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Begabung Eine Einführung von Müller-Oppliger, Victor (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.02.2014
  • Verlag: WBG
eBook (ePUB)
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Begabung

"Begabung" ist ein faszinierendes Phänomen: Wie soll man sich die erstaunliche Klugheit oder die verblüffende Geschicklichkeit mancher Kinder erklären? Es müssen Geschenke der Natur sein oder Gaben Gottes - dachte man früher. Es sind teils genetisch bedingte, teils von der Umwelt beeinflussbare Begabungen - lauten modernere Erklärungen. In den westlichen Gesellschaften haben die Diagnostik und die Förderangebote von Begabungen gegenwärtig Konjunktur, immer auf dem schmalen Grat zwischen famoser Intelligenzleistung und sozialer Selektion. Die vorliegende Einführung stellt erstmals anhand von erziehungswissenschaftlicher Theorie und pädagogischer Praxis die Definition, Forschungsansätze und integrative Fördermöglichkeiten von Begabung und Begabten vor. Das Autorenteam vergleicht die Unterrichts- und Schulentwicklung im amerikanischen und deutschsprachigen Bildungsraum und stellt ein erfolgreiches Modell vor.

Timo Hoyer studierte Erziehungswissenschaften, Philosophie und Neuere deutsche Literatur in Frankfurt am Main. Für seine Dissertation wurde er 2001 mit dem Georg-Forster-Preis der Universität Kassel ausgezeichnet. Anschließend habilitierte er ebenfalls an der Universität Kassel. Nach seiner Ernennung zum Privatdozenten im Jahr 2005 wechselte er als Wissenschaftlicher Mitarbeiter an das Sigmund-Freud-Institut nach Frankfurt am Main. 2011 wurde er von der Universität Kassel zum außerplanmäßigen Professor ernannt, 2013 erfolgte die Umhabilitation an die Pädagogische Hochschule Karlsruhe, wo er derzeit als apl. Professor lehrt und forscht.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: AdobeDRM
    Seitenzahl: 144
    Erscheinungsdatum: 01.02.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783534736331
    Verlag: WBG
    Größe: 1371kBytes
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Begabung

1 Begabung als Konstrukt.
Zum Werdegang einer Kategorie
der sozialen Differenzierung

Begabung besser verstehen

Im Jahre 2007 erhielt der nordamerikanische Dachverband für Begabtenförderung, die National Association for Gifted Children (NAGC), seinen 28. Präsidenten. In seiner Antrittsrede erklärte Del Siegle, wie er sich die Entwicklung der Einrichtung vorstelle und wofür er sich einsetzen wolle. Ganz oben auf die Agenda setzte er ein Anliegen von besonderer Dringlichkeit: "We need to do a better job of defining giftedness" (SIEGLE 2008, S. 111). Es ist nicht überliefert, was die Festgäste - samt und sonders ausgewiesene Koryphäen auf dem Arbeitsfeld der Begabung - von diesem Appell hielten. Etwas pikiert dürften die Fachleute schon gewesen sein, da ihnen ihr neugewählter Präsident zu verstehen gab, dass sie bei der Klärung des Begabungsbegriffs oberflächlich zu Werke gegangen seien. Die Mitglieder der weltweit renommiertesten Vereinigung für Begabtenförderung und Begabungsforschung hatten es nach über einem halben Jahrhundert organisierter Arbeit nicht fertiggebracht, jenem Ausdruck eine verlässliche Bedeutung zu geben, der das terminologische Gravitationszentrum ihrer vielfältigen wissenschaftlichen, kulturellen und pädagogischen Aktivitäten bildet.

Unscharfer Begriff

Ohne Zweifel hätten auch die Vorsitzenden europäischer Begabtenzentren Grund, in den Aufruf ihres Kollegen aus den Vereinigten Staaten einzustimmen. Regelmäßig beklagen hiesige Wissenschaftler, der Begabungs- und Hochbegabungsbegriff werde "uneinheitlich und unscharf gebraucht" (ROST 2009, S. 14), lauter widersprüchliche Definitionen seien im Umlauf und keine einheitliche Bedeutung in Sicht. "Unglücklicherweise herrscht in der Wissenschaft, wenn über Begabung und Hochbegabung gesprochen wird, ein nahezu babylonisches Sprachgewirr" (ZIEGLER 2008, S. 14). In zahllosen einschlägigen Dokumenten werden "Begabung", "Hochbegabung", "Talent", "Leistungsstärke" und "Leistungsexzellenz" ohne weitere Erklärung wie Synonyme behandelt. Meist wird dabei ein intuitives Begriffsverständnis vorausgesetzt, als würde sich das mit den Worten Gemeinte von selbst verstehen. Ohne nähere Erläuterung der keineswegs gleichbedeutenden Ausdrücke bleibt jedoch nebulös, worauf sie Bezug nehmen. Margrit Stamm hat einmal mit Blick auf die unscharfen Richtlinien zur Begabungsförderung eine lockere Auswahl offener Fragen notiert: "Handelt es sich beim gewählten Begriff eher um statisch erfassbare, sich kaum verändernde Fähigkeiten oder um dynamische Fähigkeiten, die kontinuierlich weiterentwickelt werden oder auch stagnieren? Umfasst der gewählte Begriff intellektuelle und/oder nicht-intellektuelle Fähigkeiten? Wird das, was unter dem gewählten Begriff verstanden werden soll, als Produkt oder als Entwicklungsmöglichkeit mit Prozesscharakter verstanden?" (STAMM 2009, S. 53). Weitere Unklarheiten ließen sich mühelos hinzufügen.

Vielfalt der Bedeutungen

Dass es Verwendungsweisen und Bedeutungsvarianten von Begabung in Hülle und Fülle gibt, ist allerdings nichts Ungewöhnliches. Im Grunde genommen verhält es sich nämlich mit dem Begabungsbegriff wie mit all jenen Begriffen, die sich auf keine Wahrnehmungsgegenstände beziehen. Man denke an Ausdrücke wie "Gerechtigkeit", "Bildung", "Macht", "Leistung", "Glück" oder an neuere Schlagworte wie "Kreativität" oder "Resilienz". Überall findet man eine unübersichtliche Menge an strittigen Definitionen und nirgends ein einheitliches, unkontroverses Begriffsverständnis. Alle theoretisch reizvollen Begriffe verlangen förmlich danach, fortwährend neu bedacht zu werden, denn sie sind keine "Spiegel der Natur" (R. Rorty), die greifbare Gegenstände mehr oder weniger akkurat abbilden. Es gehört sozusagen zur Wesensnatur von Begriffen, dass ihre Semantik variiert, und zwar in Abhängigkeit von den Erfahrungen, die ihnen zugrunde liegen, von den Denksystemen und Diskursen, in

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