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Kindheit ohne Strafen Neue wertschätzende Wege für Eltern, die es anders machen wollen von Saalfrank, Katharina (eBook)

  • Verlag: Beltz
eBook (ePUB)
15,99 €
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Kindheit ohne Strafen

Time-out, Handy- und Computerverbote, wenn-dann-Sätze: Strafen und Konsequenzen als Konfliktlösestrategie halten sich hartnäckig im Erziehungsrepertoire von Eltern und in den Ratgebern von Experten. Ob es um Zimmer aufräumen oder Hausaufgaben machen geht - was kurzfristig funktioniert, zeigt langfristig Schaden, denn Kinder erleben durch Strafen Demütigung, Ablehnung, Vertrauensverlust, und das Familienklima wird durch Machtkämpfe vergiftet. Die bekannte Pädagogin Katharina Saalfrank beschreibt in diesem Buch, warum ein auf Bindung und Wertschätzung basierender Umgang mit Kindern Strafen überflüssig macht. Anhand zahlreicher Erfahrungsberichte aus dem Alltag mit Kindern zwischen Autonomiephase und Pubertät zeigt sie neue Handlungsalternativen auf. Sie geht auf die Gefühlswelt der Kinder und Eltern ein und erläutert, wie wertschätzende Beziehung und Kommunikation einen anderen Umgang mit Stresssituationen möglich machen. Katharina Saalfrank ist Diplom-Pädagogin, Musiktherapeutin, Eltern- und Familienberaterin sowie erfolgreiche Ratgeber-Autorin. Sie arbeitet bindungs- und beziehungsorientiert in eigener pädagogisch-psychologischer Praxis in Berlin und stellt vor allem die konstruktive Beziehung zwischen Eltern und Kindern sowie die emotionalen Entwicklungsprozesse der Kinder in den Mittelpunkt. Von 2004 bis 2011 hat sie als Pädagogin in der RTL-Sendung Die Super Nanny Familien in schwierigen Situationen gecoacht. Katharina Saalfrank ist Mutter von vier Söhnen und lebt mit ihrem Mann in Berlin.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 264
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783407864970
    Verlag: Beltz
    Größe: 3268 kBytes
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Kindheit ohne Strafen

Einleitung

"Nein", sagt der Vater von Leon. Ärgerlich schaut er den Vierjährigen an. "Neeeeein", wiederholt er noch einmal bewusst mit tiefer Stimme, um seinem Nein noch mehr Gewicht zu verleihen. "Nein, Leon, jetzt reicht's mir aber!", stößt er ungeduldig aus. "Mein lieber Freund! Wenn du jetzt nicht von der Fensterbank herunterkommst, dann spiele ich nicht mehr mit dir, und zur Oma gehen wir nachher auch nicht!"

Kommt Ihnen das bekannt vor? Sie bitten Ihre Kinder mehrmals, etwas zu tun oder zu unterlassen. Sie haben als Eltern gute Gründe für Ihre Bitten, Sie haben es erklärt, mehrfach. Sie versuchen es freundlich, Sie sagen es noch und noch einmal! Doch Sie haben einfach das Gefühl, überhört zu werden oder "gegen eine Wand" zu reden. Oder gar, dass Ihr Kind Sie bewusst ärgern möchte! Wenn Sie dann irgendwann glauben, die komplette Bandbreite Ihrer Möglichkeiten ausgeschöpft zu haben, beginnen Sie, mit Konsequenzen zu drohen, oder verhängen Strafen:

"Jetzt reicht's mir aber", ruft Lisas Mutter genervt ihrer zwölfjährigen Tochter entgegen. "Ich habe es im Guten versucht, und ich war sehr geduldig! Wir haben x-mal drüber geredet. Und was ist passiert? Nichts! Dein Zimmer ist nicht aufgeräumt und deine Hausaufgaben hast du auch noch nicht gemacht. Es reicht mir jetzt wirklich!" Das Gesicht der Mutter ist vor Ärger rot angelaufen. Nachdem es den ganzen Nachmittag Streitereien gegeben hatte, platzt ihr nun der Kragen, und sie schreit los: "Das hat jetzt Konsequenzen, mein Fräulein! Du hast dich nicht an unsere Absprachen gehalten, das geht so nicht. Dafür darfst du heute Abend kein Fernsehen mehr schauen, und den Besuch am Wochenende bei deinen Freundinnen kannst du auch vergessen!"

Lassen Sie uns ein kleines Gedankenexperiment machen und diese Situation in eine Erwachsenenbeziehung übersetzen. Folgender Dialog entsteht dann:

Frau (empört): "Was? Du hast nicht aufgeräumt? Das kann doch wohl nicht wahr sein."

Mann: "Ich hatte noch andere Dinge zu tun und bin noch nicht dazu gekommen."

Frau (wird lauter): "Wie? Und unsere Buchung für den Urlaub hast du auch noch nicht erledigt?"

Mann: "Das wollte ich noch machen."

Frau (laut): "Also, jetzt reicht's wirklich! Ich habe es im Guten versucht, und ich war sehr geduldig! Wir haben x-mal drüber geredet. Und was ist passiert? Nichts! Die Küche ist nicht aufgeräumt, und unser Urlaub ist auch nicht gebucht. Es reicht mir jetzt wirklich." Frau (schreit jetzt): "Das hat jetzt Konsequenzen, mein lieber Freund! Du hast dich nicht an unsere Absprachen gehalten, das geht so nicht! Dafür darfst du heute Abend das Fußballspiel nicht anschauen, und dein Bier am Wochenende mit deinen Freunden kannst du auch vergessen."

Wenn ich in meinen Veranstaltungen zu diesem kleinen Gedankenexperiment einlade, reagiert das Publikum immer gleich: Es lacht laut auf, und viele schmunzeln. Es hört sich eben lustig an, wenn der eine Partner dem anderen wie einem Kind droht. Unter Erwachsenen hört es sich "schräg" an - zwischen Eltern und Kindern finden solche Dialoge tagtäglich statt, und Erwachsene finden das erst einmal gar nicht merkwürdig. Denn: Ist es nicht so, dass wir Eltern dafür verantwortlich sind, aus unseren Kindern gesellschaftsfähige Wesen zu machen? Und gehört es da nicht auch dazu, ein Verhalten, das wir nicht gutheißen, zu sanktionieren und Kindern Grenzen aufzuzeigen? Ist das nicht notwendig, wenn wir wollen, dass Kinder sich an die Regeln in unserer Gesellschaft halten?

Nein, es ist nicht notwendig. So viel kann ich schon einmal sagen. Warum wir es trotzdem häufig tun und warum es uns so schwerfällt, es anders zu machen, lohnt sich zu hinterfragen. Doch für mich geht es gar nicht in erster Linie darum, dass wir die Verantwortung für das Aufwachsen unserer Kinder und auch dafür haben, dass sie sich in der Gesellschaft zurechtfinden. Die Frage ist für mich eher: Auf welche Art und

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