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Jesper Juul und Inklusion: Juuls Denken als Beitrag einer künftigen (post)modernen Pädagogik von Ilse, Johannes (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.08.2015
  • Verlag: Diplomica Verlag GmbH
eBook (PDF)
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Jesper Juul und Inklusion: Juuls Denken als Beitrag einer künftigen (post)modernen Pädagogik

Diese Untersuchung beschäftigt sich mit den Schriften Jesper Juuls und ihrer Bedeutung für den gegenwärtigen pädagogischen Diskurs. Dafür arbeitet der Autor Grundelemente der erzieherischen und pädagogischen Konzeption Juuls heraus. Wenn der Autor sich mit dem theoretischen Fundament Juuls befasst, wagt er den Versuch dieses zu systematisieren, um es an konkrete theoretische Bezüge rückzubinden. Dabei kommt er zu dem Ergebnis, dass eine Systematisierung aus diversen Gründen kaum gelingen kann. Dennoch werden, auch im Hinblick auf inklusive Entwicklungen, drei wesentliche Grundannahmen in der Konzeption Juuls identifiziert, denen der Autor konkrete theoretische Bezüge zuweist. Ferner beschäftigt sich der Autor mit dem aktuellen inklusiven Diskurs. Hier versucht er Juuls Denken mit dem Ansinnen der Inklusion in Beziehung zu setzen. Wenngleich er an einigen Stellen Kohärenz nachweist, illustriert er ebenso die Grenzen, insbesondere die schulische Entwicklung im Feld der Inklusion betreffend. Juul wird als relevanter, d. h. kompetenter Gesprächspartner im gegenwärtigen pädagogischen Diskurs begriffen. Wesentliche Elemente seines Denkens werden abschließend kritisch gewürdigt.

Johannes Ilse, geb. in Halle (Saale), erwarb an der Universität Erfurt die akademischen Grade B.A. Erziehungswissenschaft (2011), M.A. Sonder- und Integrationspädagogik (2013). Fachliche Schwerpunkte: Pädagogik für Menschen mit Störungen im sozialen und emotionalen Verhalten; Sonder- und Integrationspädagogische Erklärungs- und Handlungsmodelle, insbesondere systemisch-konstruktivistische Ansätze in Beratung und Therapie; Inklusion und Integration; Bindungstheorie; gesellschaftliche Veränderungsprozesse zwischen Moderne und Postmoderne; Dialog und Diskursethik.

Produktinformationen

    Format: PDF
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 109
    Erscheinungsdatum: 01.08.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783842839205
    Verlag: Diplomica Verlag GmbH
    Größe: 1269kBytes
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Jesper Juul und Inklusion: Juuls Denken als Beitrag einer künftigen (post)modernen Pädagogik

Textprobe: Kapitel 2.1, Grundlagen der Pädagogik Jesper Juuls - Aus Erziehung wird Beziehung: Aus einem 2005 mit Ingeborg Szöllösi geführten Interview entstand das Buch Aus Erziehung wird Beziehung. Es eignet sich besonders als Einführung in die Pädagogik Jesper Juuls, da hier Einblicke in alle zentralen Bereiche seines Konzepts gegeben werden, veranschaulicht anhand zahlreicher Beispiele aus seiner langjährigen Erfahrung als Familientherapeut. Viele der besprochenen Themen (Gehorsam, Verantwortung, Grenzen, Nein sagen, Schule, Männerrolle, Pubertät, Patchworkfamilien...) betrachtet er noch einmal gesondert in je eigenen Büchern. Wenn ich im Folgenden von dem 'Konzept' Jesper Juuls spreche, ist das meine persönliche Setzung. Juul würde nicht von einem festen Konzept sprechen, weil er ein solches mit starren Methoden verbinden würde, über welche sein Verständnis von Erziehung in allen Familien als 'Super-Regel' eingesetzt werden könnte. Auch mein Anliegen ist das nicht! Ganz im Gegenteil: 'Jede Familie für sich ist einzigartig mit ganz eigenen Spielregeln und Gesetzmäßigkeiten' (Juul 2013a, 7). Ich möchte daher das 'Konzept' in einem weiten Sinne bezeichnen als die Grundhaltung und die Säulen, auf denen Jesper Juul sein Verständnis bzw. seine Betrachtungsweise von privater Erziehung oder professioneller Pädagogik aufbaut, um innerhalb dieses zweiten Kapitels Juul zu systematisieren. Es soll klar werden, wofür er steht und was er will. Erziehen bedeutet für Juul nicht 'korrigieren, maßregeln', sondern 'großziehen', im Sinne von 'jemandem helfen, erwachsen zu werden, ihn sozusagen ins Leben 'hineinzuziehen'' (Juul 2013b, 27). Kinder bräuchten Erziehung, aber verstanden als Lebensbegleitung, nicht als Überformung. Dies verlangt den Eltern viel Einfühlungsvermögen, Geduld und Offenheit ab, wie sich im Folgenden zeigen wird (vgl. ebd.). Jesper Juul sieht in 'Erziehung' ein einseitiges Vorgehen - ein Erzieher erzieht einen Zögling, gleich der alten Metapher des Steinmetzes, der aus dem Felsen eine Figur herausmeißelt. Dem gegenüber würde man jetzt erwarten, dass Juul das andere Extrem vertritt - der Gärtner, der die Saat seines gehegten Beetes begießt und jeden neuen Spross freundlich begrüßt. Aber so einfach macht er es sich nicht. Juul verweist klar darauf, dass Erziehung vor allem Gegenseitigkeit impliziert; sich als Prozess darstellt, in dem beide Seiten, die miteinander in Interaktion treten, aufeinander einwirken und sich 'erziehen' (Juul 2013b, 28). Darum folgert er, aus 'Erziehung' müsse 'Beziehung' werden (ebd.), weil sie es ist, die im Mittelpunkt des Zusammenlebens innerhalb einer Familie steht. An anderer Stelle liest man auch 'Einbeziehung'. Dies verdeutlicht einen zusätzlichen Akzent auf das große Thema Verantwortung. In Was Familien trägt liefert Juul seine aktuelle Einschätzung der Lage der Familien in Europa und stellt fest, dass die 'traditionelle Kernfamilie mit ihrer starren Rollenverteilung und dem ehelichen Versprechen 'Bis dass der Tod uns scheidet' [...] bereits vor einer Generation zusammengebrochen' (Juul 2012b, 7) ist. Die Möglichkeiten, Familie zu leben, haben sich vervielfältigt und mit ihnen auch die Werte. Juul sieht sich selbst als Angehöriger der ersten Generation nach diesem Zusammenbruch, die allem, was ihre Eltern lebten, den Heiligenschein nahmen und infrage stellten, '[...] doch sind im Grunde erst in den letzten zehn Jahren neue Spielregeln für Partnerschaft und Kindererziehung aufgestellt worden' (ebd.). So gibt es heute keine Einigkeit darüber, was richtig und falsch in der Kindererziehung und Partnerschaft ist. Vielmehr trifft jedes Paar darüber eine individuelle Entscheidung, auch, erklärt Juul, weil wir nicht mehr auf brauchbare Rollenmodelle zurückgreifen könnten. Die Entwicklung der Pluralisierung der Lebensformen fördert, neben der klassischen Kernfamilie, die schon zur Normalität gewordenen Alleinerziehenden oder 'Ein-Eltern-Familie

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