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Dein anderes Ich. Kinder psychisch kranker Eltern von Jasz, Jasmin (eBook)

  • Erschienen: 24.05.2012
  • Verlag: GRIN Verlag
eBook (ePUB)
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Dein anderes Ich. Kinder psychisch kranker Eltern

Diplomarbeit aus dem Jahr 2012 im Fachbereich Pädagogik - Pädagogische Soziologie, Note: 1,0, Universität Koblenz-Landau, Sprache: Deutsch, Abstract: 'Kinder sind die schutzlosesten Angehörigen.' (Beeck 2010, S. 9) Die psychische Erkrankung eines Elternteils stellt für Kinder ein kritisches Lebensereignis dar. Empfindliche Änderungen und Neuerungen im Familienalltag gehen in der Regel mit erheblichen Belastungen einher. Kinder psychisch kranker Eltern werden häufig als 'vergessene' Angehörige bezeichnet, da sie kaum die Möglichkeit besitzen, ihre Bedürfnisse und Probleme zu äußern. Dies kann auch auf das durch die Eltern verhängte Kommunikationsverbot zurückzuführen sein. Die Kinder haben das Gefühl mit niemanden über ihre belastende Situation sprechen zu dürfen oder aber die dadurch Eltern zu verraten. (vgl. Pretis/Dimova 2010, S. 21f.). Wesentlicher Belastungsfaktor ist die häufige Übernahme der Erwachsenenrolle und die damit einhergehende Verantwortung für Geschwister und den kranken Elternteil. Aber auch Schuldgefühle des Kindes auf Grund fehlender Kenntnisse über die elterliche Erkrankung und die Isolierung vom sozialen Umfeld wirken sich negativ auf die Entwicklung des Kindes aus. Kinder psychisch kranker Eltern haben etwa ein 2- bis 10-fach (je nach Krankheit) erhöhtes Risiko, selbst eine psychische Störung zu entwickeln, da sie häufig besonderen Belastungen ausgesetzt sind. Psychische Störungen gehören zu den häufigsten Erkrankungen. Remschmidt/Mattejat (1994, S. 5) schätzen die Anzahl minderjähriger Kinder psychisch kranker Eltern auf ca. 200.000 bis 500.000. Es ist erstaunlich, dass das Thema in der deutschsprachigen Fachöffentlichkeit lange Zeit kaum Beachtung fand war. Problematisch ist, dass der Fokus der Erwachsenenpsychiatrie immer noch auf den Patienten liegt und die Angehörigenarbeit in der Psychiatrie gewöhnlich die Arbeit mit erwachsenen Angehörigen betrifft (vgl. Schone/Wagenblass 2006, S. 9). Die vorliegende Diplomarbeit widmet sich den schwierigen Lebenssituationen und Auswirkungen auf Kinder psychisch kranker Eltern anhand von bisherigen Studien. Der Schwerpunkt liegt zum einen auf den Risikofaktoren, die sich auf kindliche Entwicklung gefährdend auswirken können. Zum anderen ist der Aspekt, was Kinder psychisch kranker Eltern stärkt, von besonderem Interesse.

Produktinformationen

    Größe: 2056kBytes
    Reihe (Teil): Akademische Schriftenreihe Bd.V194551
    Herausgeber: GRIN Verlag
    Untertitel: Risiko- und Schutzfaktoren.
    Sprache: Deutsch
    Seitenanzahl: 106
    Format: ePUB
    Kopierschutz: AdobeDRM
    Unterstützte Lesegerätegruppen: PC/MAC/eReader/Tablet
    ISBN: 9783656198512
    Erschienen: 24.05.2012
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Dein anderes Ich. Kinder psychisch kranker Eltern

2. Zum Stand der Forschung

Erste Untersuchungen zum Thema ,Kinder psychisch kranker Eltern' findet man in der Fachliteratur bereits 1930. [1] Sir Michael Rutter, Altmeister der europäischen Kinder- und Jugendpsychiatrie, beschäftigte sich in seiner Dissertationsarbeit mit dem Thema ,Kinder von kranken Eltern' und veröffentlichte 1966 seine wichtigsten Ergebnisse in einer Monographie mit dem Titel ,Children of sick parents' (vgl. Mattejat/Lenz/Wiegand-Grefe 2010, S. 13f.).

