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Schulentwicklung gescheitert Die falschen Versprechen der Bildungsreformer von Schlee, Jörg (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 28.11.2013
  • Verlag: Kohlhammer Verlag
eBook (PDF)
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Schulentwicklung gescheitert

'Schulentwicklung' hat bis heute einen steilen bildungspolitischen Aufschwung zu verzeichnen. Sie wird von Kultusbehörden, wissenschaftlichen Einrichtungen, Stiftungen und Verbänden massiv unterstützt. Jedoch sind bislang systematisch erkennbare Auswirkungen ausgeblieben. Vielmehr zeigen sich in der schulischen Praxis eine 'Implementationslücke' (Hans-Günter Rolff) und ein 'Realisierungsloch' (Elmar Philipp). In den Schulkollegien sind zunehmende Erschöpfung und anwachsender Verdruss zu verzeichnen. Das Buch zeigt auf, wie durch Schulentwicklung humane Potentiale aufgerieben und materielle Ressourcen vergeudet werden. Anhand zahlreicher Kriterien werden ihr Leerformelcharakter, ihre praktische Nutzlosigkeit sowie ihr ethisches Versagen dargestellt. Daraus wird abgeleitet, welche Fehler und Irrtümer zu vermeiden und welche Alternativen zu ergreifen sind, damit künftig Schüler und Lehrkräfte mit mehr Freude und Erfolg die Schule besuchen können.

Prof. Dr. Jörg Schlee lehrte an der Universität Oldenburg 'Sonderpädagogische Psychologie' und steht durch Lehrerfortbildungen mit der Schulpraxis in direktem Kontakt.

Produktinformationen

    Format: PDF
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 193
    Erscheinungsdatum: 28.11.2013
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783170255432
    Verlag: Kohlhammer Verlag
    Größe: 2481 kBytes
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Schulentwicklung gescheitert

2 Zum Verständnis von Schulentwicklung

2.1 Zum Entstehungshintergrund: Erste Bedeutungsveränderung

Unter Schulentwicklung waren ursprünglich bildungspolitische Planungen zu verstehen, durch die in Kommunen eine angemessene Versorgung der unterschiedlichen Schularten gesichert werden sollte. Hierbei spielten Fragen nach dem Bevölkerungswachstum, nach der soziokulturellen Zusammensetzung, nach Wohngebieten und Verkehrsverbindungen, nach anderen Bildungseinrichtungen sowie nach der weiteren regionalen Infrastruktur eine wichtige Rolle.

Nach Holtappels & Rolff (2004, 51), die in der Bundesrepublik zu den renommiertesten Schulentwicklungsforschern zählen, geht der Begriff "Schulentwicklung" auf die Bezeichnung einer Arbeitsstelle an der Pädagogischen Hochschule Ruhr zurück. Aus dieser Arbeitsstelle ist später das "Institut für Schulenentwicklungsforschung" an der Universität Dortmund hervorgegangen. Zu den Aufgaben der Arbeitsstelle bzw. des späteren Institutes gehörten die Planung von Schulstandorten, die Konzeptualisierung geeigneter Gebäude sowie die Berechnung erforderlicher Raumkapazitäten. Es ging also hauptsächlich um kontrollierte Bedarfsanpassungen innerhalb des Schulsystems, nicht um Veränderungen in einzelnen Schulen.

Im letzten Jahrzehnt des vorigen Jahrhunderts begann sich jedoch die Bedeutung von Schulentwicklung zu verändern. Holtappels & Rolff (2004, 54f.) führen hierzu aus: "Erst etliche Jahre später bildete sich das heute dominierende Verständnis von Schulentwicklung heraus, das mit dem weltweiten Paradigmawechsel von der Perspektive zentralistischer Schulplanung zur Entdeckung der "Einzelschule als pädagogische Handlungseinheit" (Fend 1986) eine vehemente Schubkraft entfachte. Die Einzelschule geriet nicht nur aus pädagogischen Gründen ins Zentrum, sondern aufgrund einer weltweiten "Krise der Außensteuerung". (...) Spätestens seit 1990 wird die Einzelschule als Motor der Schulentwicklung (Dalin & Rolff 1990) gesehen, für dessen Wirkungsweise in erster Linie die Lehrpersonen und die Leitung selbst verantwortlich sind und andere Instanzen eher unterstützende und ressourcensichernde Funktionen ausüben. Bezeichnend für diesen Paradigmawechsel war die Einführung von Steuergruppen als Kernelement eines grundlegend neuen Leitungs- und Organisationsverständnisses von Schule (Dalin & Rolff 1990, 54ff). Die ersten schulischen Steuergruppen im deutschsprachigen Raum entstanden 1987 auf Anregung von Dalin und Rolff in Nordrhein-Westfalen. Inzwischen gibt es Bundesländer, in denen bereits mehr als jede zweite Schule über eine Steuergruppe verfügt. Es handelt sich dabei um eine der größten Innovationen der jüngeren Schulgeschichte, die so gut wie unerforscht ist."

Für die Schulentwicklung im ursprünglichen Verständnis waren Bildungsplaner und Beamte aus den Kultusbehörden zuständig, also Personen, die nicht in Schulen tätig sind. Ganz anders versteht sich Schulentwicklung nach dem Bedeutungswechsel: Nun werden die in Schulen tätigen Personen die Akteure der Entwicklung. Sie nehmen die vorgesehenen Veränderungen selbstverantwortlich in die eigenen Hände. So werden im Sinne einer Organisationsentwicklung nun Schulen nicht aufgrund externer Planungen, sondern weitgehend durch die Vorstellungen und Maßnahmen der eigenen Mitglieder weiterentwickelt. Auf diese Weise haben sich auch die Aufgaben von Schulleitungen und Lehrkräften erweitert. Dieser Veränderung hat die Kultusministerkonferenz durch den oben erwähnten Beschluss Rechnung g

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