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Geschichte des deutschen Buchhandels von Wittmann, Reinhard (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 16.05.2019
  • Verlag: Verlag C.H.Beck
eBook (ePUB)

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Geschichte des deutschen Buchhandels

Das Buch gibt einen Überblick über die mehr als fünfhundertjährige Geschichte des Schreibens und Herstellens, des Verkaufs und der Lektüre von Büchern im deutschssprachigen Raum. Der Weg des gedruckten Wortes vom Autor zum Leser in seinem historischen Wandel, die Verbreitung des Buches als Geistesgut und Handelsware durch Verlage und Buchhandel von Gutenbergs Zeiten bis zur jüngsten Gegenwart werden von Reinhard Wittmann umfassend dargestellt. Reinhard Wittmann ist Buchhandels- und Verlagshistoriker, Redakteur, Autor, Antiquar und Honorarprofessor für Buchwissenschaft an der Ludwig-Maximilians-Universität München.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 535
    Erscheinungsdatum: 16.05.2019
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783406737657
    Verlag: Verlag C.H.Beck
    Größe: 7513 kBytes
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Geschichte des deutschen Buchhandels

II.

Der Buchhandel im Zeitalter der Konfessionskämpfe

Im Jahr 1504 klagte der Großverleger Koberger seinem Basler Geschäftsfreund Amerbach über den Absatz einer aufwendigen Bibelausgabe: "Es ist warlich ein unkewfflich werk. Ich hett mich versehen, er solt anders von statt gangen sein. Aber der handel der bucher ist so gancz nichtz mer, das ich nicht weiß, was man machen möchte [...]. Woll hab ich das gesant allenthalben jn das lantt. Die pleyben do ligen, und wirt nichtz domitt geschafft."[ 1 ]

Zwei Jahre später zeigte sich der Humanist Johannes Reuchlin höchst befremdet, daß seine Grammatik des Hebräischen (mit der die neuzeitliche Hebraistik begann) auf der Frankfurter Messe so gut wie unverkäuflich sei. Kein Buchführer wolle sich damit abgeben. Von den 1500 gedruckten Exemplaren waren nach vier Jahren noch 600 vorrätig. Ähnlich äußerten sich andere Humanisten. Was war geschehen?

Der Buchhandel der Frühdruckzeit erlebte seine erste schwere Absatzkrise. Die unermüdliche Begeisterung, mit der die Verleger und Gelehrten immer neue Kostbarkeiten aus dem Staube der Klosterbibliotheken zogen und den Druckerpressen anvertrauten, ließ nach. Nach wenigen Jahrzehnten schien die bisher weit verstreute Überlieferung von fast zwei Jahrtausenden dank des Spürsinns und Fleißes der Editoren wieder allgemein verfügbar. Die Aufnahmefähigkeit war erschöpft, die Klöster und die Geistlichkeit waren des scheinbar endlosen Stroms kostspieliger Folianten überdrüssig: "Man hatt die pfaffen So ganncz außgelertt mit den buchern, so vil Gelczs von in czogen, Das [sie] nit mer dar an wollen", konstatierte wiederum Koberger gegenüber Amerbach.[ 2 ] Der internationale Buchhandel, der ganz Europa mit enormer Leistungsfähigkeit zu versorgen vermochte, stieß an die Grenzen der Gelehrtenrepublik.

Doch die Stagnation dauerte nicht lange. Denn just in diesem historischen Augenblick gewann das Buch eine neue Dimension: Es wurde zum Massenmedium in der Volkssprache. Vielleicht wäre es der Reformation ohne die mächtige Bundesgenossin der Druckerpresse ebenso ergangen wie noch hundert Jahre zuvor der hussitischen Bewegung - ihr religiöser und sozialer Reformeifer fand in Mitteleuropa keine schnelle Verbreitungsmöglichkeit, ihr Funke verglomm.

Schon die dürren statistischen Zahlen verraten, was geschah: Für das Jahrfünft von 1513 bis 1517 verzeichnen ältere (sicher unvollständige) Bibliographien insgesamt 527 deutschsprachige Drucke, für die folgenden fünf Jahre 1518 bis 1523 dagegen 3 113, also etwa das Sechsfache.[ 3 ] Im Jahr 1500 betrug das Verhältnis der lateinischen zu den deutschsprachigen Neuerscheinungen zwanzig zu eins, im Jahr 1524 nur mehr drei zu eins.

Dieser radikale Wandel beruhte im wesentlichen auf dem Wirken eines einzigen Mannes: Martin Luther . Luthers Bedeutung für das Buchwesen seiner Zeit ist erst jüngst durch eine umfassende Studie von H. Flachmann gewürdigt worden. Sie ergänzt die zahlreichen Darstellungen zur Reformationsgeschichte, in denen die Wichtigkeit des Buches für die Ausbreitung der Bewegung betont wird.

Bereits die erste lateinische Sammelausgabe von Luthers Schriften, die der Basler Verleger Froben (übrigens ohne Vorwissen des Autors) veranstaltet hatte, war binnen weniger Monate in erster und zweiter Auflage vergriffen. Froben teilte Luther am 14. Februar 1519 mit, daß er auch an der Sorbonne, in Brabant, England und Italien damit Erfolg erzielte: "Unsere Exemplare haben wir alle bis auf 10 verkauft; noch bei keinem Buch haben wir einen günstigeren Absatz zu verzeichnen gehabt."[ 4 ] Die Resonanz von Luthers folgenden Werken war noch weit heftiger: Sie erschienen in den Jahren zwischen 1518 und 1523 in Dutzenden, ja Hunderten von Editionen, großteils als Broschüren im Quart- oder Oktavformat von wenigen Druckbogen Umfang, die schnell herzustellen, schnell nachzudrucken und schnell zu vertreiben waren. Friedrich Kapp fand in sein

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