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Bezugsbetreuung für Kinder mit Bindungsstörungen Ein Konzept für die heilpädagogisch-therapeutische Praxis von Schroll, Britta (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 02.09.2013
  • Verlag: Tectum Wissenschaftsverlag
eBook (PDF)
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Bezugsbetreuung für Kinder mit Bindungsstörungen

Nach Erfahrungen der Verwahrlosung, dem Verlust von Elternteilen oder gar sexuellem Missbrauch können Kinder häufig keine tragenden Bindungen zu Erwachsenen aufbauen. Diesen schwer traumatisierten jungen Patienten fehlt zumeist die Erfahrung positiver Zuwendung, die nicht mit körperlichen oder seelischen Schmerzen erkauft werden muss. Von Erwachsenen um ihrer selbst Willen angenommen zu werden, ist für diese Kinder zuerst ein verwirrendes Erlebnis. Seit vielen Jahren setzt die pädagogische und therapeutische Begleitung von Kindern mit Bindungsstörungen erfolgreich auf die Bezugsbetreuung. Dabei wird jedem Kind bei stationärer Behandlung eine feste Bezugsperson zur Seite gestellt, die die von Eltern gelassene Leerstelle ausfüllt. Trotz zahlreicher Therapie-Erfolge wurde dieser Behandlungsansatz bislang nicht fachtheoretisch beschrieben. Anhand eines erhobenen Fallbeispieles und unter Rückgriff auf bisherige wissenschaftliche Erkenntnisse legt Dipl. Soz. Päd./-arbeiterin Britta Schroll hiermit endlich einen längst überfälligen Konzeptentwurf für die Bezugsbetreuung im (heil)pädagogisch-therapeutischen Arbeitsfeld vor.

Produktinformationen

    Format: PDF
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 193
    Erscheinungsdatum: 02.09.2013
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783828853935
    Verlag: Tectum Wissenschaftsverlag
    Größe: 402 kBytes
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Bezugsbetreuung für Kinder mit Bindungsstörungen

4 Kinder mit Bindungsstörungen und deren Bedürftigkeiten

4.1 Definition des Begriffes Beziehung

Beziehung kann oberflächlich betrachtet definiert werden als Rolleninteraktion. Zwei Beziehungspartner gehen nicht als Individuen, sondern funktionell als Rollenträger miteinander um (z. B. Mutter - Kind, Sozialpädagoge - Klient, usw.). Die gesellschaftliche Definition der jeweiligen Rolle legt das Verhalten beider im Wesentlichen fest (vgl. Kistner 2002, 19). Obwohl die soziale Interaktion die Grundlage für Beziehung bildet, lässt diese sich nicht auf die sichtbare Handlungsebene reduzieren. Eine maßgebliche Rolle spielen nämlich darüber hinaus die wechselseitigen Emotionen und die jeweiligen individuellen Persönlichkeiten der beiden Beziehungspartner. Dies zeigt sich besonders darin, dass Beziehungen auch bei Trennungen weiter bestehen können, obwohl in dieser Zeit keine Interaktion stattfindet.

Die Art von Beziehungen hängt dennoch von der objektiven Situation, d. h. den Rahmenbedingungen und den gesellschaftlichen Vorgaben ab. Die wichtigsten sind:

- die sozialen Rollen der Beteiligten
- der Gegenstand der Interaktion
- der Zweck der Interaktion
- die voraussichtliche Dauer
- die Wahl oder Vorgabe des Interaktionspartners
- die wechselseitige soziale Macht der Beteiligten (vgl. ebd.)

Da Beziehungen aber zwischen Personen und nicht zwischen Rollen bestehen, entwickeln sie sich auf dem Hintergrund der Persönlichkeit der Beteiligten, wozu z. B. die eigene Rollendefinition und -gestaltung, eigene Normen und Werte, Stereotype, Wünsche, Bedürfnisse, der eigene Kommunikationsstil sowie die individuelle Beziehungsfähigkeit gehören. Es kann also gesagt werden, dass die Grundvoraussetzung von Beziehung ein "personales Gegenüber" ist (vgl. ebd.).

Der Begriff der Beziehung und deren Bedeutung beschäftigt die Anhänger verschiedener Wissenschaften, wie Theologen, Philosophen und Erziehungswissenschaftler bereits seit mehreren hundert Jahren. Insbesondere auch die pädagogische Beziehung rückte dabei in den Mittelpunkt der Betrachtungen und wurde aus unterschiedlichen Zeit- und Gesellschaftskontexten heraus erfasst und definiert. Einige davon sind aus der heutigen Sicht der pädagogischen Arbeit sicherlich überholt und nur noch von historischem Wert. Andere wirken, sei es ganz oder teilweise, bis heute auf das Verständnis von pädagogischer Beziehung ein oder geben Anlass zu kritischen Auseinandersetzungen. In diesem Kapitel sollen einige ausgewählte Sichtweisen zusammenfassend dargestellt werden.

4.1.1 Das dialogische Prinzip nach Martin Buber

Der Theologe und Philosoph Martin Buber beschäftigte sich intensiv philosophisch-anthropologisch mit der zwischenmenschlichen Beziehung, deren Wesen, Entstehung und Bedeutung für den Menschen. Buber sieht das Prinzip des Menschseins als ein auf zwei Aspekten beruhendes Sein. Der erste Aspekt ist die "Urdistanzierung", also die Fähigkeit, sich getrennt von seinem Gegenüber wahrnehmen zu können sowie das Gegenüber als selbstständige Person zu erkennen. Darauf aufbauend folgt das "In-Beziehungtreten", denn nach Buber kann nur derjenige in eine Beziehung eintreten, der sich auch distanziert von seinem Gegenüber sehen kann (vgl. Buber 1978, 11).

Aufgrund dieser beiden Aspekte ist es dem Menschen möglich, durch Sprache mit anderen in einen Dialog treten, den Buber als dialogische "Ich-Du" Beziehung bezeichnet. Um überhaupt Mensch werden zu können, ist er geradezu existenziell auf die Bestätigung und Anerkennung angewiesen, die er aus dieser Ich-Du-Beziehung gewinnt (vgl. Buber 1973, 7).

Weiterhin misst Buber der Beziehung die zentrale Bed

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