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Kultursensitive Frühpädagogik von Borke, Jörn (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 13.02.2014
  • Verlag: Kohlhammer Verlag
eBook (PDF)
21,99 €
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Kultursensitive Frühpädagogik

Kulturelle Vielfalt ist im Kindergarten heute nicht mehr die Ausnahme, sondern gelebte und erfahrene Realität. In Kindertagesstätten treffen heute Eltern und Kinder mit ganz unterschiedlichen kulturellen Hintergründen zusammen, wobei es nicht immer einfach ist, die notwendige Sensibilität, Toleranz, aber auch den Respekt gegenüber anderen Werten und Normen, anderem Rollenverhalten der Geschlechter, anderen Familien- und Generationsverhältnissen aufzubringen. Das Buch entwickelt pädagogische Ansätze, die der Vielfalt in den KiTas gerecht werden. Grundlagen dafür liefert die kulturvergleichende Entwicklungspsychologie, die unterschiedliche kulturelle Modelle der Entwicklung, die unterschiedlichen Erziehungsstrategien und die Unterschiede in der sozialemotionalen, kognitiven und Selbstentwicklung der Kinder ins wissenschaftliche Visier nimmt. Prof. Dr. Heidi Keller lehrt am Fachbereich Psychologie der Universität Osnabrück. Dr. Jörn Borke ist dort wissenschaftlicher Mitarbeiter.

Produktinformationen

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Kultursensitive Frühpädagogik

1 Kultur und Entwicklung

1.1 Einleitung

In diesem Kapitel wird ein ökokulturelles Modell von Entwicklung dargestellt, das die Hintergründe für die weiter unten ausgeführten Ansätze einer entwicklungspsychologisch fundierten kultursensitiven Frühpädagogik im Sinne einer differenziell orientierten Pädagogik bildet. Ausgangspunkt ist die zentrale Annahme, dass alle Menschen mit biologisch angelegten Entwicklungspotenzialen ausgestattet sind, die es ihnen ermöglichen, Entwicklungsaufgaben zu bewältigen. Diese Potenziale werden in Umwelten realisiert, die manche Aspekte eher unterstützen und andere eher behindern oder unterbinden. Die Umwelt hat also einen selektierenden Einfluss auf die Gestaltung und Ergebnisse von Entwicklungsprozessen und bestimmt maßgeblich die jeweiligen Denk- und Verhaltensweisen und damit die Kultur eines jeweiligen Kontextes. Kulturell bedingte Ausprägungen bestimmter Entwicklungswege sind also als Anpassungen an die jeweiligen Bedingungen und Anforderungen des Umfeldes zu sehen, in dem sich die Menschen bzw. Kinder erfolgreich entwickeln sollen. Dabei lassen sich universelle Entwicklungsaufgaben beschreiben (z. B. Erikson, 1950; Havighurst, 1972), die den menschlichen Lebenslauf gliedern, als Teil unseres evolutionären Erbes angesehen werden können und die von allen Menschen zu bewältigen sind. Im Verlauf der Menschheitsgeschichte haben sich Aufgaben gestellt, die eine erfolgreichere Anpassung ermöglichten, z. B. können sich größere Gruppen erfolgreicher verteidigen und effektiver Nahrungsquellen erschließen. Größere Gruppen erfordern aber andere Kommunikationsmuster, um die Gruppenzusammengehörigkeit zu erhalten. Manche Evolutionspsychologen erklären so auch die Entstehung von Sprache: Sprache ermöglichte die Aufrechterhaltung von sozialen Beziehungen in größeren Gruppen ( social grooming Hypothese [Sprache als soziale Weiterentwicklung der bei vielen Tierarten üblichen gegenseitigen Fellpflege], Dunbar, 1996). Also mussten sich entsprechende Fähigkeiten und Fertigkeiten herausbilden, die den Erwerb dieser neuen Kompetenzen ermöglichten. Durch die zentrale Bedeutung der Kontexteinflüsse wird die besondere Bedeutung des Lernens für die menschliche Entwicklung deutlich. Das Lernen in Abhängigkeit von Kontextfaktoren ist zwar ein lebenslanger Prozess, dennoch bestehen enge Beziehungen zwischen der Wirksamkeit und der Bedeutsamkeit von Erfahrungen in den jeweiligen Entwicklungsphasen. Gerade das Säuglings- und Kleinkindalter ist eine besondere Entwicklungsphase, da die Entwicklungsgeschwindigkeit höher und die Entwicklungsanforderungen in den ersten beiden Lebensjahren umfangreicher sind als in anderen Entwicklungsphasen. Aufgrund der komplexen Anforderungen der sozialen Regulation in größeren Gruppen (Geary & Flinn, 2001) und der damit verbundenen Notwendigkeit sozialer Intelligenz entwickelte und vergrößerte sich das menschliche Gehirn. Die ebenfalls evolvierte Zweibeinigkeit des Menschen, welche wiederum den großen Selektionsvorteil mit sich brachte, dass die Hände auch losgelöst von Fortbewegungsaktivitäten benutzt werden können, begrenzte die Ausdehnungsmöglichkeiten des Geburtskanal. Das bedeutet, dass Babys nicht im Mutterleib ausreifen können, da sie dann den Geburtskanal nicht mehr passieren könnten. So kam es dazu, dass die Säuglinge früher und damit unreifer (etwa 2–3 Monate vorverlagert) geboren werden. Der Schweizer Biologe, Zoologe und Naturphilosoph Adolf Portmann (1941) hat den Menschen daher als "physiologische Frühgeburt" bezeichnet. Diese besondere Au

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