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Der Vergangenheit eine Zukunft Kulturelles Erbe in der digitalen Welt

  • Erscheinungsdatum: 12.03.2015
  • Verlag: iRights Media
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Der Vergangenheit eine Zukunft

Die Entwicklungen der Technik verändern unsere Welt. In den letzten 20 Jahren haben der Einzug digitaler Technologien und ihre Vernetzung über das Internet in nahezu allen Lebensbereichen zu enormen Umbrüchen geführt. Diese Entwicklung macht vor der Kultur nicht halt. Sie macht auch nicht halt vor den Institutionen, die seit langem und von einem breiten gesellschaftlichen Konsens getragen, für die Bewahrung und Pflege des kulturellen Erbes verantwortlich sind - auch dafür, dass dieses Erbe im gesellschaftlichen Bewusstsein lebendig bleibt. Dabei stehen gerade die Archive, Museen, Bibliotheken und Mediatheken wie auch Einrichtungen aus Wissenschaft und Denkmalpflege vor großen Herausforderungen. Wie sollen sie unter veränderten Bedingungen ihren gesellschaftlichen Auftrag erfüllen? Was sind die Rahmenbedingungen und wo behindern, wo befördern sie die Zukunft unserer Vergangenheit? Eine Publikation der Deutschen Digitalen Bibliothek Mit Texten von Sylvia Asmus, Thomas Dreier, Evelyn Dröge, Ellen Euler, Hanns-Peter Frentz, Monika Hagedorn-Saupe, Steffen Hennicke, Julia Iwanowa, Jürgen Keiper, Paul Klimpel, Till Kreutzer, Marlies Olensky, Hermann Parzinger, Stefanie Rühle, Felix Sasaki, Jan Schallaböck, Werner Schweibenz, Bernhard Serexhe, Eric Steinhauer, Violeta Trkulja, John Weitzmann, Hannah Wirtz, Dorothea Zechmann.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 300
    Erscheinungsdatum: 12.03.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783944362168
    Verlag: iRights Media
    Größe: 5374kBytes
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Der Vergangenheit eine Zukunft

Das Erbe der Arche Noah: Archive, Wissen und Informationen

Jürgen Keiper

Jaques Derrida verortet in seiner Revision der Psychoanalyse "Mal d'archive" 1 die Anfänge des Archivs in Griechenland. Die Entstehung des Archivs sieht er begründet in der Notwendigkeit, "das Gesetz geltend zu machen". Hierzu muss selbiges aber dokumentiert und archiviert werden. Doch im aktuellen Diskurs über Archive wird diese Argumentation, die mit der doppelten Bedeutung des Wortes "Arché" spielt, das sowohl Anfang als auch Gebot bedeutet, wegen ihrer semantischen Einengung zunehmend kritisiert. Denn für Derrida ist das Archiv - nach Cornelia Vismann 2 - der Anfang von Gesetzesherrschaft, die Macht des Auslegens - man könnte auch sagen, die Macht des Präsentierens.

Derridas stark etymologisch verfahrende Suche nach den Anfängen des Archivs bleibt letztlich zu sehr dem Text - insbesondere Gesetzestexten und ihren Geltungsansprüchen - verbunden. Dies überrascht nicht, denn sein eigentliches Interesse gilt ja Freuds Konstruktion der Psyche, ihren inneren Organisationsprinzipien wie Selektion, Selbstorganisation, Ablage und Zugänglichkeit sowie deren Nachhaltigkeit. Historisch sind die Ursprünge des - textbezogenen - Archivs aber wohl eher in Rom zu finden als in Griechenland; und Archivkonzepte jenseits ihres Niederschlags in Sprache finden sich schon weit früher.

Die ältesten Archiverzählungen gelten dem Naturerbe. Die bekannteste ist die Geschichte der Arche Noah. Noah wurde der biblischen Überlieferung gemäß von Gott (Jahwe) auserwählt und vorgewarnt und rettete daraufhin in der selbstgebauten Arche seine Familie. An dieser frühen Archivkonstruktion lassen sich bereits einige exemplarische Prinzipien identifizieren.

Paradoxerweise erfordert die historische Rede über das Archiv selbst ein Archiv und somit unterliegt die Beschäftigung mit dem Archiv einer doppelten Täuschung. Das Archiv, das selbst unter bestimmten historischen Bedingungen entstand und dessen Konstruktion und Überlieferungen selbst immer schon gesellschaftlichen Imperativen folgte, soll in einem historischen Rekurs Auskunft über sich selbst geben. Ein gewagtes Unterfangen, das nur über die Freiheit der Interpretation gelingen kann.


Edward Hicks: Noah's Ark. 1846.
Öl auf Leinwand. Philadelphia Museum of Art.
Abbildung: Wikimedia Commons (Public Domain)



Edward Hicks, ein streng religiöser Prediger, finanzierte sich seine Reisen und Missionen mit der Malerei. Sein Gemälde der Arche Noah aus dem Jahre 1846 kann man als Visualisierung einer Archivkonzeption betrachten. Es fällt auf, dass das Konzept der Arche völlig der Natur geschuldet ist; Kultur bleibt außen vor.

Im Bild findet man alle Elemente der modernen Archivkonzeption wieder:

Sicherung des Erbes

Klassifikation als Voraussetzung und Ordnungsprinzip

Selektion und Ingest als selbstständiger Prozess (Belegexemplar oder Pflichtabgabe)

Medienästhetisch ist interessant, dass der Löwe direkt auf den Aufnahmeort blickt. Der Blick in die Kamera, filmgeschichtlich ein sehr früher Topos, verschwand im Zuge der Narrativisierung des Films fast völlig, überlebte aber als wichtige Authentizitätsstrategie im Dokumentarfilm. Dieser Blick steht hier ebenfalls für Authentizität und inszeniert einen dokumentarischen Beobachterstatus inmitten der apokalyptischen Inszenierung. Auch medienstrategisch ist das Gemälde bedeutsam, da es durch das Zeigen des Archivs sich selbst als Teil eines noch zu schaffenden Archivs positioniert, um dem eigentlichen Archiv überhaupt eine Bedeutung geben zu können. Es behauptet, dass das, was es zeigt, wichtig sei, und weil es dies zeigt, ist es selbst wichtig - und müsste daher auch archiviert werden. Es trägt so in gewisser Weise zur Konstituierung seiner eigenen Archivierung bei.

Inhaltlich int

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