text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Lebenskunst lernen? Lebenslanges Lernen aus subjektwissenschaftlicher Sicht von Lerch, Sebastian (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 08.06.2010
  • Verlag: wbv Media
eBook (PDF)
29,90 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Lebenskunst lernen?

Lifelong learning has become an important issue in the current educational debate. Relevant research is mainly directed to economic aspects and evaluates educational processes with a view to their usefulness for individuals in their working lives and social interests. The author of this dissertation, however, follows a holistic approach. For this reason he introduces the term 'art of living' into the debate and raises the question of the role of adult education for individual self-reflection from the aspect of a successful life. Sebastian Lerch ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Andragogik an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg.

Produktinformationen

Weiterlesen weniger lesen

Lebenskunst lernen?

4 Bildungstheoretische Rekonstruktion Lebenslangen Lernens (S. 119-120)

"Arbeiten aber heißt: unternehmen, etwas anderes zu denken, als man zuvor gedacht hat." (Foucault 1989, S. 15)

4.1 Entwicklung eines integrativen Interpretationsrahmens

Die hinter der Forschungsarbeit stehende Grundidee bestand darin, bisher dominierende Lesart(en) Lebenslangen Lernens im historischen Verlauf aufzuzeigen. Dies wurde unter Berücksichtigung der geschichtlichen Herkunft und der Sinngenese des Begriffs geleistet (vgl. Kap. 3): In den theoretischen Diskussionen der Erwachsenenbildung der 1960er Jahren ist die Fokussierung des Menschen zwischen den Antipoden Emanzipation und Anpassung auffallend. Nach der zunehmenden Orientierung des Subjekts an Anforderungen der Berufswelt in den 1970er Jahren wird in den 1980er Jahren der Versuch unternommen, den ganzen Menschen wieder in den Blick zu nehmen – wenngleich freilich die begonnene Tendenz der Untergrabung des Subjekts bestehen bleibt. In den 1990er Jahren wird diese Subversion verschärft, indem Biographien von Menschen als Kompetenzschablonen betrachtet werden. Diese Entwicklung wird durch eine gleichzeitige Zunahme der Individualisierung verstärkt.

Diese schlagwortartig zusammengefassten Perspektiven auf den lernenden Menschen zu jeweiligen Zeitphasen in der Wissenschaft der Erwachsenenbildung sind allerdings auf vielfältige Weise miteinander verwoben. Gemeinsames Desiderat ist jedoch, dass Lebenslanges Lernen sich im zeitlichen Verlauf zunehmend am Arbeitsmarkt ausgerichtet hat und unter dem Primat der ökonomischen Verwertbarkeit betrachtet wird: Unter der Vorstellung vom Lebenslangen Lernen als Mittel der Entgrenzung von Arbeit und Lernen (vgl. Kap. 3.3.4.) gewinnt seit Mitte der 1990er Jahre die Form des Lernens an Bedeutung, die "auf einen bestimmten Handlungstypus, einen bestimmten Identitätsentwurf, eine bestimmte Form der Selbstmobilisierung innerhalb des marktförmigen Bildungsraums" (Pongratz 2007, S.6) verweist: Damit rückt in die Erwachsenenbildung ein neuer Akteur ein, welcher "die Inhalte nicht mehr inhaltlich-material, sondern ökonomisch auswählt. Solange der lernende Entrepreneur sein Bildungskapital verwerten kann, hat er richtig gewählt" (Forneck 2005a, S. 325). Zwar wird das Subjekt als Angriffspunkt von Bildungs- und Qualifizierungsarbeit notwendigerweise stark fokussiert, allerdings um den Preis der Verzweckung und Selbstökonomisierung des Subjekts.

Um das Subjekt als Subjekt wieder in den Blick zu nehmen, sollen dieser Entwicklung gegenläufige Momente entgegengestellt werden. Zum Teil wurde dies bereits in der Diskussion im Kapitel 3 geleistet, wenn etwa an die Hessischen Blätter für Volksbildung 1966 gedacht wird. In deren Heft 1 (Grundfragen der Erwachsenenbildung: Politische Bildung) war eine an Arbeit und Leben orientierte Vorstellung Lebenslangen Lernens noch vorherrschend (vgl. Späth 1966, S. 10–13). Die folgende Erkenntnisarbeit wird daher historische Alternativen freilegen und eine subjektwissenschaftliche Perspektive eröffnen, "die der gegenwärtigen erziehungswissenschaftlichen Theorie zum Nachteil ihrer aufklärenden Funktion nicht präsent" ist. "Diese Arbeit, nicht aufbewahrte theoretische Alternativen, verschüttete, nicht-erprobte und nicht-überprüfte Konjunkturen und Entwürfe sowie vergessene Elemente des umfassenden sozialen Wirkungsgefüges in die wissenschaftliche Welt zu re-integrieren, ist eine der kritischen Leistungen" (Dräger 1985, S. 31) der vorliegenden Forschungsarbeit.

Die angestrebte Ausformulierung vergessener Dimensionen zielt daher vor allem auf eine bildungstheoretische Rekonstruktion Lebenslangen Ler

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen