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Wrestling als Sports Entertainment Ein intermediales Spektakel der (athletischen) Narration von Schubert, Stefan (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 10.12.2014
  • Verlag: Tectum Wissenschaftsverlag
eBook (ePUB)
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Wrestling als Sports Entertainment

Die Gattung Professional Wrestling gilt als ein medial inszeniertes Spektakel, welches athletische Artistik mit dramatischen Formen verbindet. Die Akteure stehen sich dabei auf allegorische Weise meist in einer gespielten Auseinandersetzung als 'Gut' und 'Böse' gegenüber. Von Kritikern wird dieser theatrale Inszenierungscharakter häufig aufgegriffen. Er dient ihnen als Untermauerung für die These, dass Wrestling kein richtiger Sport sei. Die Fragen, die sich hierbei jedoch stellen, sind: Will Professional Wrestling überhaupt ein richtiger Sport sein und sieht sich die Wrestlingindustrie in ihrem Selbstverständnis nicht eher als eine Form der Unterhaltung, gestützt durch athletische Darbietungen? Betrachtet man die Geschichte der Gattung Professional Wrestling, ist dieser Diskurs durchaus berechtigt. So ist innerhalb der gegenwärtigen Wrestlingbranche inzwischen vom Sports Entertainment die Rede, einem Begriff also, der bereits auf die schauhaften Fernsehspektakel der modernen Wrestlingindustrie verweist. Wrestling ist somit eine ebensolche theatrale Zurschaustellung von Schmerzen und Emotionen, wie man sie auf kunstfertige Weise auch aus der Welt des Dramas kennt - oder um es mit den Worten von Roland Barthes zu sagen: 'Was dem Publikum somit geboten wird, ist das große Spektakel von Schmerz, Niederlage und Gerechtigkeit.' In der Gegenwart des 21. Jahrhunderts präsentiert sich die Gattung Wrestling offen als Unterhaltungsform mit Schaucharakter. Dies war zu großen Teilen des 20. Jahrhunderts jedoch keinesfalls selbstverständlich. Stefan Schubert beschäftigt sich mit den medialen Inszenierungstechniken der Gattung, mit deren Hilfe sie ihr ganz spezielles Narrativ an den Grenzen zwischen Realität und Fiktion entfalten konnte - angefangen bei den Ringertraditionen der Antike, bis hin zum modernen Medienspektakel. Stefan Schubert, geb. 1982, Studium der Literatur- und Geschichtswissenschaften an der Universität Erfurt, gefolgt von einem Masterstudium Literaturwissenschaft mit entsprechendem Abschluss 2014. Seine Interessen gelten insbesondere den Literatur-, Medien- und Kulturwissenschaften.

Produktinformationen

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Wrestling als Sports Entertainment

2 Eine mediale Historiografie des Mythos Wrestling

"The promoters of professional wrestling have disclosed that their terrifying towers in spandex tights, massive creatures like Bam Bam Bigelow, Hulk Hogan and Andre the Giant, are really no more dangerous to one another than Santa Claus, the Easter Bunny and the Tooth Fairy.

But please don't repeat this. Millions of grown men and women just don't want to know."

- New York Times (10. Februar, 1989) 75

Unter der Überschrift "Now It Can Be Told: Those Pro Wrestlers Are Just Having Fun" 76 , schaffte es die Meldung, dass es sich beim Professional Wrestling um keinen realen Sport, sondern vielmehr um eine inszenierte Show handelt, tatsächlich auf die Titelseite der New York Times . Dieses Bekenntnis hatte reale ökonomische Hintergründe, denn solange sich Wrestling als legitime Sportart ausgab, mussten sich die Veranstalter der Wrestlingindustrie den Regulierungen der jeweiligen Athletic Commissions der amerikanischen Bundesstaaten unterziehen. Somit standen sie in der Pflicht, sich auch an Verordnungen zu halten, die von den Kommissionen für allgemein anerkannte Sportarten erstellt wurden. Diese Regelungen trafen insbesondere für Sportarten zu, die schwere Verletzungen nach sich ziehen konnten (gerade auch durch Regelverstöße in der Ausübung des Sports), wie dies bspw. beim Boxen der Fall ist. Ein Verstoß gegen diese Vorschriften wurde von den entsprechenden Gremien mit Geldstrafen belegt und Sportveranstaltungen jeglicher Art unterstanden daher auch einem strikten Regelkatalog, dessen Einhaltung die jeweiligen Sportbehörden akribisch überwachten. Dies führte natürlich auch regelmäßig zu Problemen bei der Konzeption von Wrestlingshows. Die Wrestlingunternehmen versuchten den Anschein zu wahren, reale sportliche Wettkämpfe zu veranstalten. Gleichzeitig musste man gegenüber den Kommissionen natürlich auch Rechenschaft für gespielte Verletzungen ablegen. Verletzungen, die zur Weiterführung bestimmter Storylines nur inszeniert waren, wurden gegenüber den Sportkomitees der Bundesstaaten als real gemeldet und konnten unter Umständen auch durch Geldstrafen gesühnt werden, weil diese "Verletzungen" in den Fernsehshows durch unfaire Attacken oder sonstige Regelbrüche hervorgerufen wurden. Da man die Illusion eines realen Sports wahren wollte, waren die Wrestlingveranstalter auch nicht bereit, die Sportbehörden in die Geheimnisse des Pro-Wrestlings einzuweihen und unternahmen nichts, um sicherzustellen, dass vermeintlich verletzte Wrestler in Wirklichkeit unversehrt waren.

Um solchen Problemen künftig aus dem Weg zu gehen, beantragte die damalige WWF in den späten 80er Jahren eine Befreiung von diesen einschneidenden Regelungen, indem man sich nun offen als spezielle Form der Unterhaltung und nicht länger als realer Sport ausgab. Über den Beschluss, dass es sich beim Wrestling lediglich um Entertainment handelt, wurde sogar im Senat des Bundesstaates New Jersey abgestimmt:

"In an attempt to free their exhibitions from regulations that apply to boxing and other sports that cause serious injury, spokesmen for the World Wrestling Federation testified recently before the New Jersey Senate that professional wrestling is just 'entertainment' and that participants are trained to avoid serious injuries.

As a result, a bill deregulating professional wrestling passed the Senate today by a vote of 37 to 1." 77

Was man in dieser Formulierung jedoch geschickt umging, ist die Tatsache, dass Verletzungen dennoch durchaus zu den potenziellen Gefahren der athletischen Seite der Unterhaltungsform Wrestling gehören. Zwar sind Wrestler trainiert, Verletzungen während der Ausübung ihrer Tätigkeit möglichst zu vermeiden, und viele körperliche Schäden sind im Zuge der dramatischen Inszenierungen der Matches auch nur gespielt, dennoch kann es wie bei je

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