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Lese-/Rechtschreibförderung für Migrantenkinder Grundlagen, Diagnostik, Methoden von Mand, Johannes (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 30.08.2012
  • Verlag: Kohlhammer Verlag
eBook (PDF)
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Lese-/Rechtschreibförderung für Migrantenkinder

Kinder mit Migrationshintergrund haben es schwer in deutschen Schulen. Ohne gezielte Förderung entstehen Entwicklungsverzögerungen und manchmal auch gravierende Probleme in der Lese-/Schreibentwicklung. Die Folgen: Schüler mit Migrationshintergrund werden zu hohen Anteilen als lernbehindert eingestuft. Sie stellen fast die Hälfte der Schulabgänger ohne angemessene Lesekenntnisse. Und viel zu viele von ihnen erreichen keinen Schulabschluss. Das Buch bietet eine klar strukturierte Handlungshilfe für die praktische Arbeit und wendet sich an Pädagogen im Elementar-, Grundschul- bzw. Förderschulbereich sowie an Legasthenie-Therapeuten. Es beginnt mit einer Analyse von problematischen Entwicklungsbedingungen in Familien mit Migrationshintergrund Dann werden diagnostische Instrumente und ihre Eignung für die Arbeit mit Migrantenkindern untersucht. Schließlich geht es um wissenschaftlich gesicherte Erkenntnisse über Vor- und Nachteile einzelner Fördermethoden. Die Wirkungsforschung wird ausführlich beschrieben. Leser können auf dieser Grundlage entscheiden, welche Angebote gut sind für bilinguale Kinder, welche sich eher nur mäßig wirksam erwiesen haben und welche möglicherweise sogar kontraproduktiv sind. Professor Dr. Johannes Mand lehrt am Fachbereich Heilpädagogik der Evangelischen Fachhochschule Rheinland-Westfalen-Lippe in Bochum.

Produktinformationen

    Format: PDF
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 216
    Erscheinungsdatum: 30.08.2012
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783170235113
    Verlag: Kohlhammer Verlag
    Größe: 3787 kBytes
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Lese-/Rechtschreibförderung für Migrantenkinder

3 Diagnostische Instrumente in der Arbeit mit Migrantenkindern

Wer erfolgreich mit Kindern nicht deutscher Muttersprache arbeiten will, muss diagnostisch arbeiten. Das hat zum einen damit zu tun, dass einfach zu wenig bekannt ist über mögliche Verläufe in der Lese- und Schreibentwicklung bei Kindern aller denkbarer erster Sprachen. Und es ist klar: Die Information, dass eine nicht deutsche erste Sprache vorliegt, reicht keineswegs aus, um auch nur einigermaßen angemessene Förderangebote bereit stellen zu können. Wenn etwas aus dem vorangehenden Kapitel klar hervorgegangen ist, dann dies: In aller Regel haben sehr unterschiedliche Variablen Einfluss auf die Spannbreite möglicher Entwicklungen. Man muss Interferenzen beachten. Wesentlich ist, welche Kinder welche Sprachfertigkeiten in welcher ersten Sprache erreicht haben und wann und in welchem Umfang ein Kontakt mit der zweiten Sprache stattfand. Ob und in welchen Ausmaß Probleme in der phonologischen Bewusstheit bestehen, kann gravierende Auswirkungen haben. Soziale und kognitive Varibalen kommen hinzu. Und selbst dann, wenn all das bekannt ist, was nach Stand der Forschung Einfluss auf die Verläufe der Lese-/Schreibentwicklung in der zweiten Sprache haben kann, selbst dann sind unterschiedliche individuelle Besonderheiten möglich. Vor diesem Hintergrund ist eine professionelle Sprachförderung für Migrantenkinder ohne diagnostische Arbeit überhaupt nicht denkbar.
3.1 Gute und schlechte Testverfahren

Nun haben sich in Pädagogik und Psychologie unterschiedliche diagnostische Schulen ausgebildet. Es gibt zum einen eine starke psychologisch geprägte diagnostische Tradition, in der es sehr deutlich darum geht, möglichst objektive, vergleichbare Aussagen über die Sprachfertigkeiten von Kindern zu machen. Instrumente der Wahl dieser diagnostischen Schule sind Testverfahren, die durch Standardisierung (vor allem der Testdurchführung und Auswertung) und den Vergleich zu einer Eichstichprobe sicherstellen wollen, dass die Ergebnisse z.B. unabhängig vom Testleiter ausfallen bzw. dass die Sprachfertigkeiten von Kindern vergleichbar werden. In Teilen der pädagogischen diagnostischen Tradition hat sich für ein solches diagnostisches Vorgehen der Begriff "Testdiagnostik" eingebürgert.

Es ist durchaus interessant, objektive Informationen über den Stand der Lese-/Schreibentwicklung von Kindern zu erhalten. Und auch die Frage, welchen Prozentrangplatz ein Kind erreichen kann, wenn man es mit einer möglichst umfangreichen, nach nachvollziehbaren Kriterien der Testtheorie gewonnenen, einigermaßen aktuellen Eichstichprobe vergleicht, ist sicher nicht ohne Bedeutung. Denn diese Informationen sind vielfach die Basis für die Verteilung von Mitteln, etwa für die Frage, ob Sprachförderung, ob Legasthenietherapie finanziert wird, oder für die Frage, ob sonderpädagogische Förderung angemessen ist.

Einen vollkommen anderen Ansatz verfolgt der eher pädagogische Zugang zur diagnostischen Arbeit: die Förderdiagnostik. Hier geht es nicht darum, Kinder vergleichbar zu machen. Auch gibt es keine wie auch immer gearteten Normierungsvorgaben. Zentrale Aufgabe förderdiagnostischer Verfahren ist es vielmehr herauszufinden, durch welche Angebote individuelle Lernfortschritte erreicht werden können. Entstanden ist diese diagnostische Tradition im Zuge der Integrationsdebatte, also im Zuge der Auseinandersetzungen um Integration oder Inklusion von behinderten Kindern. Diagnostische Instrumente, die dafür entwickelt waren, möglichst trennscharf zwischen behinderten und nicht behinderten Kindern zu unterscheiden, erwiesen sich als nur begrenzt hilfreich in Institutionen, die sich der gemeinsamen Förderung dieser Kinder verschrieben hatten. Aus der Unzufriedenheit mit den alten testdiagnostischen Verfahrensweisen und dem Bedürfnis nach soliden Informationen für den Unterricht entstand die Förderdiagnostik.

Tab. 6: Diagnostische Schulen in Psycho

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