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Weltweite Welten Internet-Figurationen aus wissenssoziologischer Perspektive

  • Erscheinungsdatum: 24.07.2008
  • Verlag: VS Verlag für Sozialwissenschaften (GWV)
eBook (PDF)
40,00 €
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Weltweite Welten

Auf allen Ebenen (kulturell, ökonomisch, politisch u.s.w.) verbindet sich mit der Entwicklung des Internets ein bedeutsamer Wandel von Handlungs- und Erfahrungsbedingungen. Im Zuge der 'Online-Vergesellschaftung' (Jäckel/Mai) ändern sich Voraussetzungen, Potentiale, Zwänge und Probleme der Wirklichkeitskonstruktion grundlegend und systematisch.
Der Band versammelt Untersuchungen, die diesem Wandel mit wissenssoziologischen Mitteln nachgehen. Privilegiert wird eine Perspektive, die alle relevanten sozialen Ordnungsebenen einschließt (Interaktion, Feld/Subsystem, Gesellschaft), ein Netzwerkkonzept beinhaltet, den Akteur fokussiert und historisch-differenzierungstheoretisch ausgerichtet ist.

Dr. Herbert Willems ist Professor für Soziologie an der Universität Gießen.

Produktinformationen

    Format: PDF
    Kopierschutz: AdobeDRM
    Seitenzahl: 382
    Erscheinungsdatum: 24.07.2008
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783531910338
    Verlag: VS Verlag für Sozialwissenschaften (GWV)
    Größe: 4264 kBytes
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Weltweite Welten

Professionalisierungs- und Inszenierungs- strategien in der beruflichen Netzkommunikation (S. 223-224)

Michaela Goll

1. Einleitung

Anhand empirischer Daten wird im folgenden gezeigt, wie die Praxis eines durch neue Kommunikationsmedien geprägten Arbeitsalltags aussieht. Grundlage der vorliegenden Untersuchung ist eine Fallstudie zu einem vernetzten Unternehmen. Es handelt sich dabei um eine Beratungsgesellschaft mit 2 Mitarbeitern, die Großunternehmen im Bereich IT-Strategien und Technologien berät.2 Die zu verrichtenden Aufgaben - vorwiegend individuelle Arbeiten am Computer und Beratungstätigkeiten für Kunden - ermöglichen und erfordern Arbeit an verschiedenen Orten und zu flexiblen Arbeitszeiten. Die Gelegenheit zur Erhebung der Daten bot sich durch eine 5monatige Arbeitstätigkeit im untersuchten Unternehmen.

Da sich der größte Teil der Arbeit in dem vernetzten Unternehmen am Computerbildschirm abspielt, besteht das Datenmaterial primär aus schriftsprachlich konstituierten Texten (E-Mails, HTMLSeiten und Bildschirmmitschnitte). Ergänzt wird dieses durch Video-Aufzeichnungen der Arbeit von Firmenmitgliedern am Computerbildschirm sowie durch Feldnotizen, in denen vor allem über die Face-to-face-Interaktionen berichtet wird. Die Studie verbindet damit den ethnographischen mit dem registrierenden Zugang und kann so den erforderlichen Kontext mit einbeziehen.

Wie das soziale Feld der Arbeit mit seinen spezifischen Konditionen den Gebrauch der elektronischen Medien bestimmt, zeigt sich an der Professionalisierung der betrieblichen Netzkommunikation durch (a) den gezielten Umgang mit den durch die Kommunikation erzeugten (Wissens-)Inhalten, (b) die funktionale Integration der verschiedenen Medien, (c) die verschiedenen Formen der Inszenierung der virtuellen Tätigkeiten bzw. der virtuell erzeugten Arbeitswelt und (d) die an die Bedingungen der Netzwelt angepassten Pflege der Arbeitsbeziehungen bzw. der ritualisierten Beziehungsarbeiten. Diverse individuelle wie auch zentrale Lösungsmuster kommen dabei zum Tragen, so dass nicht nur ein gesicherter, sondern auch schneller Zugang zu den Daten möglich ist. Deutlich wird dabei, dass es nicht nur Medien und Praktiken für die Bewältigung der Wissensverteilung, sondern auch für die Vermeidung eines "information overflow" bedarf.

Verschiedene Inszenierungsstrategien ermöglichen zudem die Herstellung einer virtuellen Präsenz sowohl für den einzelnen Mitarbeiter, der sich und seine Arbeit damit sichtbar machen kann, als auch für das Unternehmen, dessen "face" durch die mediale Bündelung im Internet und Intranet erst hergestellt wird. Auch in der informellen Netzkommunikation lassen sich Professionalisierungsstrategien finden, die auf den (neuen) Kontext des medial vermittelten Arbeitens bezug nehmen. So wird die Beziehungsarbeit in dem beobachteten Unternehmen gezielt organisiert. Die Verwendung von Ironie und Humor im Arbeitsalltag, mit denen nicht nur Rollendistanz markiert werden kann, werden hier als Kennzeichen der Zugehörigkeit zu professionalisierten Gruppen aufgefasst. 2. Der gezielte Umgang mit den netzbasierten Kommunikationsinhalten

Das im beobachteten Unternehmen praktizierte Wissensmanagement sieht vor, dass alle Mitarbeiter jederzeit und von jedem Ort auf ihren Arbeitsgegenstand zurückgreifen können. Da die räumliche Verteilung sowohl eine kontinuierliche Einsicht in zentral am Firmensitz gelagerte Akten als auch den Zugang zu Informationen, die bei den einzelnen Mitarbeitern liegen, erschwert, wurde die papierbasierte Aktenführung zugunsten der elektronischen Form aufgegeben.

Das bedeutet natürlich nicht, dass das "papierlose Büro" praktiziert werden würde: Viele Mitarbeiter machen sich während ihrer Arbeit Notizen, drucken Dokumente aus, um sie besser rezipieren zu können oder greifen bei Meetings zu Visualisierungen. Um Informationen untereinander aust

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