras gezückt. Ohne Rücksicht auf Verluste versperrt man dem Nachbar mit der eigenen Kamera die Sicht. Jeder will das perfekte Foto, das den Delfin beim Sprung zeigt. Keiner hat es am Ende (Delfine sind schnell und unberechenbar). Keiner sieht den Delfin mehr wirklich springen.

Bootsüberfahrt nach La Gomera

Ein Delfin, ein Delfin!

A uf der Insel angekommen, geht die Foto-Rallye weiter. Von San Sebastian fahren wir Richtung Westen ins Valle Gran Rey, auf dem Weg durch die Berge gibt es zahlreiche Aussichtspunkte mit wirklich beeindruckender Natur. Ja, ein bis zwei Fotos machen wir auch, aber wir beschließen dann schnell, uns damit nicht lange aufzuhalten. Die Weite der Landschaft und das herrliche Panorama lassen sich mit der Handycam sowieso nicht erfassen. Lieber den Moment aufsaugen, die Sonne auf der Haut spüren, den Ausblick genießen. Ist das schön.

Diese Zeit scheinen viele Leute nicht zu haben. Es ist an jedem Spot das Gleiche, plötzlich strömen die Horden auf uns zu und genauso schnell, wie sie gekommen sind, sind sie auch wieder weg. Keiner nimmt sich einen Moment, um wirklich zu erfassen, was er vor sich hat. Die Scharen kommen und machen ihr Foto, Aufgabe absolviert. Die Aussicht mit den uns eigenen Wahrnehmungsorganen aufzunehmen, scheint außer Mode zu sein.

Foto-Rallye auf La Gomera

Altertümliche Form der Aufnahme der Aussicht

Ein kleines Gedankenexperiment: Wie würde sich das Erlebnis verändern, wenn die Reisegruppe kollektiv ihre Kameras zu Hause vergessen hätte? Würde man versuchen, das Bild im Gedächtnis statt als Foto zu speichern? Oder wenn die Gruppe noch mit Analogkameras und einer begrenzten Zahl von Filmen für den Urlaub ausgestattet wäre? Würde man dann bewusster wahrnehmen und gezielter entscheiden, ob das jetzt ein ganz besonderer Anblick ist, den ich versuche, auf Film zu bannen? Könnte dieses Foto dann später die Erinnerung an den besonderen Moment wachrufen? Könnte das Foto vielleicht sogar den "wahren Ausblick" vor dem inneren Auge entstehen lassen, mehr Erinnerungen abrufen, als das Foto zeigt?

Der heutige inflationäre Einsatz der Digitalfotografie macht die Verknüpfung von außergewöhnlichen Erinnerungen mit Fotos immer schwerer: Oder wer hat zu jedem der tausend Fotos pro Urlaubstag noch eine genaue Erinnerung und die tatsächliche Szenerie vor Augen? Dazu müsste man den Moment ja auch erst einmal bewusst wahrgenommen haben, wozu es mit Kamera-Linse vor den Augen oftmals nicht mehr kommt.

Es wird mehr fotografiert, als man bewusst erlebt hat. Bevor man sich so richtig dafür entschieden hat, ist der Auslöser schon gedrückt. Ist aber auch nicht so schlimm, würde manch einer erwidern: Ich kann es mir ja am Abend dann auf meiner Handy-Kamera ansehen. Während der abendlichen Bildershow vor Freunden erlebe auch ich erst wirklich, was ich heute so alles erlebt habe.

Dieses Phänomen ist natürlich nicht nur dem Urlaub vorbehalten, sondern an allen Orten zu beobachten, an denen es etwas zu sehen und damit auch zu fotografieren gibt. Live kann m

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