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Systemtheoretische Ansätze in der Buchwissenschaft Idee, Stand der Diskussion, exemplarische Anwendungsbereiche von Boos, Felicitas (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 25.01.2016
  • Verlag: Mainzer Institut für Buchwissenschaft
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Systemtheoretische Ansätze in der Buchwissenschaft

Felicitas Boos zeigt in ihrer Bachelorarbeit auf, welchen Nutzen und Mehrwert die Systemtheorie für die Buchwissenschaft aufweist. Hierzu stellt sie sowohl ein detailliertes Bild der aktuellen Debatte, als auch die Entstehung der Grundstrukturen der sozialwissenschaftlichen Systemtheorie dar. Abschließend demonstriert die Autorin am Beispiel der Bestsellerforschung, wie die Systemtheorie auf buchwissenschaftliche Fragestellungen angewendet werden kann. Ein ausführliches Glossar rundet die Arbeit ab. Diese Arbeit ist Teil der Reihe Initialen, in deren Rahmen herausragende Abschlussarbeiten der Mainzer Buchwissenschaft veröffentlicht werden. Felicitas Boos, geboren 1992 in Andernach, studierte Buchwissenschaft an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Mit ihrer Arbeit Systemtheoretische Ansätze in der Buchwissenschaft erlangte sie 2015 den Bachelor of Arts.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 70
    Erscheinungsdatum: 25.01.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783945883310
    Verlag: Mainzer Institut für Buchwissenschaft
    Größe: 843 kBytes
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Systemtheoretische Ansätze in der Buchwissenschaft

3 Stand der Diskussion

3.1 Grundlegende Ansätze

3.1.1 Der Verlag im Spannungsfeld zwischen Kultur und Wirtschaft

Georg Jäger prägte als erster den systemtheoretischen Ansatz in der neueren Buchwissenschaft. Neben seiner systemtheoretischen Betrachtung des wissenschaftlichen Buchhandels als "Wechselbörse der Medien codes Geld und Wahrheit, sowie der Nebencodes Ansehen, Einfluss und Macht" [85] , veröffentlichte er erstmalig seinen Aufsatz "Keine Kulturtheorie ohne Geldtheorie" 1994 in der Publikation "Empirische Literatur- und Medienforschung". 2005 veröffentlichte er eine abgeänderte Version des Textes in dem Buch "Buchkulturen. Beiträge zur Geschichte der Literaturvermittlung". Durch seine Erstpublikation ermöglichte Jäger den Anschluss der modernen Systemtheorie an die theoretischen Überlegungen der russischen und polnischen Ansätze zur Systemtheorie in der Buchwissenschaft. [86]

Jägers Ansatz bezieht sich auf den Verlag im Spannungsfeld zwischen Kultur und Wirtschaft. Dabei gehen seine Überlegungen von der Grundannahme aus, dass "Kultur [...] vom Geld regiert [wird]" [87] . In Anlehnung an Parsons definiert Jäger die Kultur als "System normativer Musterbildungen" [88] , welches innerhalb einer vertikalen Differenzierung über den Sozialsystemen, Personen und Organisationen verankert ist. Vertreten wird die Kultur auf der Stufe des Sozialsystems durch kulturelle Treuhandsysteme . Dabei bilden den Output dieser kulturellen Treuhandsysteme Problemlösungen, die vom Sozialsystem verlangt werden. Die Gesamtheit dieser Problemlösungen wird nach Parsons als Wertverbindung definiert, die sich wiederum in ihrer Gesamtheit als Wertmuster bezeichnen lassen. [89]

Ebenso wie den Medienbegriff entlehnt Jäger den Begriff der Interpenetrationszone bei Parsons. Als Interpenetrationszone wird dabei ein "generalisierter Mechanismus der Verstärkung von Systemen" [90] verstanden. Diese wird in Bezug auf psychische Systeme durch das Lernen und in Bezug auf "Sozial- und Kultursysteme durch Institutionalisierung" [91] verkörpert. Medien verfügen als direkte Objekte über Wertmuster, die mit der Kultur zusammengenommen die Sozialsysteme ausmachen. Die vier Sozialsysteme gliedern sich dabei in Wirtschaft - mit dem Wertesystem Nutzen und dem Medium Geld -, Politik - Wertesystem Effektivität und dem Medium Macht -, die Gesellschaft - Wertesystem Solidarität, Medium Einfluss/Prestige - und den kulturellen Treuhandsystemen, die für die Erhaltung und Kontrolle der Wertstrukturen sorgen und mit dem Maß der Integrität arbeiten. [92]

Zusätzlich zum Medienbegriff und der Interpenetration nach Parsons entnimmt Jäger den Organisations begriff bei Luhmann. Demnach bilden "Organisationen [...] soziale Systeme, die aus Entscheidungen bestehen und Entscheidungen wechselseitig miteinander verknüpfen" [93] . Dabei operieren sie mit einer rekursiven Verknüpfung von Entscheidungen, wodurch sie zu operational geschlossenen Systemen werden. Durch die Anwendung von Entscheidungen auf andere Entscheidungen, also einer Verknüpfung eines "Selektionstransfers eines anderen Mediums aus einem anderen Subsystem in einem Entscheidungsprozess", ist die Organisation in der Lage die Konvertierung eines Kommunikationsmediums vorzunehmen. Konvertieren versteht Jäger dabei als "Verfügung über Einflussmöglichkeiten" eines Mediums zur Übertragung auf die Einflussmöglichkeiten eines anderen Mediums. Dadurch erzeugt die Organisation eine Doppel - oder sogar Mehrfachcodierung von Medien. [94]

Der Input einer Organisation besteht aus der Selektion immer mindestens zweier Systeme. Der Output

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