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Das PatchworkBuch Wie zwei Familien zusammenwachsen von Starke, Claudia (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 04.03.2015
  • Verlag: Beltz
eBook (ePUB)
15,99 €
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Das PatchworkBuch

Familienglück oder Chaos pur? Wer Patchwork lebt, muss viele Klippen meistern. Anhand der Geschichte einer Patchworkfamilie bietet dieses Buch Erklärungen für häufige Konflikte sowie Rat und Lösungswege. Immer können die Leser nachvollziehen, was sie in ihrer Patchwork-Situation gerade richtig oder falsch machen. Darüber hinaus bieten die Autoren im zweiten Teil des Buches eine umfassende Beratung und geben entsprechende Empfehlungen, wie kluge Entscheidungen zu treffen sind.

Dr. Claudia Starke ist Ärztin und Psychotherapeutin und ist in Instituten für Systemische Therapie in München und Zürich tätig. Heute arbeitet sie in einer Praxisgemeinschaft am Zürichsee u.a. mit dem Schwerpunkt Patchworkfamilien.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 352
    Erscheinungsdatum: 04.03.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783407222848
    Verlag: Beltz
    Größe: 4287 kBytes
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Das PatchworkBuch

Alternative 1

Beate

Als ich die Tür öffne, gucke ich meiner Mutter ins Gesicht. Das hat mir gerade noch gefehlt. Lächelnd reicht sie mir eine Gratinform, die bis oben gefüllt ist mit buntem, knackigem Gemüse, kleinen Butterflocken und frisch geriebenem Käse. Das Ding könnte glatt in einem Kochbuch abgebildet werden, ohne dass man Photoshop bemühen müsste.

"Für euch", sagt sie und blickt demonstrativ über meine Schulter zum gesprenkelten Herd, auf den gerade zischend das überlaufende Nudelwasser fließt. So was macht sie ständig. Ich könnte sie ohrfeigen. Doch schon merke ich, wie sich mein Gesicht zum Brave-Tochter-Lächeln verzieht und meine Hand sich in einer dankbar anmutenden Bewegung ausstrecken will, um ein Abendessen in Empfang zu nehmen, das ich nicht geplant hatte und worauf ich keine Lust habe. Heute Abend ist - wie jeden Dienstag - Pizza an der Reihe, und das weiß Mama genau. Nur hält sie Pizza für ungesunden Italienerfraß. "Deshalb sind die alle klein und dick", pflegt sie zu sagen. Ich frage mich, was die Körpergröße mit der Ernährung zu tun hat. Aber selbst diesen Schwachsinn habe ich stets unwidersprochen gelassen. Ganz zu schweigen von ihren Vorwürfen, ich sei für das Scheitern meiner Ehe allein verantwortlich. Mein Verhalten Konrad gegenüber sei unsäglich, hat sie erst kürzlich gesagt, er habe es doch immer gut mit mir gemeint. Und als wäre das noch nicht genug, unterstellte sie mir doch tatsächlich, ich würde bei meinem Egotrip kein einziges Mal an die Kinder denken. Wo ich mich seit Sammys Geburt um nichts anderes als unseren Nachwuchs kümmere.

Als ich an dieses Telefongespräch vor ein paar Tagen denke, werde ich so wütend, dass ich plötzlich die Kraft finde, zu sagen: "Genug."

"Was genug?", fragt sie und beobachtet verblüfft, wie ich meine bereits ausgestreckte Hand wieder zurückziehe.

"Genug, dass du hier unangemeldet aufkreuzt, um zu überwachen, ob ich meinen Haushalt richtig führe. Genug, dass du mir vorschreiben willst, was ich meiner Familie zum Abendessen serviere. Genug, dass du dich in meine Eheprobleme einmischst. Genug, dass du dich in mein Leben einmischst!" Den letzten Satz hätte ich geschrien, wenn ich nicht im letzten Moment noch an Clea gedacht hätte, die hinter mir am Malen ist.

Ich gucke meine Mutter herausfordernd an. Sie guckt erschrocken zurück. Sie kapiert es nicht, denke ich. Seufzend trete ich einen Schritt zur Seite und lasse sie herein. Mir wird klar, dass ich die Sache, die ich angefangen habe, nun auch zu Ende bringen muss.

Nachdem ich die verkochten Nudeln weggekippt und das Gratin in den Ofen geschoben habe, bitte ich Clea fernzusehen, bis das Gratin gar ist. Das muss ich ihr nicht zweimal sagen.

Ich setze mich zu meiner Mutter an den Küchentisch und drehe gedankenverloren die Zeichnung zu mir, die Clea ihrer Großmutter geschenkt hat.

"Blume auf Hügel", sagt meine Mutter erklärend. Ein hilfloser Versuch, ein Gespräch in Gang zu bringen.

"Blume auf Scheißhaufen", antworte ich halb grimmig, halb belustigt und weiß, dass sie gleich verschämt lachen wird. Meine Mutter hat schmutzige Wörter immer heimlich gemocht, doch ihre Erziehung hat ihr verboten, sie zu benutzen. Ich blinzle ihr zu und sie lässt ihr leises, hohes Kichern hören.

Leider währt der Frieden nicht lange. Noch während ich mit dem Zeigefinger die Konturen der Blume nachzeichne, die auf dem Hügel steht, der farblich und der Form nach tatsächlich eher einem Scheißhaufen gleicht, sagt sie: "Schätzchen, ich wünsche mir doch nur, dass es dir gut geht."

"Es geht mir nicht gut, wenn ich mit Konrad zusammenbleibe", antworte ich.

"Aber warum denn nicht? Er tut doch alles für euch, bringt genug Geld nach Hause, ermöglicht euch ..."

"Mama!", unterbreche ich sie laut und vorwurfsvoll. "Willst du mir jetzt schon wieder sagen, dass ich alleine schuld

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