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Gründungsförderung für Migrantinnen und Migranten Determinanten einer zielgruppenadäquaten, kompetenzorientierten Gründungsberatung und -weiterbildung. von Vogel, Christian (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 30.05.2016
  • Verlag: Books on Demand
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Gründungsförderung für Migrantinnen und Migranten

Im Gegensatz zum insgesamt eher stagnierenden Gründungsgeschehen in Deutschland hat sich die Zahl der Selbstständigen mit Migrationshintergrund innerhalb der letzten 25 Jahre nahezu verdreifacht. Dabei haben sich Gründende mit Migrationshintergrund längst von dem Klischee emanzipiert, sich ausschließlich in den Bereichen Gastronomie und Handel selbstständig zu machen. Vielmehr gründen Migrantinnen und Migranten in allen Wirtschaftsbranchen, schaffen Arbeits- und Ausbildungsplätze und tragen zur Diversifizierung der Wirtschaft bei. Der Erfolg von Unternehmensgründungen hängt in hohem Maße von einer intensiven Vorbereitung ab. Gründungswilligen in Deutschland steht dafür grundsätzlich eine Vielzahl von Angeboten der individuellen Gründungsförderung zur Verfügung. Diese sind allerdings - so die These - im Wesentlichen auf 'klassische' Gründer ausgerichtet. Da sich heute aber ein deutlich differenzierteres Bild hinsichtlich der vorzufindenden Gründer(innen)gruppen, Gründungsformen oder -anlässe abzeichnet, stellt sich die Frage, inwiefern dieser Heterogenität im System der Gründungsförderung bereits Beachtung geschenkt wird. Vor diesem Hintergrund werden im Rahmen der deutschlandweiten Untersuchung bestehende Maßnahmen und Strukturen der Gründungsberatung und -weiterbildung aus unterschiedlicher Perspektive beleuchtet. Zentral wird dabei in den Blick genommen, inwieweit Gründerinnen und Gründer mit Migrationshintergrund tatsächlich spezifische Beratungs- und Weiterbildungsbedarfe im Zuge des Gründungsprozesses aufweisen und welche zielgruppenspezifischen Herausforderungen daraus für die Gestaltung von Angeboten der Gründungsförderung abgeleitet werden können.

Christian Vogel studierte Erwachsenenbildung und Politikwissenschaft an der TU Chemnitz sowie Bildungsmanagement an der Universität Hildesheim. Im Zuge seiner beruflichen Stationen beschäftige er sich mit unterschiedlichen Themen, wobei die Themen Bildung und Migration stets zentrale Bezugspunkte seiner Forschungs- und Entwicklungsprojekte waren. Seine Forschungsinteressen liegen daher insbesondere in den Bereichen Durchlässigkeit von beruflicher und akademischer Bildung, Bildungsgerechtigkeit und -strukturen, Weiterbildung und nachhaltiges Lernen, sowie Migrations- und Integrationsforschung.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 408
    Erscheinungsdatum: 30.05.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783741206863
    Verlag: Books on Demand
    Größe: 5845kBytes
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Gründungsförderung für Migrantinnen und Migranten

Teil II: Forschungsstand und theoretische Grundlagen

2 Begriffliche Fundierung

2.1 Migranten, Ausländer, Flüchtlinge und Menschen mit Migrationshintergrund

Unter Migrantinnen und Migranten werden allgemein Personen zusammengefasst, die ihren Wohnsitz für eine bestimmte bzw. unbestimmte Zeit - eventuell für immer - in eine andere Region des eigenen Landes oder ins Ausland verlegen (vgl. Münz 2007, S. 1). Dabei lässt sich zunächst prinzipiell nicht unterscheiden, ob dafür eigene Motivationslagen (z.B. Studium im Ausland) oder existenzielle Zwänge (z.B. Verfolgung) ausschlaggebend sind. Dementsprechend kommt dem Begriff grundsätzlich eine wertneutrale Bedeutung zu, die erst durch gesellschaftliche Zuschreibungen, bspw. das Herausstellen milieuspezifisch begründeter Defizite von Migrantinnen und Migranten, eine negative Konnotation erfährt. Im Gegensatz dazu wird weder der Auszubildende aus Sachsen, der aufgrund subjektiv besser empfundener Arbeits- und Lebensbedingungen nach Baden-Württemberg zieht, noch die amerikanische Gastprofessorin in der gesellschaftlichen Wahrnehmung als Migrant bzw. Migrantin bezeichnet, wenngleich die oben angeführte Definition in gleicher Form zutreffen würde.

Diesem analytischen Begriffsverständnis stehen auf der Ebene nationalstaatlicher Verfasstheit juristische Konstrukte gegenüber, die den rechtlichen Status von Migrantinnen und Migranten im Sinne staatsbürgerlicher Zuordnung definieren. Dabei lässt sich grundsätzlich zwischen Ausländern, also Personen die nicht die deutsche Staatsbürgerschaft besitzen, und Migrantinnen bzw. Migranten mit deutscher Staatsbürgerschaft differenzieren. Im Detail unterscheidet sich die Gruppe der Ausländer hinsichtlich des Aufenthaltsstatus. Das Gesetz über den Aufenthalt, die Erwerbstätigkeit und die Integration von Ausländern im Bundesgebiet (AufenthG) legt dabei vier unterschiedliche Aufenthaltstitel fest, angefangen vom Visum als kurzfristig geltende (max. 3 Monate) befristete Aufenthaltserlaubnis (z.B. zur Durchreise oder für Urlaubsreisen) bis zur unbefristeten Aufenthaltserlaubnis (z.B. EU-Bürger). Besonders für diese Arbeit ist in dem Zusammenhang relevant, dass die gesetzliche Definition des Aufenthaltsstatus auch dafür bestimmend ist, ob Ausländer in Deutschland einer beruflichen Beschäftigung nachgehen können. Demgemäß hängt auch die Ausübung einer selbstständigen Tätigkeit von einer entsprechenden Aufenthaltserlaubnis ab. Im Detail regelt der
21 des AufenthG alle damit einhergehenden Voraussetzungen und Bestimmungen.

Für Flüchtlinge gelten wiederum weiterführende Regularien gemäß Abschnitt 6 des AufenthG und der Genfer Flüchtlingskonvention. Demnach werden als Flüchtlinge nach Deutschland eingewanderte Personen bezeichnet, die aus den in der Genfer Flüchtlingskonvention definierten Gründen verfolgt werden und einen effektiven Schutz in ihrem eigenen Heimatstaat nicht beanspruchen können oder in ihrem Heimatland potenziell von Verfolgung bedroht sind. Danach gilt als Flüchtling laut dem hohen Flüchtlingskommissar der Vereinten Nationen (UNHCR), wer

" [...] aus der begründeten Furcht vor Verfolgung aus Gründen der Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen seiner politischen Überzeugung sich außerhalb des Landes befindet, dessen Staatsangehörigkeit er besitzt, und den Schutz dieses Landes nicht in Anspruch nehmen kann oder wegen dieser Befürchtungen nicht in Anspruch nehmen will; oder der sich als staatenlos infolge solcher Ereignisse außerhalb des Landes befindet, in welchem er seinen gewöhnlichen Aufenthalt hatte, und nicht dorthin zurückkehren kann oder wegen der erwähnten Befürchtungen nicht dorthin zurückkehren will" (Der hohe Flüchtlingskommissar der Vereinten Nationen 1951, S. 2).

Als besonders interessant mit Blick auf die vorliegende Arbeit ist hervorzuheben, dass

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