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Frau Kita und Herr Vermieter Über die Kunst, Scheidung, Wohnungsmangel und Kitaplatzsuche zu meistern von Lies, Annette (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 11.11.2019
  • Verlag: mvg Verlag
eBook (ePUB)
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Frau Kita und Herr Vermieter

Eine Scheidung ist eine unerfreuliche Angelegenheit. Mit Kleinkind in der Großstadt erst Recht. Als Annette Lies wegen seelischem Eigenbedarf aus dem Reihenhaus auszieht ahnt sie nicht, dass die Probleme erst beginnen: Meldeadresse und Kitaplatz weg, Anwälte nur auf Warteliste, Verlosungen unter den Bedürftigen der Stadt und Erzieher, die im Bedarfsfall nur die Mutter anrufen. Enttäuschte Eltern, schockierte Freunde, alleinstehende Paartherapeuten und eine Umzugs-Mafia, die sich auf Trennungen spezialisiert hat. Zwischen neuer Steuerklasse und Teilzeit-Falle stellt sich die Frage, ob der Ex-Mann nicht doch der Netteste ist? Ein Plädoyer für das Mutterwohl und der ultimative Guide, wie man trotz des neuen Scheidungsrechts seelisch und finanziell überlebt. Annette Lies wurde 1979 im Ruhrgebiet geboren. Die gelernte Werbekauffrau arbeitete als Texterin und Stewardess, bevor sie ihr Diplom als Dramaturgin an der Münchner Filmhochschule erwarb. Sie veröffentlichte fünf Romane, ihre Saftschubse-Reihe wurde unter dem Titel Love is in the air von Sat1 verfilmt. Heute lebt sie als Writing Mom für (Dreh-)buch in München und träumt von einem Leben als digitale Momadin. Frau Kita und Herr Vermieter ist ihr erstes Sachbuch. Völlig unsachlich, versteht sich.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 336
    Erscheinungsdatum: 11.11.2019
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783961214747
    Verlag: mvg Verlag
    Größe: 1004 kBytes
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Frau Kita und Herr Vermieter

1. IM ZWEIFEL FÜR DEN ANGEKLICKTEN

Es begann alles ganz harmlos.

Nichts an diesem Tag oder seinem Online-Profil deutete auf die Katastrophe hin. Wie auch? Immerhin waren wir beide aufgeschlossene Elite-Starter. ( Drum prüfe, wer sich ewig tindert wäre auch ein schöner Titel.) Das bedeutet, wir waren wirtschaftlich wie emotional ebenbürtige, erwachsene Menschen mit biologisch tickender Uhr, die einander gezielt aussuchten. Freiwillig. Zwecks Kennenlernens und hoffentlich Liebe, im besten Fall Familiengründung. Nach den neuesten Kriterien unserer Generation. Liebevoll? Empathisch? Verantwortungsbewusst? Ja? Gut! Falls nicht, dann Danke für den netten Kontakt .

So viel rein gefühlsmäßiger Spielraum war für meine Begriffe eine ziemlich gelungene Ausgangssituation für immerwährendes Glück. Der Luxus meiner Generation: Alles kann, nichts muss. Von den traumatischen Kriegsbegegnungen unserer Großeltern über die impulsiven Petticoat-Paarungen zu verruchten Rock 'n' Roll-Elvis-Klängen unserer Eltern hatten wir uns weiterentwickeln können, hin zur Seele und ihren kristallklaren Bedürfnissen. Was sollte da schon groß schiefgehen?

Maximal würde er, wenn die Kinder im Teenager-Alter waren, mit einer Jüngeren liebäugeln oder gar Schlimmeres anstellen.

Ich empfand mich da als unglaublich aufgeklärte Realistin - wissend, dass man in so einer Ehe sicherlich mal eine Affäre würde gemeinsam meistern müssen. Seine, versteht sich. Autowaschanlagen-Langeweile, das Verglühen Oxytocin-geladener Funken in der feindlichen Atmosphäre des Alltags, Differenzen über das farblich korrekte Sortieren der Wäsche, Diskussionen darum, wer an kalten Novembertagen mit dem Hund geht, und ob unsere zwei bis vier Kinder vor dem Abendessen noch ein Eis haben dürften oder nicht - das alles war der maximale Horizont von Problemen, den ich mir in einer Ehe hatte vorstellen können. Bevor das Ganze passierte.

An einem schönen Frühlingstag dieses Schicksalsjahres, meinem einunddreißigsten Lebensjahr, an dem ich noch vogelfrei zu Hause in Flip-Flops vorm Laptop saß, handelten wir beide, die dem Gericht später als Hätte gegen Dr. Hätte bekannt werden würden, nicht aus irgendeiner Not heraus. Er brauchte keine Frau zum Angeben, ich keinen Gönner. Nur die reine romantische Sehnsucht machte uns miteinander bekannt. Und der Wille, sich endlich und wirklich, nach den legeren Beziehungserfahrungen in unseren Zwanzigerjahren, festzulegen. Aus vollem Herzen konnte ich es kaum erwarten, mich bewusst und final für jemanden zu entscheiden und mein Leben in unseres zu verwandeln. Der Lebensabschnitt Ü30 war da, der Gefährte dazu noch nicht, aber das waren Details, dank Datingportal leicht zu beheben.

Besonders stolz war ich darauf, auch als Frau über dreißig keineswegs bloß ein Kind zu wollen. Denn Kinderkriegen ist, im Grunde genommen, etwas zutiefst Egoistisches - finden Sie nicht? Man will sich selbst in der Rolle der Mutter oder des Vaters erleben. Daher wollte ich dieses Abenteuer, gerade dem Kind oder den Kindern zuliebe, nur wagen, falls die Rahmenbedingungen stimmten. Ansonsten hätte ich mich auch mit einem anderen Lebensentwurf arrangieren können. Aber noch war ja alles offen!

Für dieses Unterfangen gab es durchaus auch in freier Wildbahn Männer in meinem Leben. Ganz analog und ohne Gebühr. Aber ich wollte gerne mal jemanden außerhalb meiner eigenen Berufsgruppe (Luftfahrt) kennenlernen, sozusagen über den Tablettrand daten.

Meine Augen flogen über seine online gestellten Lieblingszitate und -bücher, seine Vorliebe für schnelle Autos und langsame Walzer, und sein Lebensmotto: Carpe diem. Fand ich auch. Deshalb saß ich ja hier - und suchte tatkräftig nach meiner, nein, unserer Zukunft. Klick, klick, Glück.

Elite hieß in unserem Fall, dass er wirtschaftlich gut gestellt war (selbstständig) und ich vor allem emotionales Kapital gebildet hatte (Angestellte mit Lebens

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