Die wichtigsten Forschungsansätze, die Aspekte in Bezug auf Kinder von psychisch kranken Eltern berücksichtigen, sind im folgenden Kapitel dargestellt.

2.1 High-Risk-Forschung

Studien, die Auswirkungen von psychischen Erkrankungen von Eltern auf ihre Kinder untersuchen, sind unter der so genannten High-Risk-Forschung bekannt.

Folgende Ziele bzw. Fragestellungen bildeten den Schwerpunkt des Interesses:

1. "Die Untersuchung des genetischen Risikos von Kindern psychotischer Eltern im Hinblick auf eine gleichsinnige Erkrankung;

2. psychogenetische Fragestellungen, die den unmittelbaren Auswirkungen der Erkrankung auf die Kinder nachgingen und den Umweltaspekt betonten;

3. Untersuchungen, die zum Ziel hatten, für die jeweilige Erkrankung typische und charakteristische Marker zu objektivieren und Vorläufersymptome festzustellen, und

4. Fragestellungen, die der Intervention und Prävention gewidmet waren. " (Remschmidt/Mattejat 1994, S. 14).

Annahme der Risikoforschung ist, dass Kinder psychisch kranker Eltern in Bezug auf die Entwicklung einer psychischen Erkrankung zu einer Hochrisikogruppe zählen (vgl. Schone/Wagenblass 2006, S. 11f.). Daher sollen Gruppen mit hohem Erkrankungsrisiko herausgefiltert, Merkmale und Indikatoren der Risikogruppe identifiziert werden. (vgl. Lenz 2005, S. 13).

Die Monographie von Remschmidt und Mattejat gilt als eine klassische Studie. Die beiden Forscher suchten nach Ursachen und bestimmten Merkmalen für das erhöhte Risiko von Kindern Psychose erkrankter Eltern selbst an einer Psychose zu erkranken. Remschmidt und Mattejat fanden u.a. heraus, dass rund ein Drittel aller Kinder, die sich in stationärer kinder-und jugendpsychiatrischer Behandlung befanden, mindestens einen psychisch erkrankten Elternteil haben (vgl. Remschmidt/Mattejat 1994, S. 15).

Die psychische Erkrankung kann dabei als eine belastende psychosoziale Entwicklungsbedingung aufgefasst werden und in der sozial-emotionalen und im geringeren Maße in der kognitiven Entwicklung aufgefasst werden. Beispiel dafür sind depressive Störungen, aber auch aggressive, dissoziale und hyperkinetische Verhaltensstörungen (vgl. Lenz 2005, S. 13).

Einigkeit herrscht darüber, dass Kinder mit psychisch kranken Eltern(teilen) einem signifikant erhöhten Risiko ausgesetzt sind selbst psychisch krank zu werden als Kinder mit gesunden Eltern. Das Risiko für Kinder mit einem schizophren erkrankten Elternteil liegt bei 10 % bis 15 %. Bei zwei schizophren erkrankten Elternteilen steigt es beträchtlich auf 35 % bis 50% (vgl. Remschmidt/Mattejat 1994, S. 22). Bei Kindern depressiver Eltern liegt die Rate selbst psychisch zu erkranken bei 23 % bis 38 % (vgl. Remschmidt/Mattejat 1994, S. 70). Vergleichsweise dazu liegt die LebenszeitPrävalenzrate der Gesamtbevölkerung für die schizophrenen Erkrankungen bei 1 %.

Statistisch gesichert ist, dass Zweijährige mit einem psychisch erkrankten Elternteil in der Sprachentwicklung Defizite vorweisen und in ihrem Sozialverhalten auffälliger sind (Schone/Wagenblass 2006, S. 12). Es sei jedoch darauf hingewiesen, dass di

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