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Frühpädagogik Erziehung und Bildung kleiner Kinder - Ein dialogischer Ansatz von Liegle, Ludwig (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 28.02.2013
  • Verlag: Kohlhammer Verlag
eBook (ePUB)
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Frühpädagogik

Der Ausbau der öffentlichen Kleinkind- und Vorschulerziehung hat derzeit Hochkonjunktur. Vor allem Studierenden, aber auch schon in der Praxis tätigen Fachkräften bietet dieser Band Orientierungswissen zu grundlegenden Fragen der Frühpädagogik und klärt gleichzeitig die hier verwendeten Grundbegriffe. Einen besonderen Schwerpunkt bildet dabei ein dialogischer Ansatz: Betreuung, Erziehung und Bildung werden aufgefasst als Aspekte eines kommunikativen Geschehens, das von den Eltern bzw. Fachkräften und den Kindern in ihren wechselseitigen Beziehungen und dem gemeinsamen Bezug auf Welten der Bildung hervorgebracht und gestaltet wird. Dieser Ansatz wird an ausgewählten Beispielen als Grundlage einer dialogisch orientierten beziehungspädagogischen Praxis in Familien und in Tageseinrichtungen für Kinder vorgestellt. Von überschaubarem Umfang fügt der Band Grundbegriffe, pädagogische Ansätze und schließlich das pädagogische Geschehen zu einem stimmigen Gesamtbild und bietet so einen kleinen Grundriss der Frühpädagogik. Ludwig Liegle war Professor für Allgemeine Erziehungswissenschaft an der Universität Tübingen.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 172
    Erscheinungsdatum: 28.02.2013
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783170276109
    Verlag: Kohlhammer Verlag
    Größe: 7647 kBytes
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Frühpädagogik

1
Kindheit zwischen biologischer und kultureller Evolution: Die "kulturelle Natur" der menschlichen Entwicklung

Wir alle sind Kinder gewesen und können über unsere Kindheit nachdenken und erzählen. Kinder und Kindheiten erscheinen deshalb zunächst einmal als selbstverständliche Gegebenheiten. Spätestens dann jedoch, wenn beispielsweise Großeltern oder ausländische Gäste von ihrer Kindheit erzählen, werden wir gewahr: Zwar waren alle Erwachsene zunächst einmal Kinder, aber ihre Kindheiten weisen unter einander sowie im Vergleich zu unserer Kindheit viele Unterschiede auf. Für das Nachdenken über die eigene Kindheit ergibt sich daraus die Einsicht: Wären wir in einem anderen Land oder in einer anderen Geschichtsepoche geboren worden und aufgewachsen, so hätten wir eine andere Kindheit erfahren und hätten uns beispielsweise eine andere Muttersprache angeeignet; wir wären zu anderen Kindern und zu anderen erwachsenen Personen geworden; wir würden unsere Kindheit "anders" wahrnehmen und - als Eltern ebenso wie als Kindheitspädagogen - die Beziehungen zu Kindern anders gestalten.

In seiner Autobiographie "Dichtung und Wahrheit" hat Goethe die genannte Einsicht in dem Satz zusammengefasst: "Ein jeder, nur zehn Jahre früher oder später geboren, dürfte, was seine eigene Bildung und die Wirkung nach außen betrifft, ein ganz anderer geworden sein."

Ein Kind sollte demnach nicht nur als eine Person in einer biologisch bestimmten Lebensphase, sondern immer auch als ein Kind seiner Zeit sowie einer bestimmten gesellschaftlich-kulturellen Umwelt verstanden werden. In dieser historisch-kulturellen Perspektive erscheint, wie der Satz von Goethe zeigt, auch die "eigene Bildung" einer Person - ihre Individualität, ihre Identität, ihr "Selbst" - nicht etwa nur als Ausdruck biologisch bestimmter Anlagen und Reifungsprozesse, sondern auch als das (vorläufige) Ergebnis eines Beziehungsgeschehens , das den gesamten Lebenslauf begleitet. Dieses soziale Geschehen werden wir in Kapitel 2 im Lichte der (früh-)pädagogischen Grundbegriffe genauer beschreiben. Dabei wird deutlich werden: Die Erfahrung und Gestaltung von sozialen Beziehungen tragen entscheidend dazu bei, dass und wie wir die wechselseitige Abhängigkeit zwischen Anlage und Umwelt, Natur und Kultur sowie Individuum und Gesellschaft in unseren Lebenslauf und in unsere Persönlichkeitsentwicklung integrieren können.
1.1 Kindheit - ein Ergebnis der biologischen Evolution

Im Prozess der biologischen Evolution ist es bei den hoch entwickelten Säugetieren bzw. Nesthockern zur Ausbildung einer nachgeburtlichen Lebens- und Lernphase unterschiedlicher Dauer gekommen; deren Funktion liegt darin, den Nachwuchs vermittels verschiedener Formen der Tätigkeit und Erfahrung (z. B. Nachahmung, Spielen, Üben) zu jener Handlungsfähigkeit gelangen zu lassen, die zum Überleben in der je spezifischen Umwelt erforderlich ist. Allgemein kann man sagen: Je weniger angeborene Eigenschaften und Verhaltensweisen ausreichen, um Anpassung an und Handlungsfähigkeit in der jeweiligen Umwelt zu gewährleisten, und je komplexer diese Umwelt organisiert ist, desto mehr nimmt die Bedeutung einer nachgeburtlichen Lernphase zu. Beim Menschen vollzieht sich die Entwicklung seines komplexen Gehirns, wie die einschlägige Forschung belegt, nicht nur als ein Reifungsprozess, sondern auch in Abhängigkeit von sozialen ( bzw. transaktionalen) Erfahrungen. Ein gutes Beispiel dafür bietet der Spracherwerb: Jedes Kind ist gattungsgeschichtlich dazu befähigt, Sprache zu entwickeln; diese Entwicklung kommt aber nur unter der Voraussetzung zustande, dass das Kind in einer sprachlich geprägten Umwelt aufwächst. Allgemeiner gesagt: In der menschlichen Entwicklung (ansatzweise gilt das für alle Primaten) wirken immer zwei Prozesse zusammen: Prozesse des Erbens (Weitergabe von Genen von Generation zu Generation) und Prozesse des Erwerbens

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