text.skipToContent text.skipToNavigation

Geschlechtsspezifische Unterrichtsstörungen. Phänomene, Ursachen, pädagogische Relevanz von Burykina, Tanja (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 28.09.2015
  • Verlag: GRIN Verlag
eBook (ePUB)
34,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Geschlechtsspezifische Unterrichtsstörungen. Phänomene, Ursachen, pädagogische Relevanz

Masterarbeit aus dem Jahr 2014 im Fachbereich Pädagogik - Sonstiges, Note: 1,0, Universität Hamburg (Erziehungswissenschaften), Sprache: Deutsch, Abstract: Lehrerinnen und Lehrer sind in ihrem Arbeitsalltag immer wieder mit Unterrichtsstörungen konfrontiert, der Umgang mit ihnen macht somit einen wichtigen Teil der pädagogischen Arbeit aus. Diverse Studienergebnisse zeigen dabei, dass es sowohl qualitative als auch quantitative Unterschiede im Störverhalten von Mädchen und Jungen gibt. Die vorliegende Arbeit widmet sich daher der Frage, inwiefern sich die jeweiligen sogenannten geschlechtsspezifischen Unterrichtsstörungen voneinander unterscheiden und wie das unterschiedliche Verhalten von Jungen und Mädchen aus soziologischer und sozialpsychologischer Sicht zu erklären ist. Ziel ist es einerseits zu klären, wie Geschlecht in unserer Gesellschaft konstruiert wird und wie Geschlechterrollen sozial reproduziert werden. Andererseits soll geklärt werden, inwiefern diese geschlechtlichen Sozialisationsprozesse auch in der Schule stattfinden, wie Lehrkräfte daran mitwirken (doing gender) und wie Mädchen und Jungen ihr Geschlecht selbst inszenieren. Hierzu werden zunächst verschiedene gängige Sozialisationstheorien vorgestellt und diskutiert, um diese dann auf die Erkenntnisse über Störverhalten von männlichen und weiblichen Schüler_innen anzuwenden. Anschließend wird die Rolle der Lehrperson konkreter besprochen, sowie die Auswirkungen von Rollenverhalten für Mädchen und Jungen dargestellt. Es zeigt sich somit, dass Geschlecht auch in der Schule allgegenwärtig ist und bei vielen Interaktionen eine große Rolle spielt. Eine Schlussfolgerung ist, dass es auch beim Umgang mit Unterrichtsstörungen nicht genügt, die in der Fachliteratur empfohlenen allgemeinen Techniken der Reaktion und Prävention zu beherrschen. Vielmehr müssen Lehrkräfte auch Genderkompetenz mitbringen, um bestimmte Störsituationen analysieren, bewerten und adäquat auf diese regieren zu können.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 81
    Erscheinungsdatum: 28.09.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783668055230
    Verlag: GRIN Verlag
    Größe: 451kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Geschlechtsspezifische Unterrichtsstörungen. Phänomene, Ursachen, pädagogische Relevanz

3. Mädchen, Jungen, Unterrichtsstörungen

3.1 Unterrichtsstörungen und Disziplinkonflikte

Hinsichtlich des Begriffs "Unterrichtsstörung" liegt in der Fachliteratur keine eindeutige Definition vor, vielmehr gibt es eine Reihe von verschiedenen Definitionen, die unterschiedliche Aspekte in den Fokus stellen.

Eine der am meisten gebräuchlichen Definitionen ist die von Winkel: "Eine Unterrichtsstörung liegt dann vor, wenn der Unterricht gestört ist, d.h. wenn das Lehren und Lernen stockt, aufhört, pervertiert, unerträglich oder inhuman wird." [126] Winkel stellt dabei den Lehr-Lern-Prozess in der Vordergrund, ohne anzugeben wer oder was der Auslöser für Unterrichtsstörungen sein könnte. Er plädiert dafür, keine Schuldzuweisungen an Schüler_innen oder Lehrer_innen vorzunehmen und dafür, "von der personalen Definitionsrichtung wegzukommen und stattdessen die Unterrichtsstörung vom Unterricht her zu kennzeichnen" [127] .

Auch Lohmanns Definition des Begriffs ist häufig verbreitet. Dieser bezeichnet Unterrichtsstörungen als "Ereignisse, die den Lehr-Lern-Prozess beeinträchtigen, unterbrechen oder unmöglich machen, indem sie die Voraussetzungen, unter denen Lehren und Lernen erst stattfinden kann, teilweise oder ganz außer Kraft setzen [128] ". Wie Winkel tendiert Lohmann zu einer nicht-personalen Definition ohne Schuldzuweisungen, weist allerdings zusätzlich daraufhin, dass Störungen sowohl von Lehrer_innen und Schüler_innen verursacht, als auch von außen hereingetragen werden können. Biller definiert den Begriff Unterrichtsstörung ebenfalls aus der Unterrichtssituation heraus, weitet ihn jedoch aus und bezieht ihn auch auf potentielle Ereignisse. Laut ihm handelt es sich bei Unterrichtsstörungen um "Alles, was den Prozess oder das Beziehungsgefüge von Unterrichtssituationen unterbricht oder unterbrechen könnte" [129] .

Im Gegensatz zu Winkel, Lohmann und Biller definiert Keller den Begriff allerdings durchaus personal. So sind laut ihm "Unterrichtsstörungen (...) unterschiedliche Formen abweichenden Verhaltens, die das Lehren und Lernen mehr oder weniger stark beeinträchtigen" [130] . Das abweichende Verhalten wird von ihm dabei auf Seite der Schüler_innen gesehen. Auch Nolting stellt bei seiner Definition das Schülerverhalten in den Vordergrund, führt dies allerdings noch weiter aus und gibt normative und funktionale Kriterien für die Definition von Unterrichtsstörungen an:

Normative Definition: "Unterrichtsstörungen sind Handlungen von Schülern, die gegen Regeln für das Verhalten im Unterricht verstoßen. Ob eine Störung vorliegt oder nicht, hängt hier letztlich von der Lehrkraft ab; sie bestimmt die Regeln und bewertet das Verhalten. Was Lehrer X als "unruhig" bezeichnet, nennt seine Kollegin Y vielleicht "lebhaft"."

Funktionale Definition: "Unterrichtsstörungen sind Handlungen, welche die von einer Lehrkraft beabsichtigte Unterrichtsdurchführung behindern, und zwar (a) indem sie andere Personen, nämlich die Lehrkraft oder die Mitschüler, in ihren aufgabenbezogenen Aktivitäten beeinträchtigen, und/oder (b) indem sie die eigene aufgabenbezogene Aufmerksamkeit und Mitarbeit beeinträchtigen." [131]

Nolting integriert in seine Definition wichtige Aspekte, die in den anderen zuvor dargestellten Definitionen nicht deutlich werden. So weist er hier auf den subjektiven Charakter von Unterrichtsstörungen und die individuelle Wahrnehmung verschiedener Lehrpersonen hin. Was genau als störend oder nicht störend betrachtet wird, variiert also von Mensch zu Mensch und kann sicherlich nicht eindeutig definiert werden.

Weiterhin macht Nolting deutlich, dass eine Unterrichtsstörungen nicht nur zwangsläufig von ei

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen