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Medien - Politik - Geschlecht Feministische Befunde zur politischen Kommunikationsforschung

  • Erscheinungsdatum: 26.09.2008
  • Verlag: VS Verlag für Sozialwissenschaften (GWV)
eBook (PDF)
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Medien - Politik - Geschlecht

Spätestens mit der ersten deutschen Bundeskanzlerin ist Geschlecht in der politischen Kommunikationskultur eine relevante Größe geworden. Mit diesem Band werden erstmals medienwissenschaftliche, politikwissenschaftliche und feministische Theorie- und Forschungsfelder interdisziplinär zusammengeführt. Dr. Johanna Dorer ist Assistenzprofessorin am Institut für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft der Universität Wien. Dr. Brigitte Geiger ist Universitäts-Lektorin an den Universitäten Wien, Salzburg und Klagenfurt sowie Mitbegründerin des Frauenarchivs Stichwort in Wien. Dr. Regina Köpl ist Assistenzprofessorin am Institut für Politikwissenschaft der Universität Wien.

Produktinformationen

    Format: PDF
    Kopierschutz: AdobeDRM
    Seitenzahl: 287
    Erscheinungsdatum: 26.09.2008
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783531910963
    Verlag: VS Verlag für Sozialwissenschaften (GWV)
    Größe: 1697 kBytes
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Medien - Politik - Geschlecht

Geschlechterdarstellung in den Nachrichten: Monitoring, Quoten und Befunde (S. 66-67)

Birgit Wolf

Ob Realität oder Fiktion, medial vermittelte Inhalte sind Teil einer Wirklichkeitskonstruktion. Für die Nachrichtenberichterstattung werden Informationen selektiert, strukturiert und in Interpretationsrahmen eingebettet (vgl. Hall 1989: 135). Das gilt auch für die Bedeutungszuweisungen entlang des Geschlechterdualismus von Medien und Medienhandelnden durch Codierungsprozesse in der Nachrichtenpraxis. Medien haben demnach eine machtvolle und wirkmächtige Position inne, sie können bestehende Stereotypisierungen und Verhältnisse von Diskriminierung bzw. Marginalisierung unterschiedlicher Genus-Gruppen, Klassen, Ethnizitäten etc. zementieren oder aufbrechen. Medien sind demnach als Akteurinnen am Prozess des doing gender beteiligt. Auf diese Bedeutung der Medien für die Darstellung von Geschlecht und ihre Beteiligung an der Geschlechterkonstruktion im Journalismus und in der medialen Berichterstattung weist seit den 1970er Jahren die neue Frauenbewegung hin.

Parallel dazu finden sich seit damals zahlreiche empirische Belege für die Unterrepräsentation, Marginalisierung und Diskriminierung von Frauen in der Medienberichterstattung.2 Die internationale Community der zweiten Frauenbewegung hält anlässlich der 4.Weltfrauenkonferenz 1995 in Beijing die Wichtigkeit eines Media-Monitoring auf Basis der Geschlechterperspektive fest und widmet dem Thema ,Frauen und Medien' ein eigenes Kapitel. Als Ziel wird die ausgewogene und nichtstereotype Darstellung von Frauen in den Medien formuliert (vgl. Konrad 1996: 35). Regierungen werden aufgefordert, entsprechende Maßnahmen zu setzen, die insbesondere die Integration der Geschlechterperspektive in die Medienpolitik betreffen sowie die Medien selbst, damit diese die Anzahl der Beiträge über und von Frauen erhöhen und die Anliegen der Frauen adäquat berücksichtigen (vgl. Konrad 1996: 35).

In diesem Kontext wurde 1995 das erste Global Media Monitoring Project (GMMP) durchgeführt, bei dem an einem Stichtag die quantitative Repräsentation von Frauen und Männern als Nachrichtensubjekte in 71 Ländern erhoben wurde. Die Studie ergibt für Radio-, Fernseh- und Printnachrichten insgesamt einen Frauenanteil von 17% (vgl. Gallagher 2005: 10, 16). Wie nachfolgende empirische Studien sowohl national als auch international zeigen, muss weiterhin eine männerdominierte und Frauen marginalisierende Repräsentation in Nachrichten als Medien- und Redaktionspraxis konstatiert werden.

Der Frauenanteil in der Nachrichtenberichterstattung liegt seit Jahren bei etwa einem Fünftel. Das heißt, die Geschlechtercodierungen wirken im Sinne der Aufrechterhaltung und Reproduktion von Geschlechterungleichheit und Diskriminierung. Die Schwierigkeit des Aufspürens der Wirkmechanismen erklärt Dorer (2002: 157 f.) mit der "doppelte[n] Bedeutung von Diskriminierung - als Effekt und als Prozess" eines doing gender. Im Folgenden wird zuerst ein Überblick zu den internationalen Media-Monitoring-Ergebnissen dargestellt, anschließend richtet sich der Blick auf die Befunde der kommunikationswissenschaftlichen Geschlechterforschung aus dem deutschen Sprachraum mit Fokus auf die Bundesrepublik Deutschland, da hierfür umfassendere Ergebnisse vorliegen.

1 Internationale Media-Monitoring-Befunde

Das Global Media Monitoring Project (GMMP)4 untersucht anhand eines weltweiten Medien-Monitoring quantitative und qualitative Aspekte der Darstellung von Frauen in den Hauptnachrichten und gilt derzeit als das umfassendste weltweite Forschungsvorhaben, das zur Analyse medialer Geschlechterrepräsentationen jemals in Angriff genommen wurde.5 Bisher erfolgten drei international angelegte Untersuchungen in den Jahren 1995, 2000 und 2005. Ziel des Projekts ist die langfristige und kontinuierliche Beobachtung der Geschlechterrepräsentation in den Ma

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