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Pädagogik der Jugendphase Wie Jugendliche engagiert lernen. Hintergründe und Praxiswissen von Sliwka, Anne (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 12.02.2018
  • Verlag: Beltz
eBook (ePUB)
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Pädagogik der Jugendphase

Wie kann Unterricht so gestaltet werden, dass Teenager eigenverantwortlich, engagiert und motiviert lernen? Weltweit zeigen Studien einen Einbruch der Lernmotivation im frühen Jugendalter. Dies führt bei vielen Jugendlichen zu verschlechterten Schulleistungen und zu Schulmüdigkeit. Der Grund für dieses "Motivationsloch": Schule und Unterricht reagieren bislang zu wenig auf die starken kognitiven und sozial-emotionalen Veränderungen in der Jugendphase - und auf den großen Umbruch in der Lebenswelt der Jugendlichen, die Digitalisierung. Hier setzt das Buch an: Die Autorin arbeitet die aktuelle Forschung zum Lernen im Jugendalter anschaulich und praxisrelevant auf. Anhand von Studien und Schulbeispielen, auch aus erfolgreichen Ländern wie Kanada, Singapur und Finnland, zeigt sie, wie lehrerzentrierter, instruktiver Unterricht und neue Formen des forschenden und ko-konstruktiven Lernens Hand in Hand gehen können - damit Schule Jugendlichen und Lehrkräften wieder Freude macht. Dr. Anne Sliwka ist Professorin für Schulpädagogik an der Universität Heidelberg.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 152
    Erscheinungsdatum: 12.02.2018
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783407295491
    Verlag: Beltz
    Serie: Pädagogik
    Größe: 4583 kBytes
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Pädagogik der Jugendphase

Jugend als Übergangsphase: Was wir heute wissen

Die Jugend beschreibt die Lebensphase am Übergang von der Kindheit zum Erwachsenenalter und beginnt mit dem Einsetzen der Pubertät. Mit Ausnahme der ersten Lebensjahre ist keine Lebensphase im menschlichen Leben von einer stärkeren Entwicklungs- und Veränderungsdynamik geprägt als das Jugendalter. Doch während Kleinkinder im Alter von null bis drei Jahren ihre eigene Entwicklung nicht bewusst wahrnehmen, setzen sich Jugendliche mit den Veränderungen, die sie durchlaufen, dem Umbauprozess ihres Körpers, ihrer Psyche und ihrem Leben durchaus aktiv auseinander (Yee 2015). Es ist sogar so, dass ihre teilweise dramatische Selbstwahrnehmung einen starken Einfluss auf Jugendliche in ihrer Rolle als Lernende hat.

Während in der Vergangenheit häufig die äußeren Veränderungen des Körpers im Zusammenhang mit der Jugendphase thematisiert wurden, wissen wir heute, dass auf dem Weg vom Kind zum Erwachsenen vor allem das Gehirn umgebaut wird. Das verändert neben den biologischen vor allem ihre kognitiven, psychologischen und sozialen Charakteristika (Lerner 2005, S.3). Dieser Umbauprozess ist von einer hohen Komplexität geprägt: So verläuft das körperliche Heranwachsen nicht in derselben Taktung wie die kognitive Entwicklung oder die emotionale Reifung.

Dass ein Jugendlicher anspruchsvolle Denkprozesse in einem Schulfach wie Mathematik ausführen kann, bedeutet nicht automatisch, dass er in der Lage ist, diese kognitiven Fähigkeiten auch auf persönliche Entscheidungsprozesse anzuwenden (Lerner 2005; Lerner/Steinberg 2004; Scales 1996/Scales/Taccagna 2001). Die kognitiven und emotionalen Übergangsprozesse vom Kind zum Erwachsenen laufen weder synchron noch linear ab. Das macht sie für Lehrkräfte und Eltern so wenig vorhersehbar.

Die Veränderungen zwischen dem zehnten und dem 18. Lebensjahr eines Menschen betreffen fünf Aspekte (Centre for Collaborative Education 2003; Manitoba Education 2010; Yee 2015):

kognitiv: Jugendliche sind zunehmend in der Lage zu abstrakten, kritischen, komplexen und vorausschauenden Denkprozessen, wenn sie angemessen intellektuell gefordert werden.

sozial: Während Jugendliche auf unterschiedlichen Ebenen ihre eigene Identität hinterfragen und suchen, haben sie gleichzeitig ein stark ausgeprägtes Bedürfnis dazuzugehören und von ihren Peers akzeptiert zu werden.

körperlich: Die körperliche Reifung Jugendlicher verläuft in unterschiedlichen Geschwindigkeiten und sprunghaft. Dabei zeigen die Heranwachsenden teilweise unbeholfene und unkoordinierte Bewegungen.

emotional und psychisch: Jugendliche nehmen die Veränderungen ihres Körpers und ihrer Psyche wahr und fühlen sich durch hormonell bedingte kurzfristige Stimmungsveränderungen verletzlich und angreifbar.

politisch-moralisch: Der Wahrnehmungshorizont von Jugendlichen wird breiter und komplexer. Als Idealisten wollen Jugendliche Einfluss auf ethische und politische Prozesse nehmen.

Die fünf Entwicklungsstränge hängen zwar eng miteinander zusammen, doch deren unterschiedliche Entwicklungen laufen asynchron und nicht selten sprunghaft ab. Die mehrdimensionalen und diskontinuierlichen Entwicklungen machen die Jugend zu einer Phase der "Ungleichzeitigkeit des Gleichzeitigen". So wundern sich Eltern, dass derselbe Sohn, der vernünftig und zielorientiert im Schwimmclub auf ein Rettungsschwimmerabzeichen hinarbeitet, sich bei einer Party durch eigenes riskantes Verhalten in eine Gefährdungssituation begibt. Junge Lehrkräfte sind erstaunt darüber, dass in einer siebten Klasse Schülerinnen und Schüler zusammenkommen, die teilweise noch wie Kinder, teilweise schon wie junge Erwachsene wirken. Aus wissenschaftlicher Sicht wissen wir heute, dass all das "normal" ist. Daher brauchen Lehrkräft

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