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Unter drei schon aus dem Haus? Eine Entscheidungshilfe für junge Eltern von Müller-Lissner, Adelheid (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 30.03.2012
  • Verlag: Ch. Links Verlag
eBook (ePUB)
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Unter drei schon aus dem Haus?

Das Betreuungsangebot für Kinder zwischen eins und drei soll in den nächsten Jahren deutlich ausgeweitet werden. Wie schön, sagen die einen: endlich mehr Entlastung für berufstätige Eltern, dazu frühe Bildungschancen und soziale Erfahrungen für die Kinder. Die anderen fürchten, es könnte Kleinkinder überfordern, einen Teil des Tages ohne ihre Eltern zu verbringen. Diese Debatte wird nirgends in Europa so emotional und polarisierend geführt wie in Deutschland. Alltagserfahrungen, wissenschaftliche Erkenntnisse und die Modelle anderer Länder werden dabei allerdings kaum berücksichtigt. Diese Lücke schließt das vorliegende Buch. Adelheid Müller-Lissner stellt die verschiedenen Betreuungsangebote für kleine Kinder vor. Eltern erzählen von ihren Erfahrungen, Entwicklungspsychologen, Pädagogen und Ärzte berichten über wissenschaftliche Studien. Das Buch bietet eine Fülle von Anregungen und konkreten Ratschlägen - und es trägt dazu bei, die überhitzte Diskussion hierzulande zu versachlichen. Dr. Adelheid Müller-Lissner: Jahrgang 1952, Studium der Germanistik, Romanistik, Pädagogik und Philosophie in Marburg und Zürich, promovierte über Sartre, arbeitete einige Jahre als Lehrerin in München und lebt seit 1994 in Berlin, wo sie als freie Journalistin (u.a. für den Tagesspiegel) und Buchautorin arbeitet. Die Autorin ist verheiratet, hat drei Töchter und zwei Enkel.Buchveröffentlichungen u.a.: Nestwärme. Erziehung mit EQ, München 1998, Liebe, Wut und Schuldgefühle. Wenn Töchter sich lösen, Zürich 2000.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 208
    Erscheinungsdatum: 30.03.2012
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783862841547
    Verlag: Ch. Links Verlag
    Größe: 2260 kBytes
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Unter drei schon aus dem Haus?

Einleitung

Von falschen Fragen zu echten Erfahrungen: Welche Lücke dieses Buch schließen will

Ist es gut oder schlecht für die Gesundheit, häufig in Restaurants zu speisen? Der Londoner Entwicklungspsychologe Jay Belsky liebt diese Frage. Denn er kann sich darauf verlassen, dass seine Gesprächspartner darauf ganz spontan mit einer ausgewogenen Antwort reagieren: Kommt ganz drauf an, sagen sie meistens. Darauf, was in den Lokalen auf der Speisekarte steht. Ob man dort mit frischen Zutaten kocht, ungesättigte Fettsäuren bevorzugt und viel Obst und Gemüse auftischt, oder ob vorwiegend dicke Saucen, versalzene Bratkartoffeln und fette Würste serviert werden. Aber auch darauf, welche Gerichte der Gast bestellt und welche Mengen davon er regelmäßig vertilgt.

Dann ist der Wissenschaftler schon mitten in seinem Thema: Belsky ist einer der Initiatoren der weltweit umfangreichsten und meistzitierten Studie zum Thema Kleinkindbetreuung. Die Frage nach Nutzen und Nachteil des Restaurantbesuchs für die Gesundheit stellt er gern als Gegenfrage, wenn man von ihm wissen will: Ist es gut für ein kleines Kind, in einer Kita oder bei einer Tagesmutter betreut zu werden?

Denn auch hier muss die Antwort wohl lauten: Kommt ganz drauf an. "Außer Haus" einen Teil des Tages zu verbringen ist auch für Kleinkinder durchaus bekömmlich. Wenn sie sich an diesem Ort und bei diesen Personen wohlfühlen, wenn ihnen dort von einfühlsamen Erziehungs-Profis geeignete Entwicklungs- und Bildungsangebote gemacht werden. Wenn die Aufenthaltsdauer dort richtig dosiert wird und wenn die Eltern die Zeit, die außerdem noch für die Familie bleibt, richtig nutzen.

Es kommt also auf die Details an - mindestens so sehr wie bei den Restaurants. Und der Vergleich trägt noch weiter. Denn ebenso wie zu Hause zu essen nicht automatisch "gesund" ist, geht es Kleinkindern leider nicht automatisch gut, wenn sie ausschließlich von Familienmitgliedern betreut werden.

Die Qualität muss stimmen, hier wie da. Und dann müssen die Eltern ohne große innere Zweifel zu ihrer Entscheidung stehen können. "Das Dauerabo auf ein schlechtes Gewissen gehört in die Mülltonne!", sagt Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen zu Recht. Sie spricht von einem Abonnement, das abzubestellen sich vor allem (west-)deutsche Mütter immer noch schwertun, wenn sie ihre Kinder im Alter von unter drei Jahren schon "außer Haus" geben.

Polarisierung und alte Ost-West-Schemata

Denn die Betreuungsfrage polarisiert, zumindest in Deutschland: Familien- und Karrierefrauen werden da gegeneinander in Stellung gebracht. Und die durchaus kontrastreichen familiären Vorwende-Erfahrungen und Vorurteile ebenso: Die Kinderkrippe Ost taugt den einen als das positive, leider voreilig kaputtgemachte Vorbild, den anderen dagegen als abschreckendes Beispiel totalitär vereinnahmender und ideologisch bornierter Einheits-Erziehung. War die Kleinkinderziehung im Osten zu Zeiten des "real existierenden Sozialismus" gut, oder hat der streitbare Kriminologe Christian Pfeiffer aus Hannover Recht, der Gewaltbereitschaft und politische Radikalisierung von Jugendlichen plakativ auf den gemeinsamen Töpfchen-Gang der DDR-Krippenkinder zurückführen wollte? War es gut, wie es im Westen zu Zeiten des Wirtschaftswunders lief, oder haben neurotische, unausgefüllte Mittelstands-Nur-Hausfrauen und -Mütter dort ihre Kleinen zu zimperlichen Egoisten erzogen?

So viel Polarisierung gibt der wissenschaftliche Stand der Dinge keineswegs her. In allen uns bekannten Gesellschaften haben außer der Mutter weitere Erwachsene schon die Kleinsten mitbetreut. Von Natur aus sind die mit dem nötigen Appeal dafür ausgestattet: Ein Kleinkind mit seinen "interaktionsregulierenden Kompetenzen" habe "für alle Gruppenmitglieder eine hochrangige Attraktivität", sagt die Entwicklungspsychologin Lieselotte Ahnert von der Uni Köln. Schlichter und unwissenschaftlicher ausgedrückt: Das

